Bayerischer Landtag

Gedenkstunde: Der Bayerische Landtag erinnerte an den Mauerfall vor 20 Jahren

Mittwoch, 11. November 2009
 – Von Heidi Wolf  –

Mit einer Feierstunde erinnerte der Bayerische Landtag am 11. November 2009 an den Fall der Mauer vor 20 Jahren. Erinnerung sei wichtig. Sie dürfe nicht verrauschen, verblassen oder überlagert werden von den vielen Eindrücken des Alltags, sagte Dagmar Schipanski, bis vor kurzem Präsidentin des Landtags von Thüringen, in ihrer Festrede und betonte: „Für einen Menschen ist der Gedächtnisverlust eine schwere Erkrankung. Für eine Gesellschaft gilt das in gleicher Weise.“

Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatte zu der Feierstunde in das Maximilianeum eingeladen, zu einer Veranstaltung gegen das Vergessen.

20 Jahre nach der friedlichen Revolution breite sich aus, was etwas beschönigend „Ostalgie“ genannt werde: die fast schon wehmütige Erinnerung an ein scheinbar behagliches Leben in der DDR, stellte Barbara Stamm fest. Sie dankte den mutigen Menschen in der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung. Ihnen sei Frieden und Freiheit für Millionen von Menschen und das Ende des Kalten Krieges zu verdanken.

Dagmar Schipanski: "Fall der Mauer ein Wunder“

„Die Grenze war das Symbol für die Isolation von der westlichen Welt, Isolation von Informationen und von Kenntnissen über das Leben jenseits des Eisernen Vorhangs“, blendete Festrednerin Dagmar Schipanski auf die Zeit vor 20 Jahren zurück. Die Menschen auf beiden Seiten der Mauer wussten nicht, wie es auf der anderen Seite wirklich zuging. Für Dagmar Schipanski ist der Fall der Mauer auch nach 20 Jahren „ein Wunder.“ Sie sei stolz auf die gemeinsamen Leistungen in den vergangenen 20 Jahren, aber auch traurig und wütend, wenn sie erfahre, dass heute junge Leute nicht mehr den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur kennen, dass sie nichts wissen über die 40-jährige geteilte Geschichte. „Dann muss ein Protestschrei durch unser Land gehen! Was können wir für die Zukunft erwarten, wenn unsere Kinder nicht begreifen, dass die staatliche Unterdrückung der Freiheit nicht nur eine individuelle Katastrophe für den einzelnen ist, sondern immer auch eine nationale?“, fragte Dagmar Schipanski.

Mit Texten aus dem Prosaband „Die wunderbaren Jahre“ und Gedichten aus 50 Jahren schilderte der Schriftsteller Reiner Kunze eindrucksvoll das Alltagsleben in der DDR. Kunze war 1977 nach ständigem Druck aus der DDR nach Bayern übersiedelt. Ein Gedicht handelt von der Mauer:

„Als wir sie schleiften, ahnten wir nicht,
wie hoch sie ist
in uns.

Wir hatten uns gewöhnt
an ihren horizont

Und an die Windstille
In ihrem schatten warfen
alle keinen schatten

Nun stehen wir entblößt
Jeder entschuldigung.


Spannende Geschichtsstunde für Jugendliche

Bei der Veranstaltung begegneten sich Zeitzeugen und junge Menschen, die damals noch Kinder oder noch gar nicht geboren waren, darunter eine 12. Klasse des Johann-Christian-Reinhart-Gymnasiums in Hof.

Begehrte Gesprächspartner waren Günter und Petra Wetzel aus dem oberfränkischen Betzenstein, denen am 17. September 1979 mit einem selbst genähten Heißluftballon die Flucht aus der DDR über die Todesgrenze nach Bayern gelungen war. Helfer und Betreuer aus der Zeltstadt Vilshofen an der Donau waren gekommen und Vertreter aus Mödlareuth im Landkreis Hof, bis 1989 ein geteiltes Dorf. Die Amerikaner nannten es „Little Berlin.“ Die Begegnung mit den Zeitzeugen wurde für die Jugendlichen zu einer spannenden Geschichtsstunde.

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