Bayerischer Landtag

Gemeinsame Anhörung des Bildungs- und Hochschulausschusses zum Thema "Lehrerinnen- und Lehrerbildung" am 29.10.09

Freitag, 23. Oktober 2009

Anhörung der Ausschüsse für
Bildung, Jugend und Sport sowie
Hochschule, Forschung und Kultur

Die Ausschüsse führen am

Donnerstag, 29. Oktober 2009
von 9.30 bis 14 Uhr im Konferenzsaal

eine gemeinsame Anhörung zum Thema
„Lehrerinnen- und Lehrerbildung“
durch.

Journalistinnen und Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.


Fragenkatalog

A. Schulartbezogene Lehrerbildung
1. Sind separate Studiengänge für die verschiedenen Lehrämter erforderlich? Welche Gründe sind dafür ausschlaggebend? Welche Lehrämter könnten aufgrund ähnlicher Ausbildungsinhalte bzw