Bayerischer Landtag

Anhörung des Umwelt- und Sozialausschusses am 3.12.09

Donnerstag, 26. November 2009

Anhörung der Ausschüsse für
Umwelt und Gesundheit
und für
Soziales, Familie und Arbeit

Die Ausschüsse führen am

Donnerstag, 3. Dezember 2009
von 9.15 bis 12 Uhr im Konferenzsaal

eine gemeinsame Anhörung zum Thema
„Zukunft der geriatrischen Versorgung in Bayern“
durch.

Journalistinnen und Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog
(Stand 22.10.2009)

1. Übergreifender Fragenkomplex

- Welche sind die Ziele der Geriatrie und wie sollen sie erreicht werden?
- Mit welchem bevölkerungsbezogenen Bedarf an geriatrischen Angeboten rechnen Sie bis zum Jahr 2020 (ambulante, akutstationäre, stationäre Angebote)? Welche Maßnahmen sind ihrer Ansicht nach notwendig, um dieser Entwicklung in Bayern zu begegnen?
- Welches sind die Eckpunkte, die ein bayerisches Geriatriekonzept beinhalten sollte? Welche Schwerpunkte sollte ein solches Konzept setzen, um ein an den Bedürfnissen der Betroffenen und ihrer Angehörigen ausgerichtetes Angebot zu entwickeln?
- Welche Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung der geriatrischen Versorgung halten Sie für notwendig?
- Wie beurteilen Sie das derzeitige Verhältnis zwischen ambulanter und stationärer geriatrische Versorgung in Bayern?
- Wie sollten sich nach Ihrer Auffassung die Versorgungsstrukturen in der ambulanten und stationären geriatrischen Versorgung in Bayern weiterentwickeln? Was wären die einzelnen Schritte, die erforderlich wären? In welchem finanziellen Rahmen würden sich die Kosten bewegen?
- Welche Ansätze gibt es, um die Qualität in der ambulanten und stationären geriatrischen Versorgung zu verbessern?
-Welche Bedeutung haben Netzwerke zur bedarfsgerechten Versorgung älterer Menschen und wie können sie wirkungsvoller unterstützt werden?
- In welchem Verhältnis sollten Ihrer Ansicht nach ambulante Rehabilitation, stationäre Rehabilitation und akut-stationäre Rehabilitation stehen? Wie sieht eine Infrastruktur für eine Geriatrie in Bayern aus, die die Bedürfnisse von Betroffenen und ihren Angehörigen und Wahlverwandten in den Mittelpunkt stellt? Wie stehen Sie zu einer Schwerpunktsetzung im stationären Be-reich?
- Wie ist das Überleitungsmanagement zwischen stationären, ambulanten und akutstationären Angeboten zu gestalten? Welche Instrumente lassen sich hierfür nutzen und evtl. ausbauen? Auf welche Weise lässt sich die Honorierung der koordinierenden Leistung sicher stellen? Wie kann die Leistungskoordination zwischen verschiedenen Leistungsträgern gelingen?
- Welche Kriterien setzen Sie an eine zweckmäßige Evaluation des geriatrischen Rehabilitations-Angebotes (ambulante, akutstationäre, stationäre Angebote)?
- Welche besonderen Erfordernisse sehen Sie bei der Behandlung multimorbid erkrankter PatientInnen, bei chronisch psychisch Kranken und Menschen mit Behinderungen (ambulante, akutstationäre, stationäre Angebote)? Halten Sie ein geriatrisches Assessment für notwendig? Bitte begründen Sie Ihre Ausführungen.
- Welche Akteure und Berufsgruppen sind in den Aufbau eines vernetzten geriatrischen Angebotes mit einzubeziehen? Welche Rolle kann das Ehrenamt spielen? Welche Voraussetzung benötigt eine strukturierte Einbindung?
- Wie beurteilen Sie die Situation der Gerontopsychiatrie? Gibt es Ihrer Ansicht nach genügend Psychiater mit dieser Spezialisierung?
- Wie kann zukünftig der Grundsatz „ambulant vor stationär“ in der Geriatrie angesichts des demographischen Wandels gewährleistet werden? Welche konkreten Maßnahmen sind hierzu nötig?
- Die geriatrische Versorgung sollte laut Definition „holistisch und vernetzt“ erbracht werden. Wie ist hierzu der Status quo in Bayern und wie soll dieses Ziel zukünftig erreicht werden? Welche Strukturen sind bereits erkennbar? Welche Probleme und Lösungsvorschläge werden aktuell diskutiert?
- Inwieweit sollten die Pflegestufen neu definiert werden, um der wachsenden Problematik „Prädemenz“ und „Demenz“ gerecht zu werden?
- Inwieweit sollten die Pflegestufen neu definiert werden angesichts der zunehmenden Multi-morbidität der Patientinnen und Patienten?

