Bayerischer Landtag

Presseerklärung von Landtagspräsident Alois Glück zum Papstjubiläum

Mittwoch, 15. Oktober 2003
Das 25jährige Amtsjubiläum von Papst Johannes Paul II. ist ein besonderes Ereignis für die katholische Kirche, aber auch Anlass, die Wirkung dieser außerordentlichen Persönlichkeit für die gesamten Entwicklungen unserer Zeit zu bedenken und zu würdigen.

Die Bedeutung dieses Papstes für die politischen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten ist kaum zu überschätzen. Seine Rolle, seine Wirkung für den Wandel im Osten bis hin zum Zusammenbruch des Kommunismus ist nicht exakt zu erfassen, aber ohne Zweifel hatte dieser Papst in seiner Wirkung eine Schlüsselrolle. Ohne dem Polen auf dem weltweit beachteten Stuhl Petri, der sich auch als "Schutzpatron" der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosz verstand, wäre die Entwicklung in Polen kaum denkbar gewesen. Dies war wiederum außerordentlich bedeutsam für die gesamte Entwicklung in den mittel- und osteuropäischen Ländern des Sowjetimperiums. Die eindeutige mutige Haltung dieses Papstes gegenüber dem Kommunismus war wesentlich für das Ende des kalten Krieges und die beschleunigte Auflösung der kommunistischen Ideologie und ihrer Herrschaft. Das war und ist für uns alle, ja für die ganze Welt von historischer Bedeutung.

In Europa viel zu wenig beachtet ist auch die Rolle dieses Papstes für die Armen dieser Welt. Mutig und unerschrocken hat er auf seinen Weltreisen in den verschiedenen Kontinenten die Regierenden und herrschenden Schichten mit seinen eindeutigen Positionen zu Gunsten der Armen herausgefordert. Dieser Papst verurteilte nicht nur die Unmenschlichkeiten des Kommunismus, er redet ebenso deutlich über den Kapitalismus und flachen Materialismus.

Geradezu kühn waren seine Initiativen für den Dialog der Weltreligionen, seine Leistungen für eine weit gespannte Ökumene. Das Treffen mit führenden Vertretern anderer Religionen auf partnerschaftlicher Ebene zum Friedensgebet in Assisi ist dafür ein bleibender Meilenstein. Der Papst hat sich dabei über alle Bedenken seiner Fachtheologen hinweg gesetzt und damit, sowie mit weiteren Initiativen gegenüber den orthodoxen Kirchen, dem Judentum und dem Islam wichtige Zeichen gesetzt in einer Zeit, in der die Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen und ihren Wertvorstellungen immer mehr zu einem Konflikt und Kriegsgrund werden.

In der innerkirchlichen Diskussion der katholischen Kirche wird das Wirken dieses Papstes sicher differenziert und sehr unterschiedlich bewertet, an seiner außergewöhnlichen Bedeutung für die politischen Entwicklungen unserer Zeit kann aber kein Zweifel sein. Dazu zählt auch, dass in einer Zeit der Spaßgesellschaften und der Wohlstandsprägung in den Industrienationen dieser leidende Papst für viele Menschen ein Zeichen der Orientierung und der Hoffnung geworden ist.

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