Bayerischer Landtag

Alois Glück: Unser Gesundheitswesen ist schwer krank

Dienstag, 11. November 2003

Landtagspräsident Alois Glück fordert mehr Anstrengungen für eine moderne Schmerztherapie und humane Sterbebegleitung
„Unser Gesundheitswesen ist schwer krank. Alle Reformmaßnahmen werden daran nichts Entscheidendes ändern, solange die weit verbreitete Lebenslüge, wonach Gesundheit das erste und wichtigste ist, viele aber ihr Auto regelmäßiger und gründlicher pflegen als ihren Körper, die Realität bleibt.“ Mit dieser Feststellung verband Landtagspräsident Alois Glück bei der Feier anlässlich der Inbetriebnahme neuer Einrichtungen im Klinikum Starnberg die Forderung nach einer ganzheitlichen Gesundheitspolitik.

Unser Gesundheitswesen sei gegenwärtig nur ein Reparaturbetrieb, wobei viele Menschen beim Arzt die Bringschuld sehen, die Gesundheit zu gewährleisten. Dieser Anspruch stünde häufig in einem krassen Gegensatz zur eigenen Lebensführung. Als typisches Beispiel nannte Glück dafür die Klage eines Rauchers gegen einen Tabakkonzern. Der hier praktizierte Anspruch an andere vor der Verpflichtung zur eigenverantwortlichen Lebensgestaltung weise auf das Grundproblem unserer Gesellschaft und der sozialen Sicherungssysteme hin.

Glück forderte für eine ganzheitliche Gesundheitspolitik den Verbund von Medizin in ihrer ganzen Vielfalt, gesunde Ernährung und Bewegung. Ebenso wichtig sei die Weiterentwicklung in Forschung und Technik. „Das Gesundheitswesen muss den Charakter des Reparaturbetriebs verlieren.“

Eine besondere Herausforderung sieht Glück in den immer schwierigeren Grenzbereichen des Lebensschutzes und der Menschenwürde durch den Fortschritt der Medizin. „Der Segen neuer Möglichkeiten bei Unfällen und Krankheiten führt uns gleichzeitig in neue Grenzsituationen.“ Eine intensive ethische Diskussion über die Möglichkeiten und die Grenzen solcher Entwicklungen im Hinblick auf die Würde des Menschen müsse intensiv geführt werden.

Eine entschiedene Absage erteilte Glück der „aktiven Sterbehilfe“. Er forderte aber große Anstrengungen in einer besseren Entwicklung der Schmerztherapie und der Sterbebegleitung. Dies sei eine der größten und wichtigsten humanen Herausforderungen, gerade auch mit Blick auf die demografische Entwicklung, mit der immer mehr ältere Menschen in ihrem letzten Abschnitt kein verwandtschaftliches Netz mehr haben, das sie trägt und begleitet.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Hasler

Stv. Pressesprecher

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