Bayerischer Landtag

Köpfe an der Spitze der Fraktionen

Montag, 07. Oktober 2013

Das neue Parlament besteht aus vier Fraktionen. Neuer Vorsitzender der CSU-Fraktion ist Thomas Kreuzer (2.v.l.). Markus Rinderspacher (rechts) führt weiterhin die SPD-Fraktion an, Hubert Aiwanger (links) die Fraktion der FREIEN WÄHLER. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird auch in der neuen Wahlperiode von einer Doppelspitze geführt: Neben Margarete Bause ist Ludwig Hartmann (Mitte) neuer Vorsitzender. 

 

 

Die Fraktionsvorsitzenden (v.l.): Hubert Aiwanger (FREIE WÄHLER), Thomas Kreuzer (CSU), Ludwig Hartmann und Margarete Bause (Bündnis 90/Die Grünen), Markus Rinderspacher (SPD). | Foto: Rolf Poss
Die Fraktionsvorsitzenden (v.l.): Hubert Aiwanger (FREIE WÄHLER), Thomas Kreuzer (CSU), Ludwig Hartmann und Margarete Bause (Bündnis 90/Die Grünen), Markus Rinderspacher (SPD). | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Thomas Kreuzer, seit 2. Oktober 2013 neuer Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion:

Der 54-Jährige wuchs in Kempten im Allgäu auf. Nach dem Grundwehrdienst studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Augsburg. Bis zu seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten im Jahr 1994 arbeitete er als Richter und Staatsanwalt. Mit 20 Jahren trat er in die CSU ein, bereits mit 24 Jahren wurde er Mitglied des Stadtrates in Kempten. Im Landtag arbeitete Kreuzer zunächst im Verfassungsausschuss und im Innenausschuss. Im Jahr 2003 wurde er stellvertretender Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, 2008 auch deren Parlamentarischer Geschäftsführer. Im März 2011 wurde er als Staatssekretär im Staatsministerium für Unterricht und Kultus in die Bayerische Staatsregierung berufen. Im November 2011 wurde er als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei zum Staatsminister ernannt.

Nun führt er die mit 101 Abgeordneten größte Fraktion im Landtag an. Für die parlamentarische Arbeit nennt Kreuzer folgende Ziele: „Gute Bildung für unsere Kinder; Bayern muss auch künftig der beste Bildungsstandort in Deutschland sein.“ Das zweite Thema ist der Ausbau von Wissenschaft und Forschung. „Wir brauchen absolute Spitzenkräfte in der bayerischen Wissenschaft“, erläutert der CSU-Politiker. Der dritte Schwerpunkt ist die Umsetzung der Energiewende: „Die Bürger müssen sich die Strompreise leisten können und unsere Firmen müssen trotz Energiekosten wettbewerbsfähig bleiben.“ Und viertens möchte Kreuzer die Digitalisierung vorantreiben: „Dieser Megatrend wird viele Lebensbereiche verändern. Wir wollen die Digitalisierung so gestalten, dass sie den Menschen dient.“ Thomas Kreuzer liebt die Natur, vor allem die Allgäuer Wälder, Seen und Berge, wo er einen Großteil seiner Freizeit verbringt. Im Sommer spielt er Golf, im Winter fährt er Ski.

Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Fraktion:

Die neue SPD-Landtagsfraktion hat ihren Vorsitzenden Markus Rinderspacher (44) am 20. September 2013 in seinem Amt bestätigt. Rinderspacher erhielt 37 Stimmen von insgesamt 41 anwesenden Abgeordneten (90,2 Prozent). Der wiedergewählte Chef würdigte in seiner Rede die SPD als erfolgreiche politische Kraft in Bayern, die den Auftrag der Wählerinnen und Wähler hoch motiviert annehmen werde. Der Münchner Abgeordnete wurde 2008 zum ersten Mal in den Landtag gewählt und ist seit dem 21. Oktober 2009 Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion.

Markus Rinderspacher wurde am 18. Juli 1969 in Kaiserslautern geboren. Er stammt aus einer Musikerfamilie: Sein Vater wirkte als Professor für Fagott und Kammermusik, sein Großvater war Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters. Nach dem Abitur (1988) absolvierte Rinderspacher von 1989 bis 1991 eine Ausbildung zum Bankkaufmann, studierte 1991bis 1992 Medienmarketing mit Diplom an der Bayerischen Akademie der Werbung und 1991bis 1996 Politologie, Medienrecht und Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Magisterarbeit schrieb er über die „Politische Kultur in den neuen Bundesländern“. Nach dem Studium arbeitete Rinderspacher ab 1996 als Fernsehjournalist und war Redaktionsleiter der Magazine „Galileo“ und „taff“ beim Fernsehsender ProSieben in Unterföhring bei München. 2002 trat er in die SPD ein, wurde Ortsvorsitzender der SPD Trudering/Riem und 2005 ehrenamtlicher Pressesprecher der Münchner SPD. Dabei machte er auch Öffentlichkeitsarbeit für den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Im Bundestagswahlkampf 2009 moderierte er die Kundgebungen des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier in Bayern und anderen Bundesländern.

