Bayerischer Landtag

Das Team der Landtagsbibliothek

Freitag, 21. Januar 2011
– Von Anna Schmid –

Bereits seit seiner Gründung im Jahr 1819 verfügt der Bayerische Landtag über eine eigene Parlamentsbibliothek. Sie ist Voraussetzung für einen effektiven Parlamentsbetrieb und Informationszentrale für die 187 Abgeordneten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der fünf Fraktionen sowie der Landtagsverwaltung: Mehr als 60 000 Bücher und rund 350 Zeitschriftentitel sind hier vorrätig und können entliehen werden. Darüber hinaus stehen die wichtigsten elektronischen Datenbanken zur Verfügung.

 

 

 

Das Team der Landtagsbibliothek im Lesesaal. | Foto: Rolf Poss
Das Team der Landtagsbibliothek im Lesesaal. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Das Bibliotheks- und Info-Team um Gerhard Winkler bietet den Nutzern dazu einen Rundum-Service an: Während der Öffnungszeiten steht immer ein Ansprechpartner an der Theke im Lesesaal der Bibliothek zur Verfügung. Die Theke ist zugleich Anlaufstelle für interne und externe Informationsanfragen. Neben den internen Nutzern im Haus richten auch viele Bürgerinnen und Bürger per Telefon bzw. per E-Mail ihre Anfragen – etwa zum Sitzungsbetrieb, zur Arbeitsweise des Landtags oder zu gefassten Beschlüssen – an das Info-Team der „Zentralen Informationsstelle“. Dieses kann entweder selbst weiterhelfen oder verweist an eine zuständige Stelle.

Zum besonderen Service für die Bibliotheksbenutzer im Haus zählt die Recherche nach passender Literatur zu einem bestimmten Thema. Wenn etwa ein Abgeordneter wissen möchte, seit wann es in Bayern ein Mindestalter für die Ministerpräsidenten gibt, dann finden die Bibliotheksmitarbeiter das heraus. Oder wenn ein Redenschreiber den genauen Wortlaut eines Politiker-Zitats benötigt, dann helfen sie ebenfalls gerne weiter. Ist ein gewünschtes Buch mal nicht im Bestand der Landtagsbibliothek, wird es in kurzer Zeit über eine der Partner-Bibliotheken besorgt. So kann in der Regel jeder der über 20 Millionen Titel des bayerischen Verbundkataloges entliehen werden.

Zielgerichtet und schnell Informationen bereitstellen: ´Elektronische Medien spielen dabei eine immer größere Rolle´, sagt Dr. Markus Nadler, Leiter der Landtagsbibliothek. | Foto: Rolf Poss © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Zusätzlich werden einschlägige Zeitschriftenartikel im hausinternen Online-Katalog angeboten: Sobald eine neue Zeitschriftenausgabe vorliegt, prüfen die Bibliotheksmitarbeiter, welche Aufsätze für die aktuellen Debatten wichtig sind. „Wir müssen immer wissen, was gerade im Landtag läuft, um unsere Nutzer zielgerichtet mit relevanten Informationen versorgen zu können“, berichtet Dr. Markus Nadler, der Leiter der Landtagsbibliothek. Natürlich suchten viele Abgeordnete mittlerweile auch im Internet. „Aber wirklich fundierte Informationen bekommen sie oft nur über uns“, sagt er.

Buch an Buch steht in den deckenhohen Regalen im zweigeschossigen Lesesaal der Landtagsbibliothek. Fast die Hälfte davon ist juristische Literatur. Es gibt viele aktuelle Standardkommentare und Loseblatt-Sammlungen. Aber auch Werke aus den Bereichen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften bis hin zur bayerischen Geschichte befinden sich hier. „Häufig interessieren sich die Abgeordneten für Publikationen, bei denen viel Wissen auf wenigen Seiten zusammengefasst ist, und weniger für die dicken, zeitintensiven Schmöker“, erklärt Dr. Nadler.

Neben der Fachliteratur gibt es in der Landtagsbibliothek über 200 Tageszeitungen aus ganz Bayern, so dass jeder Abgeordnete auch im Maximilianeum über Nachrichten aus seinem Heimat-Stimmkreis informiert wird. Vor allem morgens, vor den Sitzungen, kommen die Volksvertreter in den Lesesaal, um in der aktuellen Presse zu lesen. Und auch die im Hause tätigen Journalisten nutzen das Angebot der Bibliothek für ihre Arbeit. 

Das Team der Landtagsbibliothek im Lesesaal. | Foto: Rolf Poss
Das Team der Landtagsbibliothek im Lesesaal. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Externe Nutzer können auf Antrag Zugang zur Landtagsbibliothek erhalten. Es kommen vor allem Wissenschaftler, die für ihre Forschungen auch die Archivbestände des Landtags einsehen möchten. Zugeknöpft gibt sich die Landtagsbibliothek jedoch, wenn Studenten – etwa der Rechtswissenschaften – die gut ausgestattete Bibliothek zu Lernzwecken benutzen möchten. Eine Ausnahme bilden da lediglich die Stipendiaten der Stiftung Maximilianeum. Sie können jederzeit die für sie nur wenige Schritte entfernte Landtagsbibliothek besuchen, um dort die allerneuesten Rechtskommentare einzusehen. Juristische Literatur veraltet schnell. „Und an der Uni müssen die Studenten oft schon froh sein, wenn sie überhaupt irgendeinen Kommentar in die Hände bekommen“, sagt Bibliothekar Georg Rohrhirsch.

Eine kurze „Halbwertszeit“ haben zum Teil auch aktuelle politische Titel, die nur für ein paar Wochen von Interesse seien und später nicht mehr nachgefragt würden, erzählt er. Der letzte Bestseller, den viele Abgeordnete gleichzeitig haben wollten, war Thilo Sarrazins heftig diskutiertes Werk „Deutschland schafft sich ab“.

Insgesamt habe sich das Lese-Interesse verändert, erzählt Rohrhirsch. Dass der politische Betrieb schnelllebiger und der allgemeine Zeitdruck größer geworden sei, merke man auch am Leseverhalten in der Landtagsbibliothek. Früher hätten sich die Abgeordneten noch intensiver mit der Literatur oder dem Forschungsstand zu einem Thema beschäftigen können, meint Rohrhirsch. „Ich glaube, dafür haben die Abgeordneten heute einfach keine Zeit mehr.“

Die zentrale Aufgabe der Bibliothek auch für die Zukunft beschreibt Referatsleiter Dr. Nadler daher so: „Zielgerichtet und möglichst schnell die relevanten Informationen bereitzustellen, wobei elektronische Medien eine immer größere Rolle spielen“. Dass die Landtagsbibliothek dieser Herausforderung bisher gerecht wurde, zeigt die immer wieder geäußerte Zufriedenheit der Nutzer mit „ihrer“ Bibliothek. 

Informationen Bibliothek Landtagshomepage

Seitenanfang