Bayerischer Landtag

Bürgerkulturpreis 2011 – 4. Preis: manomama

Die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder (rechts) und eine Mitarbeiterin bei der Arbeit in der Textilwerkstatt. manomama ist das erste textile Social Business in Augsburg. | Foto: Rolf Poss
Die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder (rechts) und eine Mitarbeiterin bei der Arbeit in der Textilwerkstatt. manomama ist das erste textile Social Business in Augsburg. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
4. Preis: Sina Trinkwalder mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Preisverleihung im Maximilianeum. | Foto: Rolf Poss
4. Preis: Sina Trinkwalder mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Preisverleihung im Maximilianeum. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Donnerstag, 01. Dezember 2011
– Von Heidi Wolf –

Vor eineinhalb Jahren hat die junge Unternehmerin Sina Trinkwalder in der Textilstadt Augsburg das erste textile Social Business eröffnet: Sie macht Mode mit dem Label „manomama“, beschäftigt Menschen, die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, vor allem ehemalige Textilarbeiterinnen. Sie sollen trotz Krise wieder in ihrem Job arbeiten können – mit einem Eingliederungsprogramm, abgestimmt auf die persönliche Lebenssituation. Derzeit stellen zwölf Frauen in der kleinen Firma hochwertige Bekleidung her: ökologisch unbedenklich und komplett kompostierbar. Sina Trinkwalder setzt auf eine konsequent regionale Wertschöpfungskette. Sie will die kaum mehr existierende Textilwirtschaft in Augsburg wieder stärken, das vom Vergessen bedrohte Knowhow bewahren und in die Zukunft tragen. Für ihre Geschäftsidee hat sie der Rat für Nachhaltige Entwicklung in Deutschland Anfang November 2011 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Sina Trinkwalder hat 13 Jahre lang erfolgreich in der Werbebranche gearbeitet und hatte dann keine Lust mehr. „Viele Praktiken in dem Geschäft erschienen mir falsch. Mir wurde auch immer klarer, dass unsere Gesellschaft zunehmend achtlos mit Menschen umgeht, wenn sie nicht funktionieren oder wenn die Umstände widrig sind. Dann gibt es für diese Leute keine Arbeit mehr“, schildert die Unternehmerin ihre Erfahrungen. Sie steckte ihr ganzes Geld und eine Erbschaft in „manomama“, holte Frauen zurück, die in der früheren Textilhochburg Augsburg ihren Job verloren hatten, weil die Firmen in Billiglohnländer abgewandert sind, bezahlt sie überdurchschnittlich. Ihre Mitarbeiterinnen fertigen ein Werkstück von Anfang bis zum Ende – auch das gehört zum manomana-Konzept.

Die Materialien für die Mode von Sina Trinkwalder kommen zu 75 Prozent aus Bayern, zu 25 Prozent aus Baden-Württemberg. Nur die Rohbaumwolle wird aus der Türkei bezogen. Bei manomama ist nicht nur der Stoff ökologisch hergestellt, sondern auch Nähgarn, Knöpfe, Hosengummi und Etiketten. Sogar die Siebdruckfarbe wurde auf der Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt. Manomama ist damit wohl weltweit einzigartig ökologisch, stützt damit über die eigene Firma hinaus Arbeitsplätze in der Region. 

Was nicht auf dem Markt zu haben ist, entwickelt Sina Trinkwalder zusammen mit der Hochschule Reutlingen. Die Schulterpolster sind aus bayerischem Hanf, die Knöpfe aus Lignin, einem Abfallprodukt aus der Holzherstellung. Wie eine Detektivin fährt Sina Trinkwalder oft durch Bayern, um Menschen zu finden, die noch traditionelle Handwerkstechniken beherrschen, notiert in ihrem Tagebuch, was ihr alte Web- und Spinnmeister oder Lederflechter erzählen. „In zehn Jahren wird kein Chinese mehr für einen Europäer Kleidung produzieren. Dann aber ist hier das ganze Wissen weg, von dem wir einmal gelebt haben“, befürchtet die Unternehmerin und stemmt sich mit ihrem Unternehmen dagegen. Über 20 ehrenamtliche Helfer, die von dieser Idee begeistert sind, unterstützen Sina Trinkwalder dabei.

Derzeit hat sie allerdings ein großes Problem: Um einen Großauftrag mit 360.000 Teilen ausführen zu können, bräuchte sie eine Produktionshalle. Stoffe und Maschinen sind bestellt, 40 Menschen warten darauf, wieder in den Job einzusteigen – in Augsburg aber gibt es keine Halle. Und da versteht Sina Trinkwalder die Welt nicht mehr. – Der Bayerische Landtag belohnt das enorme Engagement mit dem Bürgerkulturpreis. 

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