Bayerischer Landtag

Landtagspräsident Glück: Deutschland braucht Verantwortungseliten

Donnerstag, 5. Februar 2004
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"Deutschland braucht Verantwortungseliten - ohne eine "positive Kulturrevolution" können wir unsere Probleme nicht lösen

"Der Vertrauensverlust gegenüber den Führenden, also den Eliten in Politik, Wirtschaft, den gesellschaftlichen Gruppen, ja selbst den Kirchen, ist die gegenwärtig gefährlichste Entwicklung in Deutschland.
Diese Tatsache muss die Diskussion um die Förderung von Eliten in Deutschland besonders prägen. Deutschland braucht Verantwortungseliten, nicht nur einseitig orientierte Leistungseliten."


Diese Forderungen erhob Landtagspräsident Alois Glück bei einer Veranstaltung des Bayerischen Industrieverbandes Steine und Erden am 05. Februar 2004 in München.

"Unser Leistungsniveau in allen Lebensbereichen hängt vom Leistungsniveau der jeweils Besten ab, deshalb ist es so wichtig, dass in unserem Land endlich eine offenere Diskussion über die notwendige Förderung von Eliten aufbricht und die dialogischen Verkrampfungen der Linken, die Deutschland über lange Zeit lähmten, allmählich überwunden werden", erklärte der Landtagspräsident weiter.

Reine Leistungsorientierung könnte aber auch schnell in eine unmenschliche Ellenbogengesellschaft führen. Spitzenleistung für das Gemeinwohl, und nur so sei Spitzenleistung wünschenswert, müsse immer auch mit sozialer Verantwortung verbunden sein. Im Kampf um die wirtschaftliche Zukunft drohe dieser elementare Zusammenhang in Deutschland, insbesondere auch in der bildungspolitischen Diskussion, vernachlässigt zu werden, meinte Glück.

Eine gute Entwicklung könne unser Land nur nehmen, wenn die Leistung auch in einer neu belebten Kultur der Verantwortung eingebettet und gebunden sei.

"Die Bindung der Leistung an die Verantwortung gilt für alle, sie gilt für Politiker, sie gilt aber auch für Führungskräfte in der Wirtschaft. Wer glaubt, er hätte seinen gesellschaftlichen Beitrag allein in der Optimierung oder gar Maximierung des betriebswirtschaftlichen Ertrages erbracht, irrt. Wer durch provozierendes Auftreten, wie jüngst der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Ackermann, elitäres Bewusstsein demonstrieren will, stört das Vertrauen der Menschen in die gesellschaftliche Verantwortung der Führungskräfte der Wirtschaft."

Glück forderte, dass gerade auch in der bildungspolitischen Diskussion die Verbindung von Leistungskultur und Sozialkultur das prägende Leitbild werden müsse. Eine einseitige Fixierung auf ökonomische Leistungsfähigkeit wäre nur vordergründig nützlich und sei letztlich zerstörerisch.

Der Landtagspräsident verwies darauf, dass amerikanische Spitzenuniversitäten bei der Auswahl der Studenten Eigenschaften wie Charakterstärke, soziales Engagement, intellektuelle Neugier, Integrität und Reife, Führungsqualitäten zum Maßstab nehmen.

"Die Bildungspolitik in Deutschland sollte sich den inneren Qualitäten der amerikanischen Eliteuniversitäten zum Maßstab nehmen und nicht nur vordergründige Zahlen", erklärte Glück weiter.

In einer solchen Grundausrichtung sieht der Landtagspräsident auch die Chance, die "lebensgefährliche Bedrohung durch Perfektionismus" in Deutschland zu überwinden. Diese isolierte Denkweise der Spezialisten führe in Deutschland mittlerweile einerseits zu einer maßlosen Selbstüberschätzung, wie gerade so katastrophale Fehleinschätzungen etwa in der Informationstechnologie bei UMTS-Technik und beim Mautsystem zeigen, in den Behörden führe dies andererseits zu einer Regulierungsdichte, die eine allmählich lebensgefährliche, ja tödliche Strangulierung der Vitalität unserer Gesellschaft zur Folge habe.

"Spezialisten sind in der heutigen Zeit unverzichtbar, isoliertes spezialisiertes Denken und Handeln ist gefährlich".

Die gefährliche Stagnation der Rückwärtsentwicklung in Deutschland ist nach Meinung des Landtagspräsidenten nur durch eine tiefgreifende kulturelle Veränderung - "eine positive Kulturrevolution" - möglich.

Die Grundlage der ökonomischen Logik sei unverzichtbar, aber für sich nicht ausreichend.

Mit freundlichen Grüßen
Kurt Müller
Pressesprecher

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