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Dauerausstellung - Sternstunden der Parlamentsstenografie

– Von Katja Helmö –
Bei der Entwicklung der Deutschen Einheitskurzschrift spielte ein bayerischer Ministerialsekretär eine wegweisende Rolle: Franz Xaver Gabelsberger (1789-1849) erfand eine kursive Kurzschrift, die wie die Schreibschrift in einer einheitlichen Richtung verläuft und sich flüssig schreiben lässt. 1834 erschien dazu in München sein Hauptwerk: die „Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst oder Stenographie".
Die von Gabelsberger erfundene kursive Kurzschrift bedeutete einen großen Fortschritt gegenüber der damals als vorbildlich geltenden englischen Kurzschrift. Diese war mit ihren voneinander abgesetzten, geometrischen Zeichen unhandlich und passte nicht so recht zur deutschen Sprache. Die Erfindung Gabelsbergers kam zudem genau zum richtigen Zeitpunkt: In Deutschland breitete sich demokratisches Denken aus, Parlamente entstanden, Verfassungen wurden diskutiert, Vereine gegründet. Liberaler Geist zog durch das Land, ließ Handel, Handwerk und Industrie aufblühen. Auf solchem Boden konnte Stenografie gedeihen.
Allerdings sprossen in den Jahrzehnten nach 1850 sehr viele weitere Kurzschriftsysteme hervor: Außer Gabelsberger und Stolze-Schrey – nach Gabelsberger das am zweithäufigsten verwendete Stenografie-System in Deutschland – machten auch noch andere Systeme und Varianten von sich reden. Von vielen Seiten begrüßt wurde daher die 1924 eingeführte Deutsche Einheitskurzschrift, die hauptsächlich aus den Systemen von Gabelsberger und Stolze-Schrey entwickelt wurde.

Lebenswerk von Franz Xaver Gabelsberger
Die Ausstellung im Landtag dokumentiert im gesamtdeutschen Kontext die Lebensgeschichte und das Lebenswerk Gabelsbergers, das dieser „in Liebe und Dankbarkeit seinem Vaterland Bayern“ gewidmet hatte. Neben Fotos und Original-Dokumenten des berühmten Münchner Stenografen wirft die Ausstellung aber auch Schlaglichter auf die Entwicklung des Stenografischen Dienstes des Bayerischen Landtags seit 1946.
Damals wie heute halten die Stenografen des Landtags während der Plenarsitzungen nicht nur die Redebeiträge der Politiker fest, sondern haben stets das Gesamtgeschehen im Sitzungssaal im Auge, d. h. sie notieren auch Zwischenrufe, Beifallsbekundungen oder Missfallensäußerungen. Den Schwerpunkt der Stenografentätigkeit beim Bayerischen Landtag bildet die Protokollierung der Ausschusssitzungen. Bis 1982 nahm übrigens ein eigenes Landesamt für Kurzschrift diese Aufgabe wahr. Im Zuge seiner Auflösung wurden der Stenografische Dienst in die Landtagsverwaltung integriert und die Ausbildung der Fachlehrer für Stenografie und Maschinenschreiben in die Hände der regionalen Stenografenvereine gelegt.
Die Ausstellung gibt interessante Einblicke in den Arbeitsalltag der Parlamentsstenografen. Dabei wird auch die Bürotechnik im Wandel der Zeit vorgestellt – z. B. die Original-Stoewer Schreibmaschine, auf der 1946 die Bayerische Verfassung getippt worden war; oder eine Mignon-Maschine, mit der bereits in den 20-er Jahren die Typografien gewechselt werden konnten; aber auch Uhren zum Stoppen der Redezeit oder Aufnahmegeräte.
Bei einem Großteil der Exponate handelt es sich um Ausstellungsstücke, die der Bayerische Landtag 1999 anlässlich des 150. Todestages von Franz Xaver Gabelsberger im Maximilianeum in einer Sonderausstellung gezeigt hatte. Weitere Exponate wurden von dem in München ansässigen Stenographen-Zentralverein Gabelsberger e.V. als Leihgaben zur Verfügung gestellt.


















