Bayerischer Landtag

Preisträger des Bürgerpreises 2018 im Landtag ausgezeichnet

Pulse of Europe bekam den 1. Preis. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Adalbert Mischlewski mit Barbara Stamm. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Abgeordnete aller Fraktionen nahmen teil. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

28. Juni 2018
- Von Sonja Schwarzmeier und Zoran Gojic -

„Der Auftritt der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft hat gezeigt: wenn man nicht zusammenhält und gemeinsam etwas erreichen will, dann verliert man" - Perdita Wingerter vom Verein „Gemeinsam leben und lernen in Europa" findet, das könne man auch auf die europäische Idee übertragen. Dafür gibt es langen und lauten Applaus im Senatssaal des Maximilianeums, in dem Landtagspräsidentin Barbara Stamm die diesjährigen Preisträger des Bürgerpreises des Bayerischen Landtags auszeichnete.

Aus über 100 Bewerbern zum Thema „Bayern leben Europa“ wurden fünf Preisträger ausgewählt und zudem eine weitere Bewerbung besonders gewürdigt. Barbara Stamm hob die aktuelle Bedeutung des diesjährigen Themas hervor: „Viele Menschen in Bayern setzen sich ein, um auf die enormen Vorzüge und herausragenden Errungenschaften unseres geeinten Kontinents aufmerksam zu machen. Europa ist ein großartiges Werk des Friedens, der gemeinsamen Werte und wirtschaftlicher Stabilität, das es zu erhalten und zu stärken gilt.“

So ähnlich formulierten es alle Preisträger. Besonders die Schilderungen des 98-jährigen Sonderpreisträgers Adalbert Mischlewski, der noch als Soldat den 2. Weltkrieg erlebte und die Versöhnung mit den französischen Nachbarn als Wunder begriff, unterstrichen diesen Gedanken. Wie sehr das Thema Europa die Menschen umtreibt, konnte man an den oft sehr emotionalen Dankesreden der Preisträger sehen, die mehr europäischen Geist forderten und vor populistischen Parolen warnten. Auch nach der Veranstaltung gab es viel Gesprächsbedarf. Moderator Ulrich Wickert fasste das am Ende in einem engagierten Aufruf zusammen: „Steht auf für Europa. Tut etwas! Vive l'Europe!

Barbara Stamm mit Moderator Ulrich Wickert. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde bekam den 2. Preis. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Europa-Union Augsburg wurde ebenfalls ausgezeichnet. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Der erste Preis geht an die Initiative Pulse of Europe Bayern – Zeichen setzen für die Zukunft Europas. Pulse of Europe (engl. für „Europas Puls“) ist eine überparteiliche und unabhängige Bürgerinitiative, die 2016 in Frankfurt gegründet und in vielen bayerischen Städten wie München, Erlangen, Augsburg, Nürnberg, Aschaffenburg, Bayreuth, Regensburg, Rosenheim oder Würzburg aktiv ist. Ziel ist es, den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen und dabei Zeichen zu setzen für die Zukunft Europas. Es soll ein Beitrag geleistet werden, dass es auch in Zukunft ein vereintes, demokratisches Europa gibt, in dem die Achtung der Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständliche Grundlagen unseres Gemeinwesens sind. Pulse of Europe geht in zahlreichen bayerischen Städten jeden ersten Sonntag im Monat für diese proeuropäischen Ziele auf die Straße und wird weithin unterstützt durch Musiker und Personen des öffentlichen Lebens. Die Auszeichnung ist ausdrücklich als Anerkennung für alle bayerischen Aktionen der Initiative gedacht und mit einem Preisgeld von 15.000 Euro verbunden.

