Bayerischer Landtag

Ansprache zum Jahreswechsel 2007/2008 von Landtagspräsident Alois Glück

Freitag, 28. Dezember 2007

Die Ansprache wurde im Bayerischen Fernsehen am Sonntag, 30.12.2007 um 18.53 Uhr sowie im BR-Hörfunk, Programm Bayern 1, am Dienstag, 01.01.2007 um 20.05 Uhr ausgestrahlt.

Hier gelangen Sie zum Video-Beitrag:

"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger!

Ich hoffe, Sie hatten eine schöne Weihnachtszeit und haben gute Stunden im

Kreis der Familie, mit Freunden erlebt. Vielleicht waren Sie aber auch allein und haben dabei Ihre Einsamkeit besonders intensiv empfunden. An Tagen wie diesen erfahren wir oft noch stärker als sonst, wie sehr wir in unserem Leben auf das Miteinander, auf gegenseitigen Respekt und menschliche Zuwendung angewiesen sind. Diese Erfahrung macht uns auch bewusst, wie wichtig es ist, für den anderen da zu sein, Solidarität zu leben. Dazu kann jeder etwas beitragen.

Der Wirtschaftsethiker Karl Homann hat es so formuliert:
„Niemand ist so schwach, dass er nicht für andere eine Bereichung sein kann. Niemand ist so stark, dass er nicht andere braucht“. Ja, auch die scheinbar Starken brauchen die Solidarität anderer. Keiner lebt für sich allein – und jeder wird gebraucht. Ich danke besonders denen, die sich in den vielen Formen freiwilligen Engagements, des Ehrenamtes für eine Aufgabe und für die Gemeinschaft einsetzen. Sie prägen das menschliche Gesicht Bayerns, tragen das Gemeinschaftsleben, diese besondere Lebensqualität unseres Landes. Diese Wochen sind auch eine Zeit der Gegensätze. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass unsere Gesellschaft immer mehr auseinanderdriftet.

Ein Beispiel: Der Einzelhandel meldete vor Weihnachten hohe Umsätze bei Luxusartikeln – auf der anderen Seite haben karitative Einrichtungen, wie zum Beispiel Tafeln für Bedürftige, immer mehr Zulauf. Vor zehn Jahren gab es 90 dieser Tafeln in Deutschland, heute sind es über 700.Wie kommt das? Trotz Wirtschaftswachstum und großen Erfolgen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit schwindet die soziale Balance und öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich. Das wird zunehmend als ungerecht empfunden. Es ist die große Aufgabe der Politik, darauf die richtigen Antworten zu finden, damit der Abstand in unserer Gesellschaft nicht ständig größer wird und das Miteinander nicht verloren geht. Dazu gehört vor allem Chancengerechtigkeit.

Chancengerechtigkeit für Schwache und Starke. Jedem seine Chance, entsprechend seinen Fähigkeiten, seinen Anstrengungen, unabhängig von seiner sozialen oder kulturellen Herkunft. Das gilt besonders im Bildungswesen und in der Arbeitswelt. Wenn dies nicht gelingt, wird sich unsere Gesellschaft immer mehr spalten – und unruhiger, unfriedlicher werden. Und: Kranke, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen, alle Menschen, die sich aus eigenen Kräften in ihrer Situation nicht helfen können, müssen sich fest auf unsere Solidarität verlassen dürfen.

Zur Bilanz des vergangenen Jahres gehört auch:
Die Familienpolitik ist wie kaum ein anderes Thema in das Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt. Das ist ein hoffnungsvoller Fortschritt. Kinder ins Leben zu begleiten, gehört zu den wertvollsten Erfahrungen, die man machen kann. Wo Kinder sind, da ist Leben und Zuversicht. Kinder sind die Zukunft unserer Familien und unseres Landes. Die Politik kann nur den äußeren Rahmen gestalten, damit der Mut zum Kind wächst. Aber es ist unsere Gemeinschaftsaufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder und ihre Eltern im Alltag die Erfahrung machen, bei uns wirklich angenommen zu werden. Wir fragen heute ganz selbstverständlich, ob unsere Vorhaben auch umweltverträglich sind.

Wir müssen lernen, genauso selbstverständlich als Maßstab mitzudenken: Ist das, was wir planen und tun, auch für Kinder und Familien gut? Wenn es uns gemeinsam gelingt, ein wirklich kinderfreund­liches Land zu werden, wird sich unser Leben, unser Land verändern – und es werden auch wieder mehr Kinder geboren werden.
Bei all dem dürfen wir nicht nachlassen, daran zu arbeiten, dass Bayern im Bildungswesen, in der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung in der Spitzengruppe der leistungsstarken Länder dieser Welt bleibt. Das haben wir immer wieder geschafft und müssen wir weiter schaffen. Das ist die Grundlage und die Voraussetzung unsers Wohlstands. Das dürfen wir nie vergessen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ich wünsche Ihnen für das Jahr 2008 viel Freude und Erfolg bei Ihren Aufgaben, aber auch Kraft und Menschen an Ihrer Seite bei schwierigen Wegstrecken. Dazu wünsche ich Ihnen Gottes Segen.“

Freundliche Grüße
Josef Hasler, Stv. Pressesprecher


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