2. Prävention

- Welche Schutz- bzw. Risikofaktoren für ein möglichst gesundes Altwerden sind bekannt und wie können sie in entsprechenden Gesundheitsförderungsprogrammen Berücksichtigung finden?
- Ist es sinnvoll, gezielte und niedrigschwellige Präventionsprogramme für ältere und bereits erkrankte Menschen zu entwickeln und zu verwirklichen?
- Welche Möglichkeiten und Chancen bieten freiwillige, standardisierte und durch die Kassen bezahlte Senioren Check Ups?
- Welche präventiven Ansätze zur Mobilitätserhaltung sind ambulant wie auch stationär denkbar?

3. Stationäre Geriatrie

- Hat sich die Trennung von Akut- und Rehageriatrie bewährt?

Akut-Geriatrie
- Wie viel Akutgeriatrie brauchen wir in den Krankenhäusern und wie kann die Qualität gesichert werden?
- Halten Sie die Einrichtung von Akutgeriatrien für sinnvoll und wenn ja in welchem Umfang?
- Welche Qualitätskriterien sollen dafür gelten?
- Sind Standortbeschränkungen sinnvoll?
- Stellt die Akutgeriatrie eine Bedrohung für die Reha-Geriatrie dar?
- Wie würden Sie den Patientenfluss steuern?

Reha-Geriatrie
- Hat sich die geriatrische Rehabilitation in Bayern bewährt?
- Kann mit der gegenwärtigen Finanzierung der geriatrischen Rehabilitation die erforderliche Qualität noch gesichert werden?
- Ist der Erhalt der Bayerischen Reha-Geriatrie aus Ihrer Sicht erstrebenswert?
- Welche Maßnahmen sind dafür erforderlich?
- Ist die Einrichtung von Akutbetten an Reha-Standorten sinnvoll?
- Ist die derzeitige Finanzierung ausreichend?

4. Ambulante Geriatrie

- Wären Leistungen der mobilen geriatrischen Rehabilitation eine sinnvolle Ergänzung im Versorgungssystem?
- Wie ist der aktuelle Stand in Bayern?
- Welchen zusätzlichen Bedarf gibt es?
- Ist die Finanzierung ausreichend?
- Gibt es ausreichend qualifiziertes Personal?
- Wie könnten ehrenamtliche Netzwerke verstärkt in der niedrigschwelligen Betreuung stärker genutzt und gefördert werden?
- Wie beurteilen Sie den medizinischen, sozialen und kostenrelevanten Nutzen von ambulanten Wohnformen, insbesondere von ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz?