Folgende zwei Bewerber erhalten je einen zweiten Preis:
Die Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde – Europäische Begegnungen. Die Junge Aktion ist ein katholischer Jugendverband im BDKJ, der mit tschechischen und slowakischen Partnerverbänden Projekte und Begegnungen anbietet. Er steht für die Überzeugung, dass nur durch die politische Einigung Europas eine dauerhafte Überwindung von Nationalismen gelingen kann. Mit internationalen Jugendbegegnungen und Projekten wird seit Jahrzehnten Europa für junge Menschen erfahrbar gemacht. Schwerpunkt liegt auf den Kontakten in die östlichen EU-Staaten, insbesondere nach Tschechien. Der persönliche Kontakt auf Augenhöhe zwischen jungen Menschen unterschiedlicher europäischer Länder ist ein zentrales Element der Veranstaltungen der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde, insbesondere für Kinder und Jugendliche aus Mittel- und Osteuropa im Alter von 8 bis 26 Jahren. Seit 20 Jahren existieren etwa deutsch-tschechische Kinder- und Jugendfreizeiten in Haidmühle im Bayerischen Wald oder Sonderprojekte, wie die gemeinsame länderübergreifende Radtouren oder ein deutsch-tschechischer Tandemsprachkurs in Pilsen/Plzeň. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Die Europa-Union Augsburg stellvertretend für die bayerischen Europa-Unionen.
Der Kreisverband Augsburg der Europa-Union ist ein überparteilicher Verein mit knapp 100 Mitgliedern und organisiert vielfältige Veranstaltungen zum Thema Europa. Ziel ist ein Engagement für ein friedliches Europa und Völkerverständigung sowie die Sensibilisierung der Menschen für europäische Grundwerte. Ein wichtiges dauerhaftes Projekt ist die Organisation des Europatages am 9. Mai und der Europawoche. Ebenso lädt der Verein zu Europa-Stammtischen, zu denen die Botschafter des Landes eingeladen werden, das aktuell die Ratspräsidentschaft innehat, organisiert Podiumsdiskussionen zu Themen wie „TTIP“ oder „Sammelklagen“ und veranstaltet partnerschaftliche Events mit anderen Bürgerbewegungen. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Gemeinsam leben und lernen in Europa ist ein Verein, der Menschen aus allen Kulturen zusammenbringt. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Barbara Stamm im Gespräch mit den Preisträgern von Pulse of Europe Bayern. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Das Europäische Netz Sinzing wurde mit dem 3. Preis ausgezeichnet. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Zwei dritte Preise gehen an:
Das Europäische Netz in Sinzing – Wir brauchen Europa - Europa braucht uns
Ziele des Vereins sind die Förderung von interkulturellem Lernen, Schaffung von Geschichtsbewusstsein, Sensibilisierung für den europäischen Gedanken, Erzeugung von Solidarität, Euroskeptizismus verstehen und Diskutieren lernen, Abbau von Vorurteilen. Ebenso schafft der Verein Möglichkeiten in Sinzing und Umgebung, um gemeinsames Erleben von Freundschaft und Zusammenhalt zu fördern, so etwa durch verschiedene Europaaktionen während des Jahres an Schulen, Jugendaustausche u.a. Eine wichtige Veranstaltung ist beispielsweise die Begegnungswoche, die im August dieses Jahres mit ca. 100 Gästen aus Frankreich, Ungarn, Spanien und Rumänien und ca. 300 einheimischen Bürgerinnen und Bürgern stattfinden wird. Ebenso organisiert das Netzwerk alljährliche Begegnungen abwechselnd zwischen französischen, ungarischen, spanischen und deutschen Partnern mit altersspezifischen Programmen. Das Preisgeld beträgt 7.500 Euro.

Gemeinsam leben und lernen in Europa, Passau
„Im EHRENAMT gemeinsam mehr erreichen“ ist das Motto des Vereins Gemeinsam leben und lernen in Europa. Er motiviert und unterstützt Menschen, sich ehrenamtlich für unsere Gesellschaft zu engagieren.
Ziel ist es, durch Integration und Inklusion jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Es werden Projekte entwickelt und umgesetzt, mit denen Toleranz, Vielfalt und Chancengleichheit gefördert werden sollen. Der Verein arbeitet regional im ostbayerischen Raum und tauscht sich mit Partnern in ganz Deutschland und Europa aus, um von- und miteinander zu lernen. In gemeinsamen Projekten und durch Freiwilligenaustausch soll das Ehrenamt in ganz Europa gestärkt werden. Junge Freiwillige des Vereins sind „Youth embassadors“ bei Volonteurope. Typische Aktionen des Vereins sind lokale Projekte wie „Kinder – Erleben – Kulturen“, ein internationaler Frauentreff, Ehrenamtsschulungen, Filmreihen und Ausstellungen wie „Europa lächelt“, sowie Austauschprojekte mit Studierenden aus und nach Tschechien. Das Preisgeld beträgt 7.500 Euro.

Mit einer besonderen, nicht dotierten Würdigung ehrte die Jury den 98-jährigen Initiator der Städtepartnerschaft Grafing b. München / St. Marcellin (Frankreich), Dr. Adalbert Mischlewski, der sich seit Jahrzehnten für die deutsch-französische Aussöhnung und Begegnung einsetzt. Er ist unter anderem Initiator der Städtepartnerschaft zwischen Grafing bei München und St. Marcellin/Frankreich ist, die seit 1993 besteht. Dr. Mischlewski war während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich im Flugmeldedienst eingesetzt. Nach dem Krieg setzte er sich in seinem Beruf als Lehrer und darüber hinaus für die Aussöhnung ein. Er ist bis heute um die deutsch-französische Freundschaft bemüht und betont dabei besonders, dass Europa nicht nur eine blühende Wirtschaft, sondern auch die Werte der Humanität, der Ethik und der Spiritualität brauche. Die Partnerschaft, die Dr. Mischlewski initiiert hat, beinhaltet regelmäßige Begegnungen zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Austausch von Schülern und Praktikanten, jährliche Begegnung von Wandervereinen, die abwechselnd eine Region im Nachbarland erkunden, gemeinsame Konzerte, Ausstellungen und Varietéveranstaltungen oder die Organisation von Jugendlagern abwechselnd in Frankreich, Deutschland und Rumänien.

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