Bayerischer Landtag

Eröffnung neuer Plenarsaal / PK mit Landtagspräsident Alois Glück

Donnerstag, 8. Dezember 2005

Termin:
Der neue Plenarsaal des Bayerischen Landtags wird am Dienstag, 13. Dezember 2005, 15:00 Uhr im Rahmen einer Feierstunde mit kirchlicher Segnung eröffnet. Diese Eröffnungsfeier wird - wie alle künftigen Plenarsitzungen des Landtags - über die Internet-Seiten des Landtags (www.bayern.landtag.de) live übertragen. Auch der Bayerische Rundfunk (Hörfunk und Bayerisches Fernsehen) berichten live über die Eröffnungs-Veranstaltung.

Zahlen und Fakten:
Der neue Plenarsaal wurde in 15-monatiger Bauzeit (Juli 2004 bis Oktober 2005) errichtet. Genau an der Stelle, wo zuvor in gut 55 Parlamentsjahren (seit 12. Januar 1949 bis zur letzten Sitzung am 22. Juli 2004) die Bayerischen Abgeordneten in exakt 1826 Sitzungen getagt hatten.

Mit dem Umbau ist nach dem Konzept des Berliner Architekten Volker Staab ein heller, moderner und behindertengerechter Raum entstanden, der nicht nur optisch sondern vor allem mit Blick auf Belichtung, Belüftung, Brandschutz, Medientechnik sowie die Funktionalität der Abgeordnetenplätze den Erfordernissen eines zeitgemäßen Arbeitsparlaments entspricht. Die Ausrichtung des Raums wurde um 180 Grad gedreht: Präsidenten- und Regierungsbank stehen nun also an der Ostseite (früher West). Dadurch ist der Plenarsaal für Abgeordnete leichter über die westliche Wandelhalle und den Lesesaal erreichbar.

Der Plenarsaal (Nutzfläche: 580 m2) hat 164 Abgeordneten-Plätze, die in sechs konzentrischen Tischreihen angeordnet sind. Alle Regierungsmitglieder - ob mit oder ohne Abgeordnetenmandat - haben künftig ihre ausgewiesenen Stamm-Plätze ausschließlich auf der Regierungsbank. Dahinter sind 21 Sitzplätze für die Landtagsbeauftragten und Mitarbeiter des Landtagsamts. Ein durchgehendes Raster in den Abgeordneten-Sitzreihen ermöglicht ein flexible Bestuhlung (bei veränderten Fraktions-Stärken).

Auf der Zuschauer-Tribüne, die entsprechend der Abgeordnetenplätze konzentrisch im rückwärtigen Bereich (Westseite) angebracht ist, haben 133 Personen Platz (71 Besucher-Plätze, 46 Presse-Plätze, 16 Ehrengast-Plätze).

Am Umbau beteiligt waren 15 Architektur- Ingenieur- und Planungsbüros, 81 Baufirmen (davon kamen 78 Firmen oder 96,3 Prozent aus Bayern), 9 Behörden und Ämter sowie 2 Künstler. Insgesamt haben 587 Personen am guten Gelingen des Umbaus mitgewirkt.

Glücklicherweise kam niemand ernsthaft zu Schaden. Schwere Unfälle oder Verletzungen hat es trotz der schwierigen Baumaßnahmen und vieler Arbeiten in luftigster Höhe (Glasdach) nicht gegeben.

Die Kosten des Umbaus bleiben mit € 9,9 Mio. in einem verantwortbaren Rahmen und liegen nicht über dem veranschlagten Kosten-Plan. Auch der Zeitplan wurde pünktlich eingehalten, obwohl bautechnisch und witterungsbedingt an etlichen Stellen Verzögerungen auftraten und mit viel Improvisation und Organisations-Geschick ursprüngliche Planungen verändert werden mussten (s.u.). Eine General-Sanierung des alten Plenarsaals hätte annähernd 7Mio. Euro gekostet, und doch nicht zu einem so überzeugenden Ergebnis geführt. Auf alternative Pläne (Architekturwettbewerbe 2000 und 2001) einen „Gläsernen Plenarsaal“ auf dem Dach des Maximilianeums zu errichten, wurde frühzeitig nicht zuletzt aus Kostengründen verzichtet.

Insgesamt wurden während des Umbaus 200 Kilometer Elektrokabel neu verlegt; 140.000 Arbeitsstunden geleistet. Spitzenmonat war der September 2005 mit 14.000 Arbeitsstunden. Im Durchschnitt waren pro Tag 40 Arbeiter auf der Baustelle. Am absoluten Spitzentag, dem 19.September 2005, waren zeitgleich 75 Arbeiter auf der Baustelle.

Ausstattung:
Im Plenarsaal dominieren Holzflächen aus heller Eiche (Wandflächen, Parkett, Tischreihen), rote Leder- und Textilbezüge an den Stühlen sowie eine Glasfläche von fast 600 m2 (Decke und Wände). Die Glaskonstruktion macht den Plenarsaal besonders hell. Auch an wettermäßig eher trüben Tagen kommt sehr viel Tageslicht herein. So ist beispielsweise auch der Wechsel von Sonnenlicht und Wolken am weißblauen bayerischen Himmel im Plenarsaal erlebbar. Je nach Lichtintensität sorgt eine stufenlos zuschaltbare Innenbeleuchtung für optimale Lichtverhältnisse.

Bei der Vollverglasung des Daches wurde satiniertes Wärmeschutzglas mit Prismen verwendet, um eine direkte Sonneneinstrahlung (und entsprechende Blend-Effekte und eine Beeinträchtigung des Raumklimas) zu verhindern.

