Bayerischer Landtag

Landtagspräsidentin Barbara Stamm verleiht den mit 26.000 Euro dotierten Bürgerkulturpreis 2008 für herausragendes bürgerschaftliches Engagement

Freitag, 5. Dezember 2008

Auszeichnung von neun Projekten in Bayern, die ein lebendiges und interkulturelles Miteinander fördern / „Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“
München – Drei vorbildliche Initiativen zur interkulturellen Zusammenarbeit und zur Integration von Zuwanderern in unsere Gesellschaft hat Landtagspräsidentin Barbara Stamm heute, Freitag, 5. Dezember, mit dem Bürgerkulturpreis ausgezeichnet. Um der Bandbreite und den unterschiedlichen Ansätzen der heuer mehr als 80 Bewerbungen gerecht zu werden, wurden zusätzlich sechs Ehrenpreise vergeben. „Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die aus der Mitte der Gesellschaft heraus bewältigt werden muss“, so Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Die heute ausgezeich-neten Projekte hätten Vorbildcharakter: „Wir wollen mehr in den Zeitungen über diese ´Helden des Alltags´ lesen statt über ausländerfeindliche Gewalttaten.“ Auch dies, so die Landtagspräsidentin, sei eine Zielsetzung der heutigen Preisverleihung.

Die Gesellschaft in Bayern hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum verändert: Mittlerweile leben über eine Million Menschen mit ausländi-scher Staatsangehörigkeit in Bayern, wobei in dieser Zahl noch nicht der große Teil der Bevölke-rung erfasst ist, der zwar die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, aber „Migrationshintergrund“ hat. Diese Tatsache bleibt nicht ohne Einfluss auf unsere Gesellschaft: Sie ist bunter, vielfältiger, multikultureller geworden. Damit treffen auch immer mehr unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander oder, anders ausgedrückt, weitgehend gleiche Wertvorstellungen und Positionen werden weniger. „Der Abschied vom Gewohnten löst immer wieder Ängste und Misstrauen aus, denen rechtzeitig und umfassend begegnet werden muss“, so die Landtagspräsidentin. Integrati-on sei dabei der entscheidende Schlüsselbegriff.

Der mit 26.000 Euro dotierte Bürgerkulturpreis des Bayerischen Landtags wird seit dem Jahr 2000 jährlich für besonderes ehrenamtliches Engagement verliehen – seit 2004 jeweils unter einem besonderen Leitthema. Heuer standen „Initiativen zur interkulturellen Zusammenarbeit und zur Integration von Zuwanderern in unsere Gesellschaft" im Mittelpunkt.

Im Einzelnen wurden folgende Projekte ausgezeichnet:

1. Preis (mit 8.000 Euro dotiert:)
Förderverein der Schierlinger Schulen, Schierling
Der Förderverein bietet eine ganzheitliche Konzeption, die sowohl die Förderung der Kinder im kognitiven Bereich als auch im musischen, motorischen und motivationalen Bereich umfasst. Es werden keine separaten Projekte für Migrantenkinder angeboten, sondern die Berücksichtigung ihrer speziellen Situation durchzieht das Programm des Vereins.

2. Preis (mit 7.000 Euro dotiert)
Integra e.V.; Neustadt a.d. Aisch
Der Integrationsverein integra e.V. bietet zahlreiche Kurse, Aktionen und Freizeitangebote zur Einglie-derung von Migranten in die Gesellschaft an. Der Verein arbeitet im ganzen Landkreis und bindet gezielt schon lange in Deutschland lebende Migranten ein, die Neuankömmlinge besser ansprechen und anleiten können.

3. Preis (mit 5.000 Euro dotiert)
Freundschaft zwischen Ausländern und Deutschen e.V., München – Projekt „Kinderzirkus TRAU DICH“
Der Internationale Kinderzirkus TRAU DICH ist ein Begegnungsprojekt für deutsche und ausländische Kinder und Jugendliche zwischen fünf und vierzehn Jahren. 80 bis 100 Münchner Kinder unterschied-licher Kulturen und Nationalitäten üben einmal wöchentlich das Zirkusspielen. In Disziplinen wie Jong-lieren, Akrobatik, Clownerie, Einrad- und Hochradfahren werden sie von ehrenamtlichen Übungslei-tern betreut und lernen spielerisch, gegenseitige Vorurteile zu überwinden, Respekt und Toleranz zu üben.

Um der Fülle der Projekte und der Bandbreite der Initiativen gerecht zu werden, hat der Beirat beschlossen, neben den drei Preisen auch sechs Ehrenpreise zu vergeben, die jeweils mit 1.000 Euro dotiert sind.

Damit sind bedacht worden:

Afghanische Frauen in München e.V.
Der Verein Afghanische Frauen in München hat das Ziel, afghanischen Frauen zu helfen, sich in der hiesigen Gesellschaft und Kultur zurechtzufinden und zu integrieren. Die Frauen werden darin unterstützt, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben.
und:

Boxstaffel des ASV Cham
Die Boxstaffel ASV Cham ist eine Abteilung des Bayerischen Amateur-Boxverbandes mit derzeit 82 Mitgliedern. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund beträgt ca. 30 – 40 %.
Überwiegend Spätaussiedler aus Polen und Rumänien, aber auch Zuwanderer aus Italien, Bulgarien und anderen Staaten werden von der Boxstaffel betreut und beispielsweise bei Behördengängen, Wohnungssuche, Arbeitsplatz und Ausbildungsplatzsuche unterstützt.
und:

BRK Ostallgäu – Projekt „Bunter Garten“
Um einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Migranten zu finden, wurde die Form des Gärt-nerns gewählt. In jeder Kultur werden Gemüse und Nutzpflanzen angebaut. Die gemeinsame Arbeit verbindet und hilft, dass Menschen miteinander kommunizieren, so dass kulturelle Unterschiede in den Hintergrund treten. Inzwischen wurde der Garten um das Projekt „Grün für Rollis“ erweitert. Dafür werden im Rahmen einer Praxisklasse der Gustav-Leutelt-Schule Hochbeete gebaut und aufgestellt. Diese werden von Menschen mit Behinderung bewirtschaftet, die somit in die Gärtnergemeinschaft integriert werden.
und:

Exilio Lindau – Projekt „Kulturbrücke“
Die Kulturbrücke ist ein interkulturelles, generationsübergreifenden Bildungs- und Begegnungszentrum. Kunst und Kultur dienen als Bindeglied, um Menschen mit den unterschiedlichsten Lebenshintergründen zusammen zu bringen. Die enge Einbeziehung von ehrenamtlichen Mitarbeitern und anderen sozialen und öffentlichen Institutionen gewährleistet die Beseitigung von Hemmschwellen und Zu-gangsbarrieren, fördert die Verbreitung der Idee in der lokalen Öffentlichkeit und damit die Nachhaltig-keit des Projekts. Um auch eher isoliert lebende Personen zu erreichen (insbes. Mütter mit Migrati-onshintergrund, Senioren), sind alle Angebote niedrigschwellig gestaltet.
und:

Interreligiöse Fraueninitiative Bamberg e.V.
Das Projekt schafft in der Region Begegnungs-, Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten zwischen Jüdinnen, Christinnen und Musliminnen. In den Angeboten kommen Frauen unterschiedlicher religiö-ser, kultureller und sozialer Herkunft miteinander ins Gespräch, knüpfen Kontakte und lernen vonein-ander. Darüber hinaus arbeitet die Initiative eng mit jüdischen, christlichen und muslimischen Religionsgemeinschaften, Frauengruppen und Einrichtungen der Migrantenarbeit zusammen, bringt das Thema „Interreligiöse Arbeit mit Frauen“ in deren Agenda ein, trägt zur gegenseitigen Vernetzungen bei, bietet Beratung an und initiiert einzelne Pilotprojekte.
und:

Kulturzentrum für Aussiedler „Globus e.V., Wunsiedel
Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, Aussiedlern, Auswanderern und Kontingentflüchtlingen die Eingliederung in die Gesellschaft durch soziale Betreuung, pädagogische Maßnahmen und durch Information über Kunst und Kultur zu erleichtern.Vereinszweck ist auch die Förderung und Integration von jungen Menschen, speziell von jugendlichen Aussiedlern. Kontakte und gemeinsame Aktionen mit der einheimischen Bevölkerung sowie die Einbindung von bürgerschaftlichem Einsatz tragen dazu bei.

Auf Wunsch werden den Redaktionen gerne Fotos mit Bildunterschriften zugemailt. Bitte teilen Sie uns dies per E-Mail an: pressesprecher@bayern.landtag.de mit.

Freundliche Grüße,
Katja Helmö, Bayerischer Landtag

Seitenanfang