Bayerischer Landtag

800 Jahre Bayern und die Pfalz: Wissenschaftliche Tagung im Maximilianeum

Teilnehmer der hochkarätig besetzten, wissenschaftlichen Tagung | © Brigitte Graf

Samstag, 22. März 2014
– Von Dr. Markus Nadler – 


Vor 800 Jahren wurde Ludwig der Kelheimer von Kaiser Friedrich II. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt. Mit ihm begann die Herrschaft der Wittelsbacher über die Pfalz, deren politisches Schicksal über fast acht Jahrhunderte hinweg aufs engste mit Bayern verknüpft war. Zu diesem Anlass fand im Maximilianeum die Tagung „800 Jahre Bayern und die Pfalz am Rhein 1214-2014: Höhepunkte und Wendemarken gemeinsamer Geschichte in acht Jahrhunderten“ statt. In Vertretung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der 1. Vorsitzenden des Bundes der Pfalzfreunde in Bayern e.V., eröffnete Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet dazu im vollbesetzten Senatssaal eine Reihe von Fachvorträgen.

 

 

Erster Landtagsvizepräsident Bocklet skizzierte die wichtigsten Höhepunkte und Wendemarken der gemeinsamen Geschichte| © Brigitte Graf

Nach der Begrüßung durch Hanspeter Beißer, dem Vorstand der Stiftung Maximilianeum, die gemeinsam mit dem Landtag, der Kommission für bayerische Landesgeschichte und dem Bund der Pfalzfreunde die hochkarätig besetzte Tagung veranstaltete, skizzierte Erster Landtagsvizepräsident Bocklet die wichtigsten Höhepunkte und Wendemarken der gemeinsamen Geschichte. „Die Beziehungen zwischen der Pfalz und Bayern sind 800 Jahre alt und gehören damit zu den bestimmenden herrschaftsorganisatorischen Elementen des Alten Reiches wie der Neuzeit in Deutschland. Durch sie kam der goldene Pfälzer Löwe ins bayerische Wappen“, führte Bocklet aus.

Ursprung dieser dauerhaften Beziehung ist die dynastische Verbindung durch das Haus Wittelsbach, das bereits im Besitz der bayerischen Herzogswürde war, als Herzog Ludwig der Kelheimer im Jahr 1214 auch mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt wurde. Vor diesem Hintergrund hatte seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern die Schirmherrschaft für die Tagung übernommen. An der Veranstaltung nahmen zudem die Königlichen Hoheiten Prinz Heinrich und Prinz Christoph von Bayern teil.

Dauerhafte Herrschaftsteilung seit dem Spätmittelalter

Der seit Kurzem amtierende 1. Vorsitzende der Kommission für bayerische Landesgeschichte, Prof. Dr. Ferdinand Kramer (LMU), führte dann in die Fachbeiträge ein und moderierte den ersten Teil der Tagung: Während im Hochmittelalter zunächst die beiden Länder Bayern und Pfalz noch gemeinsam regiert wurden, kam es im Spätmittelalter zur dauerhaften Herrschaftsteilung und damit auch zur Aufspaltung der Familie der Wittelsbacher in eine bayerische und eine pfälzische Linie (von letzterer stammen übrigens die bayerischen Könige und alle heutigen Vertreter des Hauses Wittelsbach ab). Die Teilung wurde im Hausvertrag von Pavia 1329 vertraglich fixiert, wie Prof. Dr. Bernd Schneidmüller von der Universität Heidelberg in seinem Vortrag näher ausführte.

Warum diese Einigung nicht verhindern konnte, dass es nach weiteren Erbteilungen im 16. Jahrhundert zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die einzelnen Landesteile und ihre Residenzen, und im Zuge dessen auch zur Gründung der „Jungen Pfalz“ in Neuburg kam, referierte anschließend Prof. Dr. Reinhard Stauber von der Universität Klagenfurt.

Im zweiten Teil der Tagung moderierte Professor Dr. Hermann Rumschöttel drei Vorträge zur weiteren Entwicklung, welche zunächst von konfessionellen Spannungen geprägt war, wie Dr. Gerhard Immler, Leiter des Geheimen Hausarchivs der Wittelsbacher, darstellte. Im Anschluss daran erläuterte Prof. Dr. Alois Schmid dann, wie die Pfälzer und die bayerischen Wittelsbacher wieder zueinander fanden und mit den Erbfällen von 1777 und 1799 schließlich wieder alle Landesteile vereinigt wurden.

Den Verlust des alten Territoriums der Kurpfalz, die Rückgewinnung der Rheinpfalz in anderen Grenzen und schließlich das Ende des Königreiches Bayern 1918 mit dem Verbleib der Pfalz beim Freistaat Bayern als achter Regierungsbezirk bis zur NS-Zeit, beleuchtete Prof. Dr. Dr. Peter Claus Hartmann.

Nach einer abschließenden Diskussion blieb das Schlusswort der 1. Vorsitzenden des Landesverbandes der Pfälzer in Bayern, Prof. Dr. Ursula Männle, Staatsministerin a. D., vorbehalten. Sie dankte den Referenten, Organisatoren und Teilnehmern für die gelungene Tagung, deren Beiträge die Kommission für bayerische Landesgeschichte in einer wissenschaftlichen Publikation herausgeben wird.

Gedankenaustausch: Prof. Dr. Ursula Männle und Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet | © Brigitte Graf
Prof. Dr. Ferdinand Kramer (LMU), führte in die Fachbeiträge ein| © Brigitte Graf
Seitenanfang