Bayerischer Landtag

Anhörung des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur am 13. Mai 2009

Donnerstag, 7. Mai 2009

Anhörung des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur


Der Ausschuss führt am

Mittwoch, 13. Mai 2009
von 09.30 bis ca. 12.30 Uhr im Konferenzsaal

eine Expertenanhörung zum Thema

„Stipendienwesen“

durch.


Die Damen und Herren der Medien sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.


Fragenkatalog
I. Überblick über das bestehende Stipendiensystem in Deutschland:

Nach den neuesten Erhebungen (vgl. den Hinweis der Interparlamentarischen Arbeitsgemeinschaft vom Januar 2009, Drs. 3266) werden insgesamt annähernd 20.800 Studierende von einem der elf deutschen Begabtenförderungswerke unterstützt (2005 waren es knapp 13.500). Das BMBF stellte dafür in 2008 113 Mio. Euro zur Verfügung; 2009 sollen knapp 20 Mio. Euro hinzukommen.

Bezogen auf insgesamt 1,95 Mio. Studierende werden damit 1,1% der Studierenden in Deutschland durch die elf Begabtenförderungswerke unterstützt.

1. Stipendien der Begabtenförderungswerke:
● Welche Voraussetzungen und welchen Inhalt (Grundlage: Richtlinien des BMBF) hat die Förderung für begabte Studierende und Nachwuchswissenschaftler?
● Wie ist das Verhältnis zwischen Voll- und Teilstipendien?
● Wie ist die soziale Zusammensetzung der Stipendiatinnen und Stipendiaten?
● Worin sehen Sie Stärken und Schwächen dieses Stipendiensystems?
Unter Einbeziehung sonstiger Stipendienprogramme ist davon auszugehen, dass im Bund wie im Freistaat Bayern insgesamt etwa 2% aller Studierenden Stipendien in unterschiedlichster Form erhalten.

2. Die übrigen Stipendienprogramme:
Wie stellen sich folgende Bereiche dar:
● Größere Unternehmen bzw. Wirtschaftsverbände
● Andere Bundesländer (auch die jüngsten Initiativen von Nordrhein-Westfalen)
● Angesichts der momentanen Förderung von nur ca. 2 % aller Studierenden in Form von Stipendien: Wie beurteilen Sie das Ziel in einem Vorschlag von Minister Pinkwart, NRW, in einem nationalen Fördersystem 10 % der „besten“ Studierenden eines Jahrgangs mit einer monatlichen Leistungsprämie in Höhe von 300 Euro zu unterstützen?
● Gibt es in der Beratung von potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern über das Gesamtspektrum der bestehenden Stipendiensysteme Verbesserungsmöglichkeiten?

II. Ausbau des Stipendienwesens durch Einführung neuer Fördermöglichkeiten auf Landesebene, insbesondere in Kooperation mit der Wirtschaft bzw. Wirtschaftsverbänden:

1. Welche Organisationsformen bieten sich an?
● Sehen Sie die Notwendigkeit eines nationalen/ bundesweiten Stipendiensystems? Falls ja, warum? Mit welcher Zielsetzung sollte ein solches Stipendiensystem etabliert werden?
● Wie beurteilen Sie den Anteil von Stipendienprogrammen der Wirtschaft am Gesamtaufkommen der Stipendienprogramme in Deutschland? Wie schätzen Sie generell die Sicherheit der Finanzierung bei Förderungsprogrammen von Seite der Wirtschaft ein?
● Sollte die Organisation öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich ausgestaltet sein?
Halten Sie insbesondere angesichts der privilegierten Besteuerung von gemeinnützigen Stiftungen Stiftungsmodelle für erfolgversprechend oder sind Fondslösungen vorzuziehen?
Sollten die Länder in dieser Frage eigene Modelle entwickeln oder sprechen Sie sich für ein bundesweit einheitliches Modell aus?
● Wie können die bisherigen langjährigen Erfahrungen und Modelle der Begabtenförderung in Bayern (früher nach dem Bayerischen Begabtenförderungsgesetz, jetzt nach dem Elitenetzwerk Bayern und dem Eliteförderungsgesetz) sinnvoll einbezogen werden?
● Welche Impulse und Rahmenbedingungen sollte der Staat setzen, um die Wirtschaft bzw. die Wirtschaftsverbände für ein weiteres Engagement in diesem Bereich zu gewinnen?
● Wie könnte die Wirtschaft von einem deutlich ausgeweiteten Engagement gerade angesichts des sich zunehmend verschärfenden Fachkräftemangels profitieren?