Abgeordnete können ihren Arbeitsplatz im Plenarsaal künftig leichter erreichen. Ihre Stühle sind fest montiert, drehbar sowie vor- und rückwärts beweglich (wie z.B. im Bundestag). Damit ist ein Vorbeigehen hinter einem Platz möglich, ohne dass andere Abgeordnete aufstehen müssen.

An jedem Abgeordneten-Platz kann auch mit Laptops gearbeitet werden. An den Plätzen der Fraktionsvorsitzenden ist ein zusätzlicher Bildschirm angebracht, auf dem wichtige Informationen zur Plenarsitzung, z.B. die aktuellen Redezeiten, ablesbar sind.

Die Plätze der Regierungsmitglieder sind wie die Plätze der Abgeordneten ausgestattet. Auch die Höhe der Sitzlehnen ist einheitlich, lediglich der Landtagspräsident hat eine erhöhte Sitzlehne.

12 Saalmikrofone für Zwischenfragen der Abgeordneten sind an den Enden der jeweiligen Tischreihen angebracht. Der Landtagspräsident kann diese Mikrofone frei schalten. In die neue Saal-Technik übernommen wurde auch der seit 1949 vorhandene „Revolutions-Knopf“ am Präsidenten-Platz: Per Knopfdruck kann ausschließlich der Parlamentspräsident damit schlagartig alle Mikrofone im Saal stumm schalten, während die Lautstärke seines eigenen Mikrofons automatisch auf „unüberhörbar“ verstärkt wird.

Das Redepult ist (wie bisher) höhenverstellbar. Auf einem Bildschirm wird die Redezeit angezeigt.

Das große Bayerische Staatswappen (Ostwand) sowie die Wappen der sieben Regierungsbezirke (Westwand auf der Besucher-Tribüne) wurden von dem Künstler Nol Hennissen gestaltet. Die Wappen-Muster wurden mit einer eigenen Computertechnik in ein Raster übersetzt und mit einem Spezial-Fräser in die Holzverkleidung der Raumverschalung hineingebohrt.

Besonderheiten des Umbaus:
Nachdem die Abgeordneten selbst Hand angelegt und ihre „alten“ Plenarstühle abgeschraubt hatten, begann nach der letzten Plenarsitzung am 22. Juli 2004 der Umbau. Der gesamte Raum wurde komplett entkernt, die seitlichen Galerien (für Besucher und Presse) abgerissen, das Glasdach entfernt. Schon für die Aufstellung des Baukrans waren besondere Vorsichtsmaßnahmen nötig: Immerhin stand der Kran auf der „Decke“ der Landtags-Tiefgarage und fast 500 m3 (entspricht 31 Sattelschlepper-Ladungen) Schutt und Baumaterial mussten abtransportiert werden.

Die ersten „Überraschung“ erlebten Bauherren, Architekten und Bauarbeiter in der Rohbau-Phase. Das alte Mauerwerk war an vielen Stellen keineswegs so „massiv“ wie vermutet sondern oft porös und von Hohlräumen durchzogen. Mit entsprechenden Folgen: So hat allein das Herausbrechen und Verputzen einer kleineren Mauernische hinter der ehemaligen Besuchertribüne nicht wie veranschlagt einen halben Tag gedauert, sondern gleich eine ganze Woche. Statiker, Ingenieure und Architekten mussten beraten, neue Lösungen finden.

Die „Eiger-Nordwand“ im Landtag: Um zahlreiche Kanäle für das Belüftungssystem legen zu können, mussten an der Nordwand des Gebäudes über dem Glasdach „Sondierungsbohrungen“ gemacht werden. 150 solcher Test-Durchstiche wurden nötig. Danach ähnelte die perforierte Wand eher einem durchlöcherten Schweizer Käse. Die notwendigen Planungsänderungen, Rückfragen und höchst komplizierten technischen Lösungen stellten enorme Herausforderungen auch an die Koordinierung der einzelnen Arbeiten. Wegen des hohen Schwierigkeits-Grads sprach der Bauleiter bei diesem Bauabschnitt nur noch von der „Eiger-Nordwand.“

Auch die Witterung und der lange kalte Winter brachten den Zeitplan immer wieder durcheinander. Bestimmte Arbeiten (z.B. Verputzen) waren nicht möglich, sie mussten verschoben und dann parallel mit anderen Bauleistungen koordiniert werden. Sonderschichten während der Weihnachtszeit waren nötig.

Im Sommer stieg wegen des Isar-Hochwassers die Luftfeuchtigkeit so stark an, dass die Holzverkleidungen der Innenwände aufzuquellen drohten. Sie konnten nicht eingebaut werden. Wieder kam es zu Verzögerungen, die nur Dank der großer Erfahrung der Beteiligten, durch Improvisation und exzellente Termin-Koordination wieder aufgefangen werden konnten.

Weitere Baumaßnahmen:
Unterhalb des Plenarsaals wurde zeitgleich der Saal 3 umgebaut und erweitert (Altbau 1. Stock). Für Ausschuss- und Fraktionssitzungen steht damit ein neu gestalteter, großzügiger Raum für 50 Sitzungsteilnehmer und bis zu 40 Besucher zur Verfügung.

Angrenzend an Saal 3 wurde ein „Raum der Stille“ eingerichtet. Dort soll die Möglichkeit zu Rückzug, Meditation und Andacht bestehen. Der kleine rechteckige Raum ist bewusst sehr schlicht ausgestattet. Das Konzept für die künstlerische Ausgestaltung stammt von Florian Lechner (Nußdorf/Inn)

Freundliche Grüße
Axel Stehle Pressesprecher

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