Bayerischer Landtag

Gemeinsame Anhörung der Ausschüsse für Hochschule, Forschung und Kultur sowie für Umwelt und Verbraucherschutz

Freitag, 23. Februar 2007

Die Ausschüsse führen am

Mittwoch, 28. Februar 2007
von 09.30 bis 12.30 Uhr im Konferenzsaal

eine Anhörung zum Thema:

Chancen einer Ausweisung der Donaulandschaft zwischen Straubing und Vilshofen mit dem Isarmündungsgebiet unter Einbeziehung der Städte Regensburg und Passau als Weltkultur- und Weltnaturerbe der UNESCO (Vollzug des Landtags-Beschlusses Drs. 15/4684)

durch.

Die Damen und Herren der Medien sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog

(Stand: 14.02.07)

A: Weltnaturerbe niederbayerische Donau
1. Sind die Kriterien für die Meldung der Donau zwischen Straubing und Vilshofen als RAMSAR-Gebiet (Feuchtgebiet internationaler Bedeutung) gegeben und würde diese Meldung die Ausweisung als Weltnaturerbe unterstützen?

2. Welche naturgegebenen und bisher erhaltenen einzigartigen Eigenschaften dieses Donauabschnittes legitimieren die Forderung, ihn zum Weltnatur- und -kulturerbe zu machen?

3. Welche Konsequenzen hat die Ausweisung der Donau zwischen Straubing und Vilshofen als Weltnatur- und -kulturerbe auf die biologische Vielfalt (Stichwort „Important Bird Area“) und die ökologische Leistungsfähigkeit in diesem Naturraum, für den der EuGH entschieden hat, dass die Schutzgebiete in diesem Donauabschnitt vollständig und endgültig auszuweisen sind?

4. Passau, einst von Alexander von Humboldt als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet, hat diesen Ruf seiner einzigartigen natürlichen Lage zu verdanken: 3 Flüsse unterschiedlichen Charakters, die schwarze Ilz (die den Bayerischen Wald, das grüne Dach Europas entwässert), die Donau und der größte Alpenfluss, der grüne Inn, fließen in Passau an der Spitze der Altstadt zusammen. Könnte die aktive Teilnahme der Dreiflüssestadt am Welterbeprojekt dieses unterstützen?

B: Welterbe Kulturlandschaft niederbayerische Donau
5. Als Kulturraum hat die Donau zwischen den Städten Regensburg und Passau in der deutschen und europäischen Geschichte eine überragende Bedeutung gespielt: Als Verbindungslinie, als Verkehrsweg und Schicksalsstrom, aber auch in besonderem Maße – und im Unterschied zu anderen großen Fluss-Kulturlandschaften wie Mesopotamien oder Rheinland – als Grenze zwischen Völkern, Staaten und Kulturen.
An der Donau spielt das deutsche Nationalepos, das Nibelungenlied, geschrieben im Umkreis des Passauer Bischofshofes. Von der geschichtlichen und kulturellen Bedeutung dieses Raumes als Grenzraum des römischen Reiches, als Ausgangspunkt der Christianisierung des östlichen Mitteleuropas, als mittelalterlicher „Metropol-Region“ zeugen in heutiger Zeit seine wertvollen kulturellen Schätze. Welcher Wert ist diesen historischen sowie kulturhistorischen Einzigartigkeiten sowie den gesellschaftlichen Assoziationen auch in der Literatur (Nibelungenlied) zuzumessen im Hinblick auf die angestrebte Ausweisung als Weltnatur- und -kulturerbe?

6. Wäre diese kulturhistorische Entwicklung ohne den Fluss selbst denkbar gewesen, der – anders als in den meisten Regionen Mitteleuropas – in diesem Abschnitt heute noch in einer Ursprünglichkeit erhalten ist, wie er sie in den vielen Jahrhunderten der großartigen kulturellen Entwicklung des Donauraumes hatte?

7. Kann der ausgewählte Donauabschnitt als ein herausragendes Beispiel einer Kulturlandschaft, entstanden in Abhängigkeit und Wechselwirkung mit den natürlichen Bedingungen des Donaustroms, bezeichnet werden - gerade auch vor dem Hintergrund, dass der Kategorie „Kulturlandschaften“ auf der Welterbeliste seit 1992 eine immer größere Bedeutung zugemessen wird und ihre verstärkte Aufnahme betrieben wird?

C: Weltnatur- und Kulturerbe niederbayerische Donau (mixed site)
8. Halten Sie es angesichts der - in Deutschland sehr großen und weiter zunehmenden - Unausgewogenheit zwischen den einzelnen Welterbetypen, vor allem der Dominanz von Kultur- vor den Naturerbestätten, für angebracht, dass Bayern Vorschläge zum Weltnaturerbe bzw. für „mixed sites“ einbringt?

9. Sind die Chancen eines „mixed site“ beim WHC Berücksichtigung zu finden höher als die eines reinen Kulturerbe-Vorschlages?

10.Welche einmaligen bzw. laufenden Kosten verursacht die Ausweisung des Donautals zwischen Straubing und Vilshofen als Weltnatur- und -kulturerbe?

