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Warnung vor Ostalgie - Gedenkstunde im Bayerischen Landtag zum Mauerfall - Schipanski: Prozess der schleichenden Verklärung stoppen
Mittwoch, 11. November 2009Warnungen vor einer Verharmlosung des DDR-Unrechts haben am Mittwoch in München eine Gedenkstunde des bayerischen Landtags zum Mauerfall vor 20 Jahren geprägt. Die frühere thüringische Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski (CDU) forderte, der Prozess der «schleichenden Verklärung der Vergangenheit» müsse entschieden gestoppt werden. Die Opfer müssten die «Deutungshoheit» über die Ereignisse von damals behalten - «und nicht die Täter».
Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) würdigte die friedliche Revolution vom 9. November 1989 und die «mutigen Menschen in der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung». Sie warnte zugleich vor Ostalgie, also einem «fast schon wehmütigen Erinnern an ein scheinbar behagliches Leben in der DDR». Die wirklichen Verhältnisse in der DDR dürften nicht verdrängt werden.
Schipanski sagte, sie sei «traurig und wütend», weil viele junge Menschen keine Kenntnisse über diesen Teil der Geschichte hätten. Es müsse ein «Protestschrei durch das Land gehen», damit nicht nur am 9. November hieran erinnert werde. Die Kinder müssten begreifen, dass staatliche Unterdrückung der Freiheit nicht nur eine individuelle, sondern auch eine nationale «Katastrophe» bedeute.
Schipanski fügte hinzu: «Für einen Menschen ist der Gedächtnisverlust eine schwere Erkrankung - für eine Gesellschaft gilt das in gleicher Weise.» Die Erinnerung dürfe nicht verblassen.
Die CDU-Politikerin betonte, die innerdeutsche Grenze sei «eine der grausamsten Grenzen der Welt» gewesen. Sie kritisierte zugleich, der Umgang der Deutschen mit dem «Wunder» der Wiedervereinigung sei allzu oft von Nörgelei und gegenseitiger Besserwisserei geprägt gewesen. Wer sich aber ohne Vorurteile umschaue, der könne mit großer Freude ein enorm verändertes Land in «neuer Schönheit» sehen.
Schipanski dankte für die finanzielle Hilfe aus dem Westen für die neuen Bundesländer. Sie sage dazu «ganz deutlich: Wir sind nicht das Milliardengrab von Deutschland, wir sind die Milliardenchance für Deutschland». Allerdings sei die Arbeitslosigkeit im Osten «viel zu hoch». Die neuen Länder seien noch immer auf die Solidarität des Westens angewiesen. Dies bitte sie auch bei den bayerischen Haushaltsberatungen zu berücksichtigen.
Schipanski bekam viel Applaus für ihre Rede - unter anderen vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Anschließend las der Schriftsteller Reiner Kunze aus seinen Werken vor.
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