5. Aus- und Weiterbildung

- Wie kann eine bessere Aus- und Weiterbildung der Ärzte und des medizinischen Personals geschehen?
Ist das Fach „Geriatrie“ ähnlich der Palliativmedizin als Pflichtfach in den Curricula zu verorten?
Wie kann und sollte sich ein geriatrischer Schwerpunkt in der Bezahlung der Ärzte und des medizinischen/ pflegerischen Personals niederschlagen?
- Ist die Forschung auf dem Gebiet der Geriatrie ausreichend?
Wo gibt es Defizite? Welche Forschungsfelder sind unbesetzt?
- Ist die Einrichtung eines weiteren Lehrstuhls für Geriatrie in Bayern zur medizinischen Ausbildung und zur geriatriespezifischen Forschung erforderlich?
- Sind die universitären und pflegerischen Ausbildungsmöglichkeiten für Geriatrie in Bayern derzeit ausreichend?
- Welchen zusätzlichen Bedarf erwarten Sie angesichts der demographischen Entwicklung?
- Wie kann man erreichen, dass es mehr geriatrisch qualifizierte Ärzte im niedergelassenen Bereich gibt?
- Auf welche Weise kann erreicht werden, dass sich mehr niedergelassene Ärzte in der Geriatrie fortbilden?
- Ist die Einführung eines Facharztes für Geriatrie sinnvoll?
- Welche Maßnahmen im Bereich Studium und Aus-, Fort-, und Weiterbildung halten Sie für zielführend, um die steigenden Fallzahlen im geriatrischer Bereich optimal zu versorgen? Für welche Berufsgruppen empfehlen Sie welche Qualifizierungsangebote? Welche Zielgrößen wir qualifiziertes Personal empfehlen Sie, bis zum Jahr 2020 aufzubauen? Wie kann die Erreichbarkeit von geriatrischen Angeboten auch in der Fläche sicher gestellt werden?
- Wie kann man das System so strukturieren, dass in den Reha-Einrichtungen Weiterbildung im ärztlichen und Ausbildung im pflegerischen Bereich stattfinden kann?

6. Medizinische Fragen

- Welche Probleme treten bei der medikamentösen Behandlung der Patientinnen und Patienten auf, da die Pharmakokinetik bei den meisten Präparaten für einen gesunden Menschen mittleren Alters ausgelegt ist?
Wie kann man diesem Problem begegnen?

- Die geriatrische Behandlung umfasst auch die Behandlung der seelischen und psychischen Probleme. Sind für die diese Maßnahmen die nötigen Strukturen vorhanden und wird diesen Maßnahmen genügend Raum innerhalb der gesamten geriatrischen Behandlung eingeräumt?

Expertenverzeichnis
(Stand: 23.10.09)

Professor Dr. Hans Förstl
Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychothe-rapie an der TU München, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum München Rechts der Isar

Dr. Christoph Fuchs
Leitender Oberarzt am Zentrum für Akutgeriatrie und Frührehabilitation, Klinikum München-Neuperlach

Dr. Günther Holthausen
Zentrum für Ambulante, Geriatrische Rehabilitation, München

Hartmut Hombach
Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e. V., München

Professor Dr. Johannes W. Kraft
Chefarzt der Fachklinik für Geriatrie und Rehabilitation am Klinikum Coburg

Dr. Ralf Langejürgen
Leiter der Landesvertretung Bayern des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), München

Dr. med. Rainer Neubart
Chefarzt im Sana Klinikum Lichtenberg, Berlin-Lichtenberg

Professor Dr. Wolf Dieter Oswald
Forschungsgruppe Prävention und Demenz am Institut für Psychogerontologie, Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen-Nürnberg

Dr. med. Michael Penz
Medizinischer Dienst der Krankenversicherung in Bayern, München

Professor Dr. Cornel Sieber
Inhaber des Lehrstuhls für Innere Medizin (Geriatrie) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Chefarzt der Medizinischen Klinik 2, Schwerpunkt Geriatrie am Klinikum Nürnberg

Dr. med. Not-Rupprecht Siegel
Ärztlicher Leiter des Geriatriezentrums Neuburg, Neuburg a. d. Donau

Dr. med. Kathrin Tatschner
Fachärztin Innere Medizin, Geriatrische Rehabilitationsklinik Würzburg, Geriatrische Tagesklinik, Würzburg

Dr. Wilfried Wüst
Chefarzt im Zentrum für Akutgeriatrie und Frührehabilitation, Klinikum Neuperlach, München

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