2. An welchen Eckpunkten sollte sich ein neues, d. h. zu den bisherigen Stipendien der Begabtenförderungswerke hinzutretendes Stipendiensystem orientieren?
● Wie können möglichst viele begabte junge Menschen sowohl im Bereich der schulischen als auch der beruflichen Bildung erreicht und für ein Hochschulstudium interessiert werden?
Halten Sie ein spezielles Stipendienberatungsangebot an Schulen und Hochschulen für erforderlich?
● Voraussetzungen, Inhalt und Höhe der Förderbeträge?
Verhältnis zwischen Voll- und Teilstipendien?
Verhältnis zwischen Studien- und Promotionsförderung?
● Sollten Stipendien von der wirtschaftlichen Bedürftigkeit abhängig sein, wie dies nach den Richtlinien des BMBF der Fall ist, oder einkommens- und vermögensunabhängig vergeben werden?
● Wie schätzen sie bundesweit das Verhältnis von leistungsorientierten zu bedarfsorientierten Stipendien ein?
● Ist es sinnvoll, mit den zusätzlichen Stipendien den Ausgleich sozialer Benachteiligungen (z. B. bildungsfernes Elternhaus, ggf. Migrationshintergrund, gesundheitliche Situation, familiäre Situation oder Geschlecht) anzustreben oder besondere Signale des Arbeitsmarktes (hohe Nachfrage nach Absolventen der Fachhochschulen oder der sog. „MINT-Studienfächer“) aufzugreifen?
● Halten Sie Stipendien generell für ein geeignetes Mittel, um die steigende Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft zu durchbrechen?
● Für wie realistisch halten Sie die in dem ursprünglichen Konzept von Minister Pinkwart zum nationalen Stipendiensystem vorgesehene Beteiligung der Wirtschaft in Höhe von 50 % der Kosten?

3. Finanzielle Lage der Studierenden
●Welche Zielsetzung sollte dem Stipendiensystem zugrunde liegen (Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses oder der künftigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Elite, Frauenförderung, Integration von Migranten, Internationalisierung des Hochschulsystems, Ausgleich sozialer Benachteiligung)?
● Welche Bausteine sind grundsätzlich zur Studienfinanzierung erforderlich und wie sollten sie ausgestaltet sein (z. B. elternunabhängiges Bafög, Darlehen, Begabtenstipendien, Studienkredite etc.)
● Soll parallel zur Reform des Stipendienwesens die Studienfinanzierung „BAföG“ verbessert werden durch z.B. Erhöhung des Bafög-Satzes und/oder Erweiterung des Bafög-Empfängerkreises?
● In welchem Umfang sollten Stipendien angeboten werden, welcher prozentuale Anteil der Studierenden sollte in den Genuss eines Stipendiums kommen?
● Wie kann eine höhere Transparenz und eine bayernweite Koordination über das Studiensystem Bayern bzw. aller Stiftungen (Begabungsförderungswerke und private Stiftungen) erreicht werden, so dass Informationen leichter zugänglich sind.
● Wie kann man das Bewerbungsverfahren so organisieren, dass ein niedrigschwelligerer Zugang erreicht wird?
● Wie wird eine gerechte Verteilung der Zugangschancen zu Stipendien gewährleistet?
● Wie kann man die Diagnosefähigkeit von Lehrkräften fördern, damit sie herausragende Begabungen junger Menschen besser erkennen?
● Welche Institutionen sollten für die Stipendienvergabe zuständig sein und wie sollten sie organisiert sein (Anzahl der Anbieter, Rechtsform, Nähe zu Parteien, sonstigen gesellschaftlichen Gruppen oder zur Wirtschaft)?
● Wie beurteilen Sie die Argumentation, begleitend zur Einführung von Studiengebühren sei eine Ausweitung der Stipendiensysteme notwendig?
● Sollten Studienbeiträge durch Stipendienangebote sozial abgefedert werden? Oder reichen Darlehen, Studienkredite zur Studienfinanzierung aus
● Anfang Februar 2007 beschloss der Senat der Universität Bayreuth, Stipendiatinnen und Stipendiaten der Studienförderwerke generell von Studiengebühren zu befreien. Wie beurteilen sie solche Überlegungen?
● Wieviel Prozent des Kostenaufwandes eines Stipendiaten für sein Studium können Ihrer Erfahrung nach im Schnitt durch ein Stipendium gedeckt werden?
● Wieviel Prozent der/Ihrer Stipendiaten müssen trotz der Förderung einem Nebenjob nachgehen?
● Wie bewerten Sie die Tatsache, dass die soziale Zusammensetzung der Stipendiatenschaft (operationalisiert am Anteil der reinen Büchergeldempfänger) bei manchen Begabtenförderungswerken eine überproportionale Förderung finanzstarker Studierender anzeigt (siehe Bundestags-Drs. 16/4849)?