11.Welche Auswirkungen hat eine Ausweisung auf die städtebauliche Entwicklung, Entwicklung und Unterhaltung der Infrastruktur sowie die Gewässerbewirtschaftung und Unterhaltung?

D: Verbindung mit bestehenden Welterbestätten (Donau, Limes)
12.Eines der zentralen Ziele der UNESCO für die weitere Entwicklung der Welterbeliste ist die „grenzüberschreitende Nominierung“ (transboundery nomination) auch in Form von Cluster-Nominierungen, die nicht gleichzeitig angemeldet werden müssen (serial nomination). Erhöhen sich die Chancen für dieses Gebiet als Weltnatur- und -kulturerbe anerkannt zu werden, wenn es als Teil der bereits bestehenden Weltkulturerbe und Weltnaturerbe an der Donau (Kulturlandschaft Wachau, K/2000; Uferzone der Donau in Budapest, K/1987; Biosphärenreservat Donaudelta, N/1983) anerkannt werden und mit diesen eine Einheit bilden würde, was trotz fehlender räumlicher Kontinuität der Konvention entspricht?

13.Auf der Bewerbungsliste der UNESCO für die Ausweisung als Weltkultur- oder Naturerbe stehen die deutschen Kandidaten bis 2015 schon fest, so dass eine weitere Bewerbung als eigenständiges Weltnatur- und –kulturerbe bei der UNESCO erst nach 2015 erfolgen kann. Gilt dies auch, wenn die Ausweisung der niederbayerischen Donau als Weltkultur- und –naturerbe als Teil der bereits bestehenden Weltkulturerbe und Weltnaturerbe an der Donau geschieht und diese dann als ein Weltkultur- und –naturerbe auf der Liste der UNESCO geführt werden, oder kann die Bewerbung dann vorgezogen werden?

14.Deutschland zählt zu den Ländern der Welt, die mit derzeit 32 Welterbestätten auf der Liste sehr gut repräsentiert sind (derzeit gibt es 830 Kultur- und Naturstätten in 138 Ländern), auf der aktuellen Tentativliste, die bis voraussichtlich 2017 abgearbeitet werden kann, sind noch zahlreiche weitere Anträge enthalten. Nicht zuletzt angesichts der immer wieder beklagten drohenden Inflationierung der Welterbeliste stellt die UNESCO sehr hohe Anforderungen an eine Eintragung in die Liste, dies haben die Erfahrungen der letzten Jahre (z.B. Heidelberg, das heuer erneut zur Wahl ansteht) gezeigt: Hat die vorgeschlagene Donaulandschaft zwischen Straubing und Vilshofen aus der Sicht der internationalen Welterbeexperten (ICOMOS und IUCN) vor diesem Hintergrund einen so herausragenden universellen Wert, dass eine Eintragung als sicher gelten kann? Da ein Antrag angesichts der geschlossenen deutschen Tentativliste auf absehbare Zeit nicht möglich ist: ist es wahrscheinlich, dass sich die Anforderungen zu einem späteren Zeitpunkt (ab ca. 2017) ändern bzw. verschärfen werden, d.h. eine Eintragung noch schwerer zu erreichen sein wird als derzeit?

15.Wie beurteilen Sie die Aussichten, den Donaulimes als „nasse Verlängerung“ des obergermanisch-rätischen Limes als Teil der Welterbestätte „Grenzen des römischen Reiches“ in die UNESCO-Liste aufzunehmen, obwohl es sich beim Donaulimes im Unterschied zu Hadrianswall und Obergermanisch-rätischem Limes um keine sichtbaren Grenzanlagen handelt?

Expertenverzeichnis

(Stand: 14.02.07)

Landrat Christian Bernreiter
Landratsamt Deggendorf

Landrat Hanns Dorfner
Landratsamt Passau

Dr. Roland Fleck
Berufsmäßiger Stadtrat und Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, Vorstand des Dt. Wasserstraßen- und Schifffahrtsvereins Rhein-Main-Donau e.V. Nürnberg

Heinz Hofmann
Vorstand der Main-Schifffahrts-Genossenschaft Würzburg

Walter Keilbart
Hauptgeschäftsführer der IHK Passau

Andreas Krug
Bundesamt für Naturschutz

Prof. Dr. Michael Petzet
Präsident des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS, München

Michael Schimek
Geschäftsführer Arbeitskreis Wachau - Regionalentwicklung LAG Weltkulturerbe, Wachau Naturpark Jauerling-Wachau, Spitz (Österreich)

Dr. Maximilian Seefelder, M.A.
Bezirksheimatpfleger von Niederbayern, Landshut

David Sheppard
Head – Programme on Protected Areas IUCN – The World Conservation Union Gland (Schweiz)

Georg Steiner
Geschäftsführer des Tourismusverband Ostbayern e.V. Regensburg

Prof. Dr.-Ing. Theodor Strobl
Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft Technische Universität München

Prof. Dr. Hubert Weiger
1. Vorsitzender des Bundes Naturschutz, Nürnberg

Oberbürgermeister Albert Zankl
Stadt Passau

Freundliche Grüße
Axel Stehle, Pressesprecher

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