Bayerischer Landtag

Der Landtag fest in Kinderhand

Freitag, 15. Juli 2011
– Von Heidi Wolf –

Der Bayerische Landtag hat sein erstes Kinderparlament veranstaltet: Kinder an der Macht. 160 Grundschüler aus allen sieben Regierungsbezirken haben am 15. Juli 2011 weite Wege zurückgelegt, um den Abgeordneten zu sagen, was sie bewegt. In der Arbeitsgruppe I zum Beispiel geht es um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Vier Teams haben sich gebildet und sammeln Argumente. Ungerecht finden die Mädchen und Buben, wenn Politiker einfach über die Bürger entscheiden, wenn Kinder in armen Ländern arbeiten oder sogar in den Krieg ziehen müssen, wenn die Arbeiter wenig und die Chefs viel Geld bekommen.

 

 

Das Parlament gehört heute Euch - rief Landtagspräsidentin Barbara Stamm den 160 Kindern im Landtag zu. Rechts:  In mehreren Gruppen diskutierten die Schüler über Themen wie Gerechtigkeit, Schule, Gesundheit und Umwelt. | Foto: Rolf Poss
Das Parlament gehört heute Euch - rief Landtagspräsidentin Barbara Stamm den 160 Kindern im Landtag zu. Rechts: In mehreren Gruppen diskutierten die Schüler über Themen wie Gerechtigkeit, Schule, Gesundheit und Umwelt. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Video Erstes Kinderparlament mehr

Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat die Neun- und Zehnjährigen aus ganz Bayern eingeladen, um Kindern eine Stimme zu geben. Sie sollen sagen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen, welche Erwartungen sie an die Politiker haben. „Wir sehen zu viel durch die Erwachsenenbrille. Dabei haben Kinder sehr wohl ihre eigenen Vorstellungen und die sollen sie hier einbringen können“, begründet Stamm ihre Initiative für das erste Kinderparlament im Bayerischen Landtag. Den Kindern ruft sie zu: „Das Parlament gehört heute Euch!“

Kinder aus allen Teilen Bayerns

Jeder Regierungsbezirk ist vertreten: Mittelfranken mit der Michael Poeschke-Grundschule Erlangen, Niederbayern mit der Grundschule Grafenau, Oberbayern mit der Grundschule Walting im Landkreis Eichstätt, Oberfranken mit der Volksschule Teuschnitz, die Oberpfalz mit der Grundschule Plößberg, Schwaben mit der Grundschule Sonthofen-Rieden und Unterfranken mit der Volksschule Hammelburg. Die Kinder aus Teuschnitz haben ein selbst gestaltetes Plakat mitgebracht, drücken es Landtagspräsidentin Barbara Stamm in die Hand. „Politiker, bitte rettet die kleinen Dorfkindergärten“ steht in großen bunten Buchstaben auf dem Transparent – ein erster klarer Auftrag an die Parlamentarier.

Die Kinderkommission des Landtags kümmert sich um die Anliegen, verspricht die Präsidentin in ihrer Eröffnungsrede und stellt die Mitglieder vor:  Eva Gottstein von den FREIEN WÄHLERN, die derzeit den Vorsitz hat, ihre Stellvertreterin Claudia Stamm (Bündnis 90/ Die Grünen), Dr. Simone Strohmayr (SPD), die bis vor wenigen Wochen die KiKo geleitet hat, Petra Dettenhöfer (CSU) und Brigitte Meyer (FDP), die Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses im Landtag. Die Kinderkommission ist ein Unterausschuss dieses Gremiums. Einziger Mann in der Eröffnungsrunde: Der Abgeordnete Bernhard Seidenath von der CSU.  

Wie in der richtigen Politik auch findet die Kleinarbeit dann in den Ausschüssen statt. Fünf Arbeitsgruppen werden gebildet. Sie haben die Schwerpunkte Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit, Schule, natürliche Umwelt, Gesundheit und „Alle miteinander?“ – Wie schaut es aus mit dem Zusammenleben der Nationen, aber auch der Generationen in Bayern? Was läuft gut? Was könnte anders sein und welche Vorschläge haben Kinder? – Die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen haben die Kinder auf den Tag im Maximilianeum vorbereitet. Im Landtag werden sie von der „Forschungsgruppe Jugend und Europa“ am Centrum für angewandte Politikforschung (C.A.P.) der Ludwig-Maximilians-Universität München betreut, die das Konzept zum Kinderparlament inhaltlich erarbeitet hat, ebenso von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landtagsamtes. Sie nehmen die „Mini-Abgeordneten“ sehr ernst!

Die Mädchen und Buben sind mit Feuereifer bei der Sache. Konzentriert schreiben sie ihre Argumente auf Kartons, heften sie an die Tafeln. Interessante Vorschläge sind da zu lesen, zum Beispiel: Lebensmittel sollten in der Stadt und auf dem Land das Gleiche kosten. Gerechtigkeit bedeutet für die Kinder: Alle müssen teilen. Gerecht ist fair. Sie mögen es nicht, wenn Regeln ohne Absprache verändert werden. In der Schule wünschen sie sich mehr Sportunterricht und die gleiche Behandlung für alle Klassen. – „Ihr habt nicht umsonst gearbeitet. Eure Anregungen fließen in die parlamentarische Arbeit ein!“ Mit dieser Zusage schickt Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Kinder auf den Nachhauseweg und kündigt an: „In zwei Jahren soll es wieder ein Kinderparlament geben, denn ich mag keine Eintagsfliegen.“  

In der Arbeitsgruppe I beschäftigten sich die Kinder mit dem Thema Gerechtigkeit. | Foto: Rolf Poss
In den Pausen fand ein Luftballon statt: Die Botschaften der Kinder sollten möglichst weit fliegen . . . | Foto: Rolf Poss
Die Premiere war ein toller Erfolg. In zwei Jahren soll es wieder ein Kinderparlament geben. | Foto: Rolf Poss
In der Arbeitsgruppe III ging es um das Thema Umwelt. | Foto: Rolf Poss
Wie in der richtigen Politik auch fand die Kleinarbeit in den Ausschüssen statt. Fünf Arbeitsgruppen wurden gebildet. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat die Neun- und Zehnjährigen aus ganz Bayern in den Landtag eingeladen, um Kindern eine Stimme zu geben. | Foto: Rolf Poss
Zum Abschluss überreichten die Mitglieder der einzelnen Arbeitsgruppen in großen Umschlägen ihre gesammelten Ideen und Wünsche. | Foto: Rolf Poss
Löwen-Plakate geleiteten die Kinder bei der Schnitzeljagd durchs Haus. | Foto: Rolf Poss
Bei einer Schnitzeljagd fanden die Kinder Antworten auf die Fragen zum Bayerischen Landtag. | Foto: Rolf Poss
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