Bayerischer Landtag

Landtagspräsident Alois Glück: Ansprache zum Jahreswechsel 2006/2007

Dienstag, 2. Januar 2007

„Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger!

Ich hoffe, Sie hatten in den vergangenen Tagen die Gelegenheit zur inneren Ruhe, zum Nachdenken und auch zu guten Begegnungen und Gesprächen mit anderen Menschen.
Hinter uns liegt ein Jahr, das für unser Land einige außergewöhnliche Ereignisse und Erfahrungen mit sich gebracht hat:

Am Anfang gleich das große Unglück in Bad Reichenhall und einen langen, schneereichen Winter – im Sommer dann die Fußballweltmeisterschaft und den Besuch des Papstes in seiner bayerischen Heimat.

Die Welt hat Deutschland in den vier Wochen der WM als ein sehr offenes, gastfreundliches, fröhliches und im positiven Sinn auch patriotisches Land erlebt. Und als Papst Benedikt für sechs Tage Bayern besuchte, haben wir erlebt, wie wichtig vielen die über den Alltag hinausweisenden Orientierungen sind.
Je turbulenter die Welt wird, umso mehr brauchen wir feste Verankerungen.

Übrigens: Bei allen diesen großen Ereignissen, den traurigen und den schönen, zeigt sich immer wieder: Ohne den Einsatz der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer sind diese Aufgaben nicht zu bewältigen. Und dies gilt auch tausendfach im Alltag. Dafür herzlichen Dank!

Manchmal scheinen wir uns viel weniger zuzutrauen, als wir eigentlich können. Vor einem Jahr noch waren die Prognosen für die deutsche Wirtschaft eher mäßig. Und doch begann der Motor zu laufen. Die Wirtschaft wächst seitdem stetig, es wird wieder investiert, und endlich hat der Aufschwung auch den Arbeitsmarkt erreicht. Das zeigt: Wir haben wieder Selbstvertrauen und Zuversicht – und damit die Kraft für wirkliche Veränderungen. Aber wir dürfen nicht glauben, dass alles so bleiben kann, wie es jetzt ist.

Knapp 4 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz sind immer noch viel zu viel. Das Bild von der so genannten Drittelgesellschaft – ein Drittel, die die Möglichkeiten der neuen Zeit gut nutzen können; ein Drittel, die hart arbeiten müssen, um einigermaßen zu bestehen; und ein Drittel, die eher zu den Verlierern zählen – ist eine Situation, die wir auf Dauer nicht akzeptieren können. Wir müssen jetzt strukturelle Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft verwirklichen, damit Deutschland wieder auf Dauer zur Weltspitze in der Leistungskraft und in der Lebensqualität gehört. Das eine geht nicht ohne das andere. Die Antwort der Politik muss deshalb heißen: Voraussetzungen schaffen für mehr Chancen und mehr Chancengerechtigkeit.

Wir dürfen uns nicht auf eine scheinbar gerechte Verteilung des Mangels konzentrieren. Wir brauchen eine Entwicklung für mehr Chancen für alle.

Gleichzeitig muss die Politik die Bedingungen so gestalten, dass alle unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft eine faire Chance haben, entsprechende Bildungsabschlüsse zu erreichen und ihren Platz in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft zu finden. Dies ist ein hoher Anspruch. Aber es ist gleichzeitig der wichtigste Beitrag zu einer Gesellschaft, die dynamisch und menschlich ist. Leistung und Solidarität miteinander verbinden – das soll unser Leitmotto für 2007 sein.

Die positiven Erfahrungen des Jahres 2006 sollen uns die Kraft geben, auch die nächste Wegstrecke gut zu bewältigen. Wagen wir gemeinsam einen neuen Aufbruch! Ich wünsche Ihnen dazu das nötige Vertrauen in die eigene Kraft und vor allem Gottes Segen.

Ihnen persönlich wünsche ich besonders die Erfahrung guter menschlicher Begegnungen. Das wünsche ich vor allem denen unter uns, die in diesen Tagen unter Einsamkeit, unter Krankheit oder unter persönlichen Enttäuschungen leiden. Alles Gute und Gottes Segen für das Neue Jahr!“

Seitenanfang