Hubert Aiwanger, Fraktionsvorsitzender der FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion:

Sein wichtigstes Ziel hat Hubert Aiwanger bei der jüngsten Landtagswahl erreicht: Er konnte die FREIEN WÄHLER im Bayerischen Landtag etablieren – mit 19 Abgeordneten bleibt die Fraktion in ihrer zweiten Legislaturperiode drittstärkste Kraft im Landtag und kann ihre engagierte Oppositionsarbeit der vergangenen fünf Jahre fortführen. Hubert Aiwanger bleibt, was er bislang war: Fraktionsvorsitzender. Mit nur einer Enthaltung ist der 42-jährige von seiner Fraktion in diesem Amt bestätigt worden. Der studierte Agraringenieur war 2001 bei den FREIEN WÄHLERN eingetreten und prägt deren Politik seither maßgeblich mit. 2006 wurde er zum Landesvorsitzenden gewählt und ist seit 2010 auch Bundesvorsitzender der FREIEN WÄHLER. In dieser Funktion hat er die FREIEN WÄHLER in diesem Jahr auch erstmals zur Bundestagswahl geführt. Der Niederbayer sitzt zudem im Stadtrat von Rottenburg a.d. Laaber und im Landshuter Kreisrat.

Zu seinen wichtigsten politischen Zielen gehören eine bessere Bildungspolitik – von der Qualitätsverbesserung im frühkindlichen Bereich bis zur Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium –, die Stärkung des ländlichen Raums, Ausbau der erneuerbaren Energien unter Einbeziehung der Menschen vor Ort, Donauhochwasserschutz ohne Staustufe sowie ein Nein zur dritten Startbahn in München und dafür die Stärkung des Flughafens Nürnberg. Bei all diesen Themen war Aiwanger eine bessere, fraktionsübergreifende Arbeit im Landtag, ein fairer und kooperativer Umgang von Regierung und Opposition, von Beginn an ein starkes Anliegen, für das er auch in Zukunft eintreten will.

Margarete Bause und Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen:

Margarete Bause wurde 1959 im Wertheim am Main geboren und wuchs auf dem elterlichen Einödhof in Niederbayern auf. Nach dem Abitur in Landshut zog es sie nach München, wo sie Germanistik, Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie studierte und auch bald Grüne Politik mitgestaltete. Von 1986 bis 1990 gehörte Margarete Bause der ersten Grünen Landtagsfraktion an, später übernahm sie zweimal den Landesvorsitz ihrer Partei und beendete zwischenzeitlich erfolgreich ihr Studium als Diplom-Soziologin. Seit 2003 gehört sie wieder dem Bayerischen Landtag an und ist seither auch Fraktionsvorsitzende. Ihr politischer Schwerpunkt ist die Bildungspolitik: „Wir brauchen ein gerechtes und zeitgemäßes Schulsystem, das jedes einzelne Kind in seiner Besonderheit  fördert und allen Kindern gleiche Chancen ermöglicht – unabhängig von Herkunft oder dem Einkommen ihrer Eltern.“

Ludwig Hartmann wurde am 20. Juli 1978 in Landsberg am Lech geboren. Nach seiner schulischen Laufbahn absolvierte er 1998 seinen Zivildienst bei der Lebenshilfe Landsberg in einem Wohnheim für erwachsene Menschen mit Behinderung und leistete noch vor dem Studium  ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in einem kommunalen Forstbetrieb. „Aus dieser Erfahrung heraus wurde mir klar, wie sensibel das Gleichgewicht unserer Natur ist und wie wichtig deshalb ihr Erhalt uns allen sein muss“, beschreibt Ludwig Hartmann einen wesentlichen Beweggrund, Grüne Politik mitzugestalten. Von 2000 bis 2005 studierte er in München Kommunikationsdesign und führe seit 2005 ein Büro für visuelle Gestaltung in Landsberg, bis Ludwig Hartmann 2008 für die Grünen in den Bayerischen Landtag einzog. Mit Beginn der 17. Legislaturperiode übernahm er als Teil der Doppelspitze das Amt des Fraktionsvorsitzenden bei den Landtagsgrünen. In die Politik eingestiegen ist Ludwig Hartmann bereits 1994 als Sprecher der Grünen Jugend in Landsberg. Von 1999 bis 2002 war er Landesvorsitzender der Grünen Jugend Bayern und gehört seit 2002 dem Landsberger Stadtrat an. 2012 verpasste er nur knapp eine Überraschung, als er bei der Landsberger OB-Wahl ein respektables Ergebnis einfuhr und in der Stichwahl mit starken 48,62 Prozent nur hauchdünn gegen den CSU-Kandidaten scheiterte. Ludwig Hartmann ist engagierter Gegner einer Münchner Olympiabewerbung und organisierte 2008 maßgeblich die Anti-Nazi-Demo „Landsberg wehrt sich!“

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