Bayerischer Landtag

200 Jahre Verfassung von 1818: Grundlage des modernen Bayern

Verfassungsurkunde von 1818 mit königlichem Siegel | Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Foto Bildarchiv Bayerischer Landtag

Mai 2018
– Von Dr. Markus Nadler –

100 Jahre lang war die Verfassung von 1818 für das Königreich Bayern gültig. Sie ermöglichte erstmals ein gewähltes Parlament in Bayern und begründete den bayerischen Verfassungsstaat.

Mit Glockengeläut und Kanonendonner wurde am 26. Mai 1818, am Vorabend des Geburtstags von König Max I. Joseph, der Erlass einer neuen Verfassung für das Königreich Bayern verkündet und vom Reichsherold an sieben Plätzen der Residenzstadt München verlesen.

"König Maximilian I. Joseph giebt seinem Volke die Verfassung". | Stich von C.F. Heinzmann, Stadtmuseum München; Foto Bildarchiv Bayerischer Landtag

Erstmals Wahlrecht für Bayern

Die Verfassung bescherte den Bayern eine Volksvertretung, welche die Entscheidungsbefugnis über Steuern und Gesetze haben sollte und die zunächst als „Ständeversammlung“ und ab 1848 als „Landtag“ bezeichnet wurde. Die Bürger erhielten erstmals das Wahlrecht, wenn auch nur ein Zensuswahlrecht, das eine Minderheit der Besitzenden bevorzugte und die Unterschichten praktisch ausschloss. Auch Frauen durften noch nicht wählen. Die Verfassung blieb bis zur Revolution vom November 1918 in Kraft. Erst danach erhielten auch Frauen das Wahlrecht, das sie erstmals im Januar 1919 ausüben konnten.  

In dieser "Schatztruhe" wurde die Verfassung von 1818 aufbewahrt | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Garantie bayerischer Souveränität

Zustande gekommen war die Verfassung von 1818 auch aus Sorge um die bayerische Eigenständigkeit. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 und seinem Sturz als Kaiser der Franzosen, trafen sich die alliierten Sieger in Wien, um über die neue Ordnung Europas zu beraten.

In den deutschen Ländern regte sich der Wunsch nach einem geeinten Staat oder zumindest einer Bundesverfassung, welche den Rahmen für die künftigen Länderverfassungen geben sollte. Bayern unter seinem leitenden Minister Graf Montgelas gingen diese Überlegungen jedoch zu weit. Man fürchtete um die bayerische Souveränität und beeilte sich, mit einer eigenen Verfassung jeglichen Bestrebungen aus Wien oder aus anderen deutschen Staaten zuvor zu kommen. So wurde rasch eine Verfassungskommission einberufen. Das 1806 zum Königreich erhobene Bayern hatte zwar bereits eine Verfassung, die „Konstitution“ von 1808. Diese war jedoch wegen der Napoleonischen Kriege und der daraus resultierenden umfassenden Gebietsveränderungen nur teilweise umgesetzt worden. So konnte die Verfassungskommission von 1814-15 bald einen neuen Entwurf vorlegen. Da sich jedoch zeigte, dass die deutschen Bundespläne nicht vorankamen, verlor Montgelas das Interesse an dem Verfassungsentwurf bald wieder und die Pläne landeten zunächst in der Schublade.

Von Montgelas geprägt, aber erst nach seinem Sturz verabschiedet

Erst nach dem Sturz Montgelas wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Die Absetzung des bis dahin gleichsam allmächtigen Ministers betrieb vor allem Kronprinz Ludwig mit Unterstützung Feldmarschall Wredes. In einem Komplott überredete man im Februar 1817 König Max I. Joseph seinen wichtigsten Minister zu entlassen.

Ein Jahr später wurde dann die Arbeit an der Verfassung wiederaufgenommen und bald zum Abschluss gebracht, so dass der König sie am 26. Mai 1818 verkünden konnte. Sie garantierte einen damals fortschrittlichen Grundrechtekatalog und sah eine Volksvertretung in zwei Kammern vor: Ein Oberhaus, die „Kammer der Reichsräte“, die vom König aus Adel und hoher Beamtenschaft ernannt wurden, und ein Unterhaus, die „Kammer der Abgeordneten“. Diese wurden – ein absolutes Novum in Bayern – vom Volk gewählt, und zwar erstmals im Dezember 1818. Die erste Versammlung fand dann im Februar 1819 feierlich im neu eingerichteten Ständehaus in der Prannerstraße statt.

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