Bayerischer Landtag

Jugendliche übernehmen den Landtag

 

 

Großplanspiel am 25. Februar 2013 im Landtag. | Foto: Centrum für angewandte Politikforschung (CAP)
Großplanspiel am 25. Februar 2013 im Landtag. | © Centrum für angewandte Politikforschung (CAP)

Montag, 25. Februar 2013
– Von Eva Spessa –

Im Großplanspiel „Der Landtag sind wir!“, das seit 2007 einmal jährlich im Maximilianeum durchgeführt wird, schlüpften am 25. Februar Schülerinnen und Schüler aus Gauting, Kempten und Riedenburg einen ganzen Tag lang in die Rolle von Abgeordneten und konnten selbst erleben, was es heißt, als Parlamentarier neue Gesetze auf den Weg zu bringen. Der thematische Schwerpunkt diesmal: Verbraucherschutz.

„Wir freuen uns über das anhaltend große Interesse am Planspiel“, erklärte der stellvertretende Landtagsdirektor Hubert Miller bei der Begrüßung der Schülerinnen und Schüler. Sie würden nun die Organisation und die Arbeitsweise des Landtags kennenlernen, und womöglich würde ja der eine oder andere sogar einmal als Abgeordneter zurückkehren: „Unsere Demokratie braucht Menschen, die mitmachen und mitgestalten wollen“, betonte er. 

Da waren sich die Teilnehmer zunächst noch nicht so sicher. Das Interesse am Thema Verbraucherschutz war geteilt und die Erwartungen an den Tag ein wenig diffus: Man wollte sehen, „wie das Ganze so läuft“. Das Szenario hingegen war sehr konkret: Ein von der SPD-Fraktion eingebrachter Gesetzentwurf zur Verbesserung der Lebensmittelqualität und zur Stärkung des Verbraucherschutzes sollte seinen Weg durch Fraktionen, Ausschüsse und Plenum nehmen. Referenten des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP), das das Planspiel 2006 entwickelt hat und seither begleitet, hatten auch diese Spielvorlage entwickelt und standen den „Abgeordneten“ kompetent zur Seite.

Parlamentarische Blitzkarriere

In etwas kleinerer Besetzung als ursprünglich geplant – zweien der fünf eingeladenen Schulen hatte starker Schneefall die Anreise unmöglich gemacht – begann nach einer kurzen Erklärung der Spielregeln auch gleich die Verwandlung der Jugendlichen in Abgeordnete für einen Tag: Per Los wurden sie auf die fünf Landtagsfraktionen verteilt und zogen sich umgehend zu Fraktionssitzungen zurück. Dort wurden der fiktive Gesetzentwurf diskutiert, die Positionen der Fraktionen dazu erarbeitet und entsprechende Argumentationen entwickelt. Weiter ging es zur konstituierenden Sitzung des Parlaments mit der Wahl des Landtagspräsidenten – in diesem Fall einer Präsidentin – im Plenum, dann folgte die Diskussion des Gesetzentwurfs in drei Ausschüssen. Nach den Ausschusssitzungen kehrten die „Abgeordneten“ zurück in ihre Fraktionen, um die Ergebnisse zu berichten, zu besprechen und ihre Standpunkte für die zweite Lesung im Plenum in Worte zu fassen. „Das ist viel spannender, als ich es mir vorgestellt habe“, staunte Tanja aus Kempten. „Und die echten Abgeordneten diskutieren so was wahrscheinlich noch viel intensiver als wir heute.“

Im Plenum ging es dann, wie im richtigen Leben, noch mal zur Sache. In kurzen, teils sachlichen und teils recht emotionalen Reden äußerte sich jede Fraktion zum Gesetzentwurf, zahlreiche Änderungsanträge wurden eingebracht und abgestimmt. 

Demokratie aus erster Hand

Am Ende hatten die „Abgeordneten“ Demokratie aus erster Hand erfahren: sich eine Meinung bilden, seinen Standpunkt argumentativ vertreten, Kompromisse schließen und Mehrheitsbeschlüsse akzeptieren. Das Fazit fiel dann auch deutlich konkreter aus als die Erwartungen zu Beginn des langen, ereignisreichen Tages: Nun hätten sie eine klare Vorstellung und auch einigen Respekt vor der täglichen Arbeit der Abgeordneten, fanden Vanessa, Eva, Jessica und Sandra aus Riedenburg. Vor allem die intensive Diskussion der Themen sowohl mit Partnern als auch mit Gegnern hat sie beeindruckt: „Wenn man mit allen spricht, kommt man selbst auf viel mehr Ideen.“ 

Auch eine Landtagspresse sieht das Planspiel vor: Jede Schule hatte zwei Redakteurinnen gestellt, die für die Berichterstattung im „Münchner Panorama“ verantwortlich waren. Und die gingen recht inquisitiv zu Werke: Die „Abgeordneten“ mussten sich neben ihren eigentlichen Aufgaben auch den knallharten Fragen der Pressevertreterinnen stellen – das sei schon ein eigenartiges Gefühl, stellte Lena aus Riedenburg, im Planspiel Fraktionsvorsitzende der FDP, fest. 

Begegnung mit der Realität

Am Ende des Planspiels nutzten die jungen Gäste die Gelegenheit, den Abgeordneten und Verbraucherschutzexperten Horst Arnold (SPD), Dr. Andreas Fischer (FDP), Anne Franke (Bündnis 90/Die Grünen) und Ulrike Müller (FREIE WÄHLER) eine Menge Fragen zu stellen: Ob sie ihre Reden selbst schrieben, ob Abgeordnete verschiedener Fraktionen privat befreundet sein könnten, warum so wenige Frauen im Landtag vertreten seien und wie sie in ihre jeweiligen Positionen gekommen seien, wollten die Schülerinnen und Schüler unter anderem wissen. Ihre gewissenhaften Antworten ergänzten die Abgeordneten schließlich noch mit einem Appell: „Engagiert Euch, egal in welcher demokratischen Partei!“ Die verbraucherschutzpolitischen Sprecher der Fraktionen hatten bei diesem Großplanspiel die Schulen für die Teilnahme vorgeschlagen.

Seit 2007 veranstaltet der Bayerische Landtag im Maximilianeum pro Jahr ein Großplanspiel mit Teilnehmern von fünf Schulen aus ganz Bayern sowie je ein kleineres Planspiel für jeden Regierungsbezirk. Die Mehrzahl der Planspiele jedoch findet an den Schulen statt – rund 60 sind es jedes Jahr im gesamten Freistaat. Entwickelt wurde die Simulation vom Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) der Ludwig-Maximilians-Universität München, das auch immer neue, an der aktuellen Themenlage orientierte Szenarien entwickelt.

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