Bayerischer Landtag

Erinnerung an den ersten Parlamentsstenografen in Bayern

Er war Bayerns erster Parlamentsstenograf: Franz Xaver Gabelsberger | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Dienstag, 25. Februar 2014
- Von Alfred Vogel -

Vor 225 Jahren, am 9. Februar 1789, im Jahr der Französischen Revolution, wurde Franz Xaver Gabelsberger, der Erfinder der kursiven Kurzschrift, geboren. Der Münchner war erster Parlamentsstenograf in Bayern und begründete eine Tradition, die noch heute von den Stenografinnen und Stenografen im Bayerischen Landtag fortgeführt wird.

Nach dem Besuch der Schulen in den Benediktinerklöstern Attl und Ottobeuren legte Franz Xaver Gabelsberger am Münchner Wilhelmsgymnasium das Abitur ab, konnte dann aber aus finanziellen Gründen kein Hochschulstudium anschließen. Auch eine Ausbildung am Lehrerseminar musste er aus gesundheitlichen Gründen bald wieder abbrechen, sodass er 1810 in den bayerischen Staatsdienst eintrat, wo er zum geheimen Kanzlisten im Innenministerium aufstieg, welchem damals Fürst von Oettingen-Wallerstein als Minister vorstand. Während seiner Tätigkeit im Innenministerium war in Gabelsberger der Entschluss gereift, ein neues Kurzschriftsystem zu schaffen, welches ihm die Aufnahme von Diktaten der Ministerialbeamten erleichtern sollte.

Sicher hatte Gabelsberger die Kurzschrift nicht neu erfunden, denn nach der ältesten überlieferten Kurzschrift aus dem Römischen Reich, den nach Ciceros Privatsekretär Marcus Tullius Tiro benannten Tironischen Noten, gab es auch im Mittelalter Kurzschriftsysteme, die vor allem auf geometrischen Zeichen aufbauten. Der Nachteil dieser Systeme bestand darin, dass die Schreibrichtung oft geändert werden musste, was auch den Schreibfluss hemmte. Als Debattenschrift waren diese Systeme eher weniger geeignet. Gabelsbergers Erfindung bestand in der Kursiven Kurzschrift. Mit einem fließenden Auf und Ab der deutschen Langschrift, die er in sein Kurzschriftsystem übernahm, schuf er eine geschmeidige Schrift, bei der der für die Niederschrift von Debatten und Verhandlungen notwendige Schreibfluss aufkommen konnte.

1818 schlug die Geburtsstunde der Parlamentsstenografie

Hatte Gabelsberger zunächst das Ziel verfolgt, die Diktate der Beamten im Innenministerium schneller aufnehmen zu können, so bekam seine Erfindung eine ganz neue Bedeutung, als König Max I von Bayern im Jahr 1818 die erste freiheitliche Staatsverfassung verkündete, welche eine aus zwei Kammern bestehende Ständeversammlung vorsah. Die Geburtsstunde des Parlamentarismus in Bayern war damit auch die Geburtsstunde der Parlamentsstenografie.

Gabelsbergers Ehrgeiz lag nun darin, seine Schnellschrift so zu entwickeln, dass damit die Debatten in der Ständeversammlung aufgenommen werden konnten. Bereits 1819, vor 195 Jahren, erhielt er die Erlaubnis, zunächst versuchsweise die Debatten der Kammer der Abgeordneten stenografisch aufzunehmen. Bis zur Einrichtung eines stenografischen Büros war es allerdings noch ein weiter Weg. Zunächst musste die Schnellschrift von der philologisch-philosophischen Klasse der Akademie der Wissenschaften positiv beurteilt werden, damit Gabelsberger 1829 zur Ausbildung von Geschwindschreibern vom Staat 500 Gulden bewilligt bekam. Damit konnte er öffentlich Unterricht in Stenografie erteilen und schon zwei Jahre später für die Ständeversammlung vom 1. März bis 31. Dezember ein Stenografenbüro einrichten, das aus fünf, später sechs Stenografen bestand, die sich bei der Stenografischen Aufnahme der Debatten im Turnus ständig abwechselten. Letztlich wurde damit eine Tradition begründet, die noch heute von den Stenografinnen und Stenografen im Bayerischen Landtag fortgeführt wird.

Als Franz Xaver Gabelsberger am 4. Januar 1849 völlig unerwartet verstarb, schlossen sich seine Schüler und Weggefährten wenige Tage später bei der Beisetzung auf dem Alten Südfriedhof in München zum Stenographenzentralverein zusammen, der als einer der ältesten Vereine Münchens sich noch heute der Pflege und Weiterverbreitung der Kurzschrift verpflichtet fühlt. Im Gedenken an ihren großen Meister versammelten sich Mitglieder des Stenographen-Zentralvereins am Vortag des 225. Geburtstags Gabelsbergers am Alten München Südfriedhof und legten am Grab ein Blumengebinde nieder.

Den Siegeszug seiner Erfindung im 19. Jahrhundert konnte Gabelsberger nicht mehr erleben. Viele Gelehrte nutzten die Kurzschrift als Arbeits- und Konzeptschrift und hinterließen damit der Nachwelt ihre Ideen und Gedanken. Auch im sich ausbreitenden Industrie- und Handelswesen der Gründerzeit wurde die Kurzschrift ein wichtiges Hilfsmittel. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland und Österreich eine Reihe von anderen Kurzschriftsystemen und -schulen, die sich nach und nach einigten, sodass 1924, vor genau 90 Jahren, die Deutsche Einheitskurzschrift entstand, die nach zwei Modifikationen in den Jahren 1936 und 1968 auch heute noch von den Parlamentsstenografinnen und -stenografen verwendet wird.

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