Bayerischer Landtag

Wiedersehen mit der Kunst im Maximilianeum nach 67 Jahren

Donnerstag, 11. Juni 2015
– Von Katja Helmö –

Für Gertrud Turban ist im Maximilianeum ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: 67 Jahre, nachdem sie als damals junge Kunststudentin an der Restaurierung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Wandmalereien mitgewirkt hatte, konnte sie bei einem Rundgang die Architektur und die Kunst des Hauses wiedersehen – für die 90jährige Künstlerin, die heute in Bamberg lebt, ein wunderbares Erlebnis. Und dass sich sogar Landtagspräsidentin Barbara Stamm sowie Hanspeter Beißer, Vorstand der Stiftung Maximilianeum, Zeit für persönliche Gespräche mit ihr nahmen, übertraf alle ihre Erwartungen.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm begrüßt die Künstlerin Gertrud Turban, die mit ihrer Tochter Angelika Turban, Enkel Jakob Turban und Christoph Glaser, einem Freund der Familie, angereist war. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Begegnung im Amtszimmer der Präsidentin: Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Künstlerin Gertrud Turban betrachten Fotos vom Maximilianeum aus dem Jahr 1946. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Hanspeter Beißer, Vorstand der Stiftung Maximilianeum, begleitete die Künstlerin Gertrud Turban bei ihrem Rundgang durchs Haus. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Gertrud Turban freute sich über den Gedankenaustausch mit (v.r.) Stiftungsvorstand Hanspeter Beißer, Bibliotheks- und Archivleiter Dr. Markus Nadler, Architektin Margot Meuer und Beate Stadler vom Referat Öffentlichkeitsarbeit, Besucher. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Foto aus dem Jahr 1946: Dem Fresko von Engelbert Seibertz hatten Wasserschäden nach Kriegseinwirkung sehr zugesetzt. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Gertrud Turban war in den Jahren 1946 bis 1951 Studentin an der Akademie der Bildenden Künste München. Zusammen mit drei Studienkollegen war sie 1948 von ihrem Professor dazu ausgewählt worden, die zerstörten Wandmalereien in den Galerien des Maximilianeums wiederherzustellen und zu renovieren: „Es sah alles sehr ramponiert aus. Wasserschäden nach Kriegseinwirkung hatten den Fresken arg zugesetzt“, erinnert sich die agile Dame, die mit Tochter und Enkel angereist war, beim Rundgang durch die historischen Säle.

Eine verblichene Postkarte in Schwarz-Weiß aus der Vorkriegszeit diente ihrem Studienkollegen Günter Voglsamer damals als einzige Vorlage, um das beschädigte Fresko im heutigen Konferenzzimmer – dieses zeigt einen Kreis berühmter Männer aus Kunst und Wissenschaft in Bayern – zu ergänzen und ihm wieder Leben bzw. Farbe einzuhauchen. „Wir, die noch jüngeren Kunststudenten, kümmerten uns vor allem um die Ornamentik und die Säulen“, erzählt die gebürtige Traunsteinerin und hält immer wieder suchend Ausschau nach Passagen, die sie damals renoviert hat – ein nicht leichtes Unterfangen, schließlich liegt ihr Einsatz fast sieben Jahrzehnte zurück , und es hat sich viel verändert seitdem.

Verdienst im Maximilianeum: 10 DM pro Tag


Insgesamt vier Wochen waren die Studenten damals im Maximilianeum künstlerisch tätig. „Wir bekamen 10 DM pro Tag, was für uns viel Geld war“, erzählt Gertrud Turban. Um ihre Studentenkasse aufzubessern, verkaufte sie im Laden ihrer Tante Marie, die in Traunstein eine Glaserei und eine Kunsthandlung hatte, sehr erfolgreich selbst gemalte Märchenbilder. Außerdem übernahm sie bereits als Studentin Aufträge für die Erstellung von Porträts – eine Disziplin, die ihr lag. Das Zeichnen bildete den Schwerpunkt während ihrer vierjährigen Studienzeit, an die sie anschließend noch drei Semester Kunsterziehung dranhängte.

Ihre Begabung für Kunst entdeckte Gertrud Turban, wie sie erzählt, bereits als kleines Mädchen. Ihr Onkel Kassian in Traunstein, der Steinmetz war, regte sie durch seine Arbeiten dazu an, eigene Entwürfe von Grabsteinen mit Engeln anzufertigen. Heute konzentriert sich die Künstlerin auf das Malen mit Wachsmalkreiden auf Kunstdruckpapier und hat dazu einen ganz eigenen Stil entwickelt. Mit ihren Arbeiten hat die fünffache Mutter und sechsfache Großmutter (ein Ur-Enkel ist „im Anmarsch“, wie sie erzählt) an namhaften Ausstellungen im In- und Ausland mitgewirkt. Außerdem ist sie engagiertes Mitglied des Berufsverbandes Bildende Künstler, Gruppe Oberfranken, und des Bundes Fränkischer Künstler.

Nach dem Rundgang durchs Haus mit Stiftungsvorstand Hanspeter Beißer, Bibliotheks- und Archivleiter Dr. Markus Nadler, Architektin Margot Meuer und Beate Stadler vom Referat Öffentlichkeitsarbeit, Besucher folgte für Gertrud Turban ein weiterer Höhepunkt: Landtagspräsidentin Barbara Stamm empfing sie in ihrem Amtszimmer. Dort überreichte die Präsidentin Gertrud Turban einen mit persönlicher Widmung versehenen Kunstband zum Maximilianeum – zum Nachblättern und zum Überprüfen, wie sich die Malereien des Bauwerks nun in der Gegenwart darstellen. Die Künstlerin revanchierte sich ihrerseits mit einer kleinen, gezeichneten Iris, die an der Wand im Amtszimmer der Präsidentin eine Bleibe finden soll. Die künstlerische Handschrift von Gertrud Turban wird damit im Maximilianeum auch an diesem prominenten Ort weiter zu sehen sein.

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