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Rastlos im Ruhestand - Alois Glück wird 70
Donnerstag, 21. Januar 2010Eigentlich hatte sich Alois Glück seine Pensionierung anders vorgestellt. An diesem Sonntag (24. Januar) wird der frühere Landtagspräsident, langjähriger CSU-Fraktionschef, Strippenzieher und und Chefdenker 70. Doch Zeit zum Bergwandern und Fotografieren hat er ein Jahr nach seinem Abschied aus dem Landtag nicht, obwohl er sich das eigentlich vorgenommen hatte. Stattdessen hat Glück ein neues Buch geschrieben und alle Hände voll zu tun als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Glück im Ruhestand ist so rastlos wie eh und je. «Das ist nicht das, was ich mir eigentlich erträumt hatte», sagt er. «Ich führe ein ziemlich intensives Leben. Aber mir persönlich geht es gut.»
In den Medien wurde Glück über Jahre als «graue Eminenz» der CSU charakterisiert, weil er als Fraktionschef gern unsichtbar im Hintergrund wirkte - und trotzdem zu den mächtigsten Männern der CSU zählte. Die Beschreibung «graue Eminenz» war nie sonderlich treffend, denn Glück war immer von sehr rosiger Gesichtsfarbe. Manche Politiker sehen mit vierzig schon aus wie sechzig, während Glück mit siebzig mindestens zehn Jahre jünger wirkt. Zum Geburtstag rollt eine Lawine von Glückwünschen und Lobeshymnen auf ihn zu. Den Auftakt machte am Donnerstag Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU): «Über Jahrzehnte hinweg warst Du der Vordenker in unseren Reihen.»
Glücks neues Buch heißt «Warum wir uns ändern müssen» und liegt passend zum 70. Geburtstag in den Buchläden aus - ein Grund für den Termindruck in den vergangenen Monaten, weil Glück sich mit der Niederschrift beeilen musste. Wie immer macht er sich große Gedanken: «Ausgehend von der Einschätzung, dass unsere Art zu leben und zu wirtschaften keine Zukunft hat, geht es mir darum, Problembewusstsein zu wecken und Wege aufzuzeigen», sagt er. Das Buch enthalte einen Dreischritt: Die tieferen Gründe der Krise, eine Analyse, warum die gegenwärtige Wirtschaftsform nach Glücks Einschätzung nicht zukunftsfähig ist und Merkmale einer und Wege zu einer zukunftsfähigen Kultur.
In der CSU wurde Glück wegen seiner philosophischen Neigungen von vielen belächelt, manchen ging er mit seinen ständigen Mahnungen auf die Nerven. Über Jahre war er der Gegenspieler des ewig vorwärts stürmenden Edmund Stoiber. Im Vergleich zu Stoiber wirkte Glück wie der betuliche Bremser, der ständig «Obacht» rief. Doch anders als Stoiber - und vielen anderen Spitzenpolitikern - ist es Glück gelungen, sich persönlich völlig unbeschadet aus der Politik zu verabschieden. Während im Zuge des BayernLB-Milliardendebakels auch das Denkmal Stoiber bröckelt, erfreut sein alter Rivale Glück sich nach wie vor höchsten Ansehens.
Heute spielt Glück keine dominante Rolle mehr in der CSU, doch hat sein Wort nach wie vor so viel Gewicht, dass er den jetzigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ärgern kann. Der schimpfte im Oktober öffentlich über die Kritik an seiner Amtsführung aus Reihen der CSU: «Da sagt der Alois Glück was, da sagt der Theo Waigel was, da sagt der Erwin Huber was, da sagt der Max Straubinger was, und wenn das fertig ist, fängt der Alois Glück wieder an», klagte Seehofer. Es ist ein offenes Geheimnis in der CSU, dass Glück und Seehofer nie innige Freunde waren. «Ich sehe wie viele andere die Situation ein Stück weit mit Sorge», sagt Glück. «Ohne Zweifel ist das eine ganz wichtige Phase für die Partei.»
Momentan aber ist Glück weniger mit der CSU beschäftigt als mit der Vorbereitung des ökumenischen Kirchentags in München. «Das braucht inhaltlich und organisatorisch sehr viel Vorbereitung.» Und irgendwann hat er vielleicht doch noch Zeit für den Ruhestand. «Die Hoffnung stirbt nicht», sagt Glück.
dpa ch yyby a3 uk
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