4. Weitere Fragestellungen:
● In Bayern gibt es eine lange Tradition der Begabtenförderung. Werden die im Elitenetzwerk Bayern gebündelten Programme den Ansprüchen gerecht?
● Weshalb sollte sich der Freistaat trotz bestehender bundesweiter Förderungsmöglichkeiten eine eigene Eliteförderung leisten?
● Das Max-Weber-Programm Bayern besteht seit 2005. Welche Erfahrungen hat man mit dieser Form der landesweiten Förderung gemacht?
● Mit welchen Maßnahmen könnte man die bestehende landesweite Eliteförderung sinnvoll ergänzen?
● Die Qualität von Hochschulen lässt sich nicht zuletzt an der Qualität ihrer Studierenden messen. Inwiefern tragen Stipendien bei, diese Qualität zu erhöhen?
● Welche anderen Maßnahmen könnten Hochschulen ergreifen, um die Qualität ihrer Studierenden zu erhöhen?
● Stipendien sind eine langfristig angelegte Investition in die Zukunft unseres Landes. Wie kann sichergestellt werden, dass ihre Vergabe nicht konjunkturellen Schwankungen unterliegt?
● Wie hoch ist der Anteil der Stipendien, für die man sich bereits vor Aufnahme eines Studiums bewerben kann?

III. Stipendiensystem im europäischen Vergleich
● Welche Rolle spielen Stipendien in der Studienfinanzierung im europäischen Ausland? Welche weiteren Finanzierungsmöglichkeiten bestehen?
● Wie organisieren andere europäische Länder (z. B. Frankreich, Großbritannien, Schweiz) ihr Stipendiensystem im Hochschulbereich?
● Welche Zielsetzungen werden im Stipendiensystem verfolgt? Welche zentralen Bausteine liegen vor?
● Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Stipendiaten an den Studierenden?
● Nach welchen Kriterien (Leistung, Bedürftigkeit, Frauenförderung, Integration von Migranten etc.) werden die Stipendien vergeben?
● Welche Anforderungen müssen die Stipendiaten erfüllen (Noten, Praktika, bürgerl. Engagement)?
● Welche Institutionen sind für die Stipendienvergabe zuständig und wie sind sie organisiert (Anzahl der Anbieter, Rechtsform, Nähe zu Parteien, sonstigen gesellschaftlichen Gruppen oder zur Wirtschaft)?
● Welches Finanzvolumen steht für die Stipendien zur Verfügung? In welchem Finanzierungsmodell erfolgt die Förderung (Stiftung, Steuergelder, Fonds, öffentlich-rechtlich vs. privatrechtlich)?
● Welche Leistungen werden im Rahmen eines Stipendiums angeboten (finanzielle Förderung, Büchergeld, wissenschaftliche Kontakte o.ä.)?
● Für wen werden Stipendien angeboten: Studierende, Doktoranden, Postdoktoranden, Top-Wissenschaftler, Berufstätige in Fortbildung etc.?
● Welche Beratungsangebote und Werbemaßnahmen für künftige Stipendiatinnen und Stipendiaten werden umgesetzt?
● Welche Trends lassen sich beobachten im Bereich des europäischen Stipendiensystems?
● Inwiefern dienen im europäischen Ausland Stipendien zum Ausgleich von Studienbeiträgen? Welche Personengruppen profitieren davon? Wie beurteilen Sie diese Herangehensweise?

Expertenverzeichnis
Stand: 05.05.2009

Prof. Dr. Helmut Altner

Regensburg

Bernhard Börsel

Referatsleiter Studienfinanzierung

Deutsches Studentenwerk e.V.

Berlin

Paul Linsmaier

Landesvorsitzender

RCDS in Bayern e.V.

München

Evelin Manteuffel

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.

Essen

Dr. Elke Middendorff

HIS Hochschul-Informations-System GmbH
Hannover

Prof. Hans-Peter Niedermeier

Leiter des Förderungswerkes der

Hanns-Seidel-Stiftung

München

Matthias Rumpf

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

OECD Berlin Centre

Berlin

Philipp Schrögel

Landes AStenkonferenz (LAK) Bayern

Erlangen

Reineke Schmoll-Eisenwerth

Abteilung Studienförderung

Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.

Bonn

MRin Dr. Rahel Stefanie Stegemann-Boehl

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Dr. Ulla Siebert

Leiterin Studienwerk

Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Berlin

Uwe Dieter Steppuhn

Abteilungsleiter Studienförderung

Hans-Böckler-Stiftung
Düsseldorf

Dr. Gerhard Teufel

Generalsekretär

Studienstiftung des Deutschen Volkes

Bonn

Melanie Tropp

Referentin

Abteilung Bildung

vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

München

/hw

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