Bayerischer Landtag

Landtagspräsident Alois Glück: "Einheimische Landwirtschaft für Sicherung unserer Ernährung unverzichtbar/ Neuer Stellenwert der Landwirtschaft....

Donnerstag, 26. Juni 2008

...durch globale Krisen/ Agrarwirtschaft steht weltweit vor Zeitenwende/ Rede bei Landesversammlung des Kuratoriums Bayerischer Maschinen- und Betriebshilferinge e.V. (KBM) am 26. Juni 2008 in Berchtesgaden


Berchtesgaden/München - „Die Situation für die Ernährung der Weltbevölkerung verändert sich dramatisch. Die Landwirtschaft ist damit in einer Zeitenwende. Auch unsere heimische Landwirtschaft bekommt eine ganz neue Bedeutung für die Sicherung der Ernährung der eigenen Bevölkerung und in ihrer Funktion innerhalb der Gesellschaft“, so Landtagspräsident Alois Glück in einer Grundsatzrede bei der heutigen Landesversammlung des Kuratoriums Bayerischer Maschinen- und Betriebshilferinge e.V. (KBM) in Berchtesgaden.

„Statt der Debatte über die Überschüsse und deren Folgen wird jetzt im Mittelpunkt stehen, wie Hungersnöte und soziale Revolutionen in vielen Ländern der Erde verhindert werden können. Die Bedeutung einer Nahrungsmittelversorgung aus einer starken einheimischen Landwirtschaft wird damit zum Anliegen unserer gesamten Bevölkerung. Dies verschafft der Landwirtschaft einen ganz neuen Stellenwert in der Gesellschaft und für die Zukunftssicherung“, betonte der Landtagspräsident.

Glück sieht die Situation der Landwirtschaft „in einer Zeitenwende“. Dies gelte für die heimische Landwirtschaft ebenso wie für die Landwirtschaft weltweit. Glück weiter: „Innerhalb relativ kurzer Zeit hat sich die Situation auf den Nahrungsmittelmärkten der Welt dramatisch verändert. Das verändert auch die Zukunftsperspektive unserer Landwirtschaft, ihre Bedeutung für die Zukunftssicherung unseres Landes“. „Trotzdem“, so Alois Glück, „wird es weiter in unserer Landwirtschaft Strukturveränderungen geben. Der veränderte Weltmarkt ist keine Besitzstandsgarantie für den einzelnen und die jetzigen Verhältnisse.“

Der Landtagspräsident, der auch zu den Pionieren des Aufbaus der Maschinenringe in den 60er und 70er Jahren zählt, stellte die Prognose, dass drei Entwicklungen das nächste Jahrzehnt stark prägen und tief greifende Veränderungen bewirken werden. „Erstens: Der Energiemangel und die damit verbundenen hohen Preise für Energie. Zweitens: Der Mangel an Nahrungsmitteln für die Weltbevölkerung und die damit verbundenen Markt- und Preisentwicklungen. Drittens: Die Klimaveränderungen mit den Wetterextremen, die jetzt schon den Agrarmarkt beeinflussen. Das sind die Schlüsselthemen der nächsten zehn Jahre und wahrscheinlich darüber hinaus. Alle drei Entwicklungen stehen zueinander in einer Wechselwirkung und haben auch Auswirkungen auf die Situation der Landwirtschaft bei uns“, sagte Glück.

Die Hauptursache für die rasche Veränderung auf den Weltagrarmärkten sieht Glück darin, dass die Weltbevölkerung wächst, während gleichzeitig die Anbauflächen insgesamt zurückgehen. Zudem verändere der wachsende Wohlstand in vielen Ländern die Ernährungsgewohnheiten, was mit einem steigenden Flächenverbrauch verbunden sei. Als weitere Ursache sieht der Landtagspräsident den Wettbewerb um Anbauflächen für Nahrungsmittelproduktion oder die Energieproduktion sowie die Wetterextreme mit Dürren und Überschwemmungen, wodurch ganze Regionen auf den Märkten ausfallen. So sei letzte Woche der Preis für Mais und Getreide auf den Weltmärkten als Folge der Überschwemmungen in amerikanischen Bundesstaaten auf einen Höchstpreis gestiegen.
Die Getreidereserven reichten nur noch für circa 50 Tage.

Die wichtigste Maßnahme für eine bessere Welternährung sieht Alois Glück in der Förderung und Entwicklung der einheimischen Landwirtschaft in den Ländern der Dritten Welt. Er verwies dabei auf die Aussage von UN und Weltbank, die in einer gemeinsamen Studie als Ergebnis von 400 Wissenschaftlern genau diese Priorität setzt. Die Grüne Gentechnik könne einen Teilaspekt für Lösungen liefern, diese sei aber nicht der häufig propagierte Generalschlüssel zur Lösung dieser Probleme.

Alois Glück, der sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume in Entwicklungsländern auseinandersetzt, verwies auch darauf, dass die Bedeutung der Agrarexporte aus der Europäischen Union angesichts der Gesamtsituation auf den Nahrungsmittelmärkten einen anderen Stellenwert bekomme. Zugleich müsse darauf geachtet werden, dass durch subventionierte Nahrungsmittel aus der EU nicht der Aufbau der einheimischen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern blockiert werde. Hier müssten die Maßnahmen ordnungspolitisch gründlich erörtert werden.

„Zu den schwierigen Wahrheiten gehört auch“, so Glück weiter, „dass nicht alle Produktionszweige unserer Landwirtschaft in absehbarer Zeit von dieser Veränderung der Weltmärkte gleichermaßen profitieren werden. Dies gilt insbesondere für die großen Preis- und Kostenprobleme bei der Milchwirtschaft. Hier müssen andere Wege gefunden werden, um im Interesse des Gemeinwohls die Existenz der Landwirtschaft insbesondere in absoluten Grünlandgebieten und schwierigeren Produktionsstandorten dauerhaft zu sichern. Dies kann nur in einer Kombination von marktpolitischen Maßnahmen und Förderungen im Sinne des Erhalts der Kulturlandschaft erreicht werden“, so der Landtagspräsident.

Freundliche Grüße
Axel Stehle, Pressesprecher

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