Bayerischer Landtag

150 Jahre Bayernhymne

Mittwoch, 15. Dezember 2010
– Von Dr. Peter Jakob Kock –

Am 15. Dezember 1860, vor 150 Jahren, führte die Münchner Bürger-Sängerzunft bei ihrem Stiftungsfest im Orlandohaus am Platzl in München erstmals das Lied „Gott mit dir, du Land der Bayern“ auf. Heute symbolisiert die Hymne nicht nur Bayerns Tradition des 19. Jahrhunderts. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten immer populärer und stieg schließlich in den Rang eines musikalischen Synonyms für den Freistaat Bayern auf.

 


Gipfel der Zugspitze im Vordergrund. Bild Mitte: die Bavaria auf der Münchner Theresienwiese. Rechts: Melodie und Liedtext der Bayernhymne | Foto: dpa
Gipfel der Zugspitze im Vordergrund. Bild Mitte: die Bavaria auf der Münchner Theresienwiese. Rechts: Melodie und Liedtext der Bayernhymne | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Den Text hatte der Schullehrer Michael Öchsner (1816 bis 1893) gedichtet, die Komposition stammte von Konrad Max Kunz (1812 bis 1875), der Chordirigent am Münchner Nationaltheater und Professor am Konservatorium war. Seit 1966 ist das Lied die offizielle „Bayernhymne“.

Zur raschen Verbreitung der „neuen Volkshymne“ (Öchsner) sorgte vor allem die neu gegründete Zeitschrift des Bayerischen Lehrervereins. Bald wurde das Lied auch vom Bayerischen Sängerbund und in Turnvereinen gesungen. Der Text wurde seit 1860 mehrfach geändert. Mit der Gründung des Freistaats nach der Revolution 1918 entfiel die dritte Strophe, die „Königsstrophe“. Sie begann „Gott mit Ihm, dem Bayer-König, Segen über sein Geschlecht“. Gleichwohl war die „Volkshymne“ nicht nach dem Geschmack von König Maximilian II. Der Autor Michael Öchsner galt als kritischer Kopf, der in seiner Lehrerzeitschrift die Zustände an Bayerns Schulen geißelte. Aus seiner Feder stammte zudem ein Preislied von 1848 auf den ungarischen Revolutionär Lajos Kossuth.

Das „Bayernlied“, noch ohne offizielle Funktion, geriet 1949 ins Blickfeld der separatistischen Bayernpartei, die die Symbolkraft einer bayerischen Staatshymne als Mittel der eigenstaatlichen Propaganda erkannte. In ihrem Auftrag ging der Schriftsteller Josef  Maria Lutz an eine Umdichtung des Öchsner-Textes. Er ersetzte beispielsweise in der ersten Strophe die „deutsche Erde“ durch „Heimaterde“, und in der zweiten Strophe machte er aus „Deutschlands Bruderstämmen“ die „Stämme vom Alpenrand zum Main“.

Die Wortwahl besaß zum Zeitpunkt der Gründung der Bundesrepublik Deutschland politische Brisanz, suggerierte sie doch eine offene Distanz Bayerns zur entstehenden Bonner Republik. Dieser Effekt verpuffte allerdings weitgehend,  denn, wie der FDP-Politiker Otto Bezold im Bayerischen Landtag 1952 feststellte: „Die Bayernhymne kennt ja niemand.“ Im Zusammenhang mit der Festlegung der dritten Strophe des Deutschlandliedes als Nationalhymne empfahl der Landtag im gleichen Jahr einstimmig, in den Schulen auch die Bayernhymne zu lehren und das Programm im Bayerischen Rundfunk allabendlich mit ihrem Abspielen zu beenden.

Ab 1964 wurde das Bayernlied offiziell „Hymne“ genannt, 1966 gab Ministerpräsident Alfons Goppel der Hymne per Bekanntmachung amtliche Bedeutung. Sie wurde nun regelmäßig bei Staatsempfängen ins Protokoll aufgenommen und genießt seither den Schutz des Strafgesetzbuches (Verbot der Verunglimpfung von Bundes- und Landeshymnen). Ministerpräsident Franz Josef Strauß verfügte 1980, dass der ursprüngliche Text von Michael Öchsner („deutsche Erde“ und in der zweiten Strophe „Deutschlands Bruderstämme“) wieder zu verwenden sei. Diese Bekanntmachung ist bis heute verbindlich. Kritikern beschied Ministerpräsident Strauß, er könne sich nicht vorstellen, dass die Feststellung, beim „Lande Bayern“ handle es sich um „deutsche Erde“, als „deutschnationale Tendenz“ ausgelegt werden könne. Vielmehr sei die Lutz-Fassung schriftlich und mündlich oft kritisiert worden.

Bei der „Bayernhymne“  handle sich um ein „Kompromißlied“ zwischen einer „Herrscher-Hymne“ und der Anlehnung an den revolutionären Impetus der „Marseillaise“, urteilte der Historiker Hermann Heimpel. Das Öchsner-Lied atme „den Geist der bayerischen Selbständigkeit, den konstitionellen Geist“ der maximilianeischen Zeit. Heute symbolisiert die Hymne nicht nur Bayerns Tradition des 19. Jahrhunderts. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten immer populärer und stieg schließlich in den Rang eines musikalischen Synonyms für den Freistaat Bayern auf.

Neben der Bayernhymne gibt es als offizielle deutsche Landeshymnen noch das „Hessenlied“ und das „Saarlandlied“. Inoffizielle Hymnen sind beispielsweise das „Niedersachsenlied“, das „Sachsenlied“, und, nicht zu vergessen, das „Frankenlied“ von Victor von Scheffel, das in Nordbayern oft nach der Bayernhymne gesungen wird.

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