Bayerischer Landtag

Zwei neue Bücher zur Landesgeschichte vorgestellt

Zwei Bücher im Fokus: „Erhard Auer Wegbereiter der Parlamentarischen Demokratie in Bayern" und „Bayerns Weg zur parlamentarischen Demokratie" | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Bei der Buchpräsentation (v.l.): SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Dr. Claudia Friemberger, Geschäftsführerin des Instituts für Bayerische Geschichte, die Autoren Markus Schmalzl und Wolfgang Ehberger sowie Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet.
Die junge Generation soll etwas über die demokratischen und parlamentarischen Traditionen in Bayern erfahren, unterstrich Barbara Stamm.| Bildarchiv Bayerischer Landtag

Donnerstag, 20. März 2014
 – Von Peter Jakob Kock  – 

Mit dem Buch „Erhard Auer. Wegbereiter der Parlamentarischen Demokratie in Bayern“ (Münchener historische Studien: Abteilung Bayerische Geschichte 20) liegt nun erstmals eine wissenschaftliche Biographie des sozialdemokratischen Politikers (1874 – 1945) vor, die der Historiker Markus Schmalzl verfasste. Wolfgang Ehbergers Publikation „Bayerns Weg zur parlamentarischen Demokratie. Die Entstehung der Bamberger Verfassung vom 14. August 1919“ (Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte 29) schließt ebenfalls eine Forschungslücke. Beide Arbeiten entstanden als Dissertation bei Prof. Dr. Ferdinand Kramer am Institut für Bayerische Geschichte. Bei einer Buchvorstellung in der neu gestalteten Landtagsbibliothek standen beide Werke im Mittelpunkt.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm erinnerte bei der Buchvorstellung daran, dass der SPD-Politiker Erhard Auer von 1920 bis 1933 Vizepräsident des Bayerischen Landtags war. Als „führender Vertreter der Opposition“ habe er sich einen „Namen als streitbarer und engagierter Parlamentarier gemacht“. Die 1919 in Bamberg verabschiedete Verfassung habe nach dem Sturz der Monarchie „das Volk zum Souverän“ bestimmt und zumindest bis 1930 eine stabile politische und wirtschaftliche Entwicklung in Bayern garantiert.

Dr. Claudia Friemberger, Geschäftsführerin des Instituts für Bayerische Geschichte, nannte als einen der Schwerpunkte der Institutsforschung die Geschichte der Weimarer Republik in Bayern, denn es sei nötig, Chancen und Leistungen der ersten parlamentarischen Demokratie darzustellen. Die beiden Bücher führten ein in das Ringen um Demokratie, Verfassung und Rechtsstaatlichkeit. Das Institut plane verstärkt auch über den Bayerischen Landtag zu forschen.

Dr. Markus Schmalzl betonte, dass Erhard Auer trotz seiner politischen Leistung als SPD-Landesvorsitzender, Parlamentarier und bereits seit 1920 als Mahner vor Hitler heute fast vergessen sei, anders als Georg von Vollmar, Wilhelm Hoegner oder Waldemar von Knoeringen. Gegen den Widerstand der radikalen Linken habe Auer frühzeitig die Weichen für die parlamentarische Demokratie in Bayern gestellt und für eine Kooperationsbereitschaft der Sozialdemokratie mit dem bürgerlichen Lager geworben. Globales Ziel Auers war nach Schmalzls Worten der „Ausbau der SPD zu einer Volkspartei“.

„Der Wille des Volkes ist nun oberstes Gesetz“, zitierte Dr. Wolfgang Ehberger den Landtagspräsidenten Franz Schmitt (SPD), der so im August 1919 die „Bamberger Verfassung“ lobte, die bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in Kraft war. Als Anfang April 1919 die bayerische Regierung wegen der Revolutionswirren in München nach Bamberg auswich, wurde die oberfränkische Stadt auch zum Ort der Verfassungsberatungen. Die Bayerische Verfassung vom 14. August 1919 bildet laut Ehberger „einen zentralen Markstein auf dem Weg Bayerns zum freiheitlich-demokratischen Rechts- und Verfassungsstaat moderner Prägung“. Ehberger sieht eine „direkte Kontinuitätslinie“ zwischen der  „Bamberger Verfassung“ und der Verfassung von 1946, die „beinahe zwangsläufig an ihre Vorgängerin anknüpfte und  diese konsequent weiter entwickelte“, etwa bei den plebiszitären Rechten. 

 

 

 

 

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