Bayerischer Landtag

Bauarbeiten für Parlamentserweiterung

Montag, 15. Februar 2010
– Von Katja Helmö –

Auf dem Gelände des Maximilianeums sind die Bagger angerückt. Ein alter Saaltrakt wird abgerissen, um im Nordhof Platz zu schaffen für ein neues funktionales Bürogebäude: den Erweiterungsbau Nord. Der drittgrößte Sitzungssaal des Landtags, drei Besprechungsräume sowie 50 zusätzliche Büros sollen darin bis zum Herbst 2011 entstehen. Hintergrund der Baumaßnahme ist der akute Platzmangel im Maximilianeum.

 

 

Abrissarbeiten im Nordhof des Maximilianeums. Foto rechts: Modellansicht des geplanten Erweiterungsbaus. | Foto: Rolf Poss
Abrissarbeiten im Nordhof des Maximilianeums. Foto rechts: Modellansicht des geplanten Erweiterungsbaus. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Nach der Landtagswahl im Herbst 2008, als mit den Freien Wählern und der FDP zwei weitere, und damit neben CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen insgesamt fünf Fraktionen in den Landtag einzogen, hatte sich die ohnehin seit geraumer Zeit angespannte Raumsituation im Maximilianeum nochmals deutlich verschärft. Hinzu kamen sieben zusätzliche Abgeordnete, die aufgrund von Überhang- bzw. Ausgleichsmandaten einen Sitz im Parlament erlangt hatten. „Für die 187 statt früher 180 Landtagsabgeordneten, deren Mitarbeiter sowie die Beschäftigten der fünf Fraktionsgeschäftsstellen und des Landtagsamts reichte der Platz im Parlamentsgebäude nicht mehr aus“, berichtet Josef Reimer, Referatsleiter Organisation, Innere Dienste vom Landtagsamt.

Teile der Landtagsverwaltung mussten deshalb das Stammhaus räumen und vorübergehend in einer Außenstelle untergebracht werden. „Eine provisorische Lösung, die mit mancherlei Unannehmlichkeiten verbunden ist. Letztlich aber profitieren alle im Haus von der Baumaßnahme“, sagt Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Die Landtagsverwaltung soll, so sieht es ein Beschluss des Präsidiums vor, wieder in das Parlamentsgebäude zurückkehren, sobald der Erweiterungsbau bezugsfertig ist. Die Arbeitsbedingungen im Parlament werden sich dann spürbar verbessern.

Arbeiten mit lärm- und erschütterungsintensiven Großgeräten

Bis dahin gilt es, die größte Baumaßnahme dieser Legislaturperiode zu realisieren. Bis Mitte März wird ein alter Saaltrakt im Nordhof abgebrochen, um Platz zu schaffen für den Erweiterungsbau. Aufgrund der beengten Baufläche muss die Baugrube vor dem Aushub rundum mit einer Bohrpfahlwand stabilisiert werden. Zur Errichtung dieser Wände werden 12 Meter lange Pfähle in den Boden gebohrt und mit Beton aufgefüllt – Arbeiten, die mit lärm- und erschütterungsintensiven Großgeräten ausgeführt werden. „In dieser Phase ist auf dem Nordhof zudem mit regem Baustellenverkehr zu rechnen. Frischbeton und die Bewehrungskörbe – ein Korb ist jeweils 11 Meter lang und wiegt rund eine halbe Tonne – müssen angeliefert werden“, berichtet Dominik Weber, verantwortlicher Projektleiter vom Staatlichen Bauamt München 2. Knapp drei Monate wird der Baugrubenverbau dauern.

Ab Mitte Juni kann dann mit dem Rohbau begonnen werden. Entsprechend des Baufortschritts soll bis Ende 2010 etagenweise die Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Erweiterungsbau hergestellt werden. „Wir verfolgen das ehrgeizige Ziel, bis Weihnachten den Rohbau fertigzustellen“, erklärt Thomas Kiermeyer, Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt München 2, der die Gesamtverantwortung des Projekts im Maximilianeum trägt und derzeit auch beim Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) inklusive Staatlichem Museum Ägyptischer Kunst in der Maxvorstadt für die Projektsteuerung verantwortlich ist.

Rundgang über die Baustelle der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF): Thomas Kiermeyer (2.v.r.) und Peter Worm, Direktor des Bayerischen Landtags (Mitte), mit Führungskräften der Parlamentsverwaltung. | Foto: Rolf Poss
Rundgang über die Baustelle der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF): Thomas Kiermeyer (2.v.r.) und Peter Worm, Direktor des Bayerischen Landtags (Mitte), mit Führungskräften der Parlamentsverwaltung. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

In der Gabelsbergerstraße entsteht derzeit ein 150 Meter langer Komplex, der bis Ende des Jahres die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) sowie das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst beherbergen wird. Abteilungsleiter Thomas Kiermeyer vom Staatlichen Bauamt München 2 (3.v.r.) machte mit den Führungskräften des Landtagsamts einen Rundgang über diese Baustelle. Kiermeyer trägt nicht nur für den Erweiterungsbau im Maximilianeum, sondern auch für das architektonisch anspruchsvolle Projekt in der Gabelsbergerstraße die Gesamtverantwortung. In der Mitte: Peter Worm, Direktor des Bayerischen Landtags.

 

 

Blick in den Nordhof: Die Baustelle im Maximilianeum. | Foto: Rolf Poss
Blick in den Nordhof: Die Baustelle im Maximilianeum. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Andere Perspektive: Die Baustelle mit Blick nach Süden. | Foto: Rolf Poss
Andere Perspektive: Die Baustelle mit Blick nach Süden. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Erweiterungsbau: Arbeiten haben begonnen

Im Maximilianeum soll ab Januar 2011 der Ausbau des hochgedämmten Anbaus starten. Dieser wird nach einem Entwurf der Berliner Architekten Léon Wohlhage Wernik im Passivhausstandard verwirklicht. Mit seinem unverwechselbarem Charakter zur Nordseite wird sich der Erweiterungsbau, so sehen es die Pläne vor, harmonisch in die städtebaulich herausragende Umgebung des Maximilianeums einfügen. Material und Farbe, Fensterhöhen und die Öffnungstiefen orientieren sich am Altbestand, um einen stimmigen Übergang zu gewährleisten.

„Hier setzt der Freistaat energetische Maßstäbe"

Einem effizienten Energie-Management durch moderne Haus- und Heiztechnik galt ebenfalls das besondere Augenmerk der Planer: „Die Kohlendioxid-Emissionen des neuen Gebäudes werden um 70 Prozent unter der derzeit gültigen Energieeinsparverordnung liegen“, berichtet Dominik Weber. Solarthermieflächen auf dem Dach decken den Warmwasserbedarf des Gebäudes komplett ab, Photovoltaikflächen können zur Stromerzeugung genutzt werden. Die Heizwärme wird über einen Anschluss an die Fernwärme bezogen. „Ein sorgsamer und intelligenter Ressourcenverbrauch war ein ganz wesentlicher Aspekt bei unseren Planungen“, unterstreicht auch Thomas Kiermeyer und verweist in diesem Zusammenhang auf eine hohe Wirtschaftlichkeit durch geringe Energiekosten: „Hier geht der Freistaat Bayern mit gutem Beispiel voran und setzt energetische Maßstäbe.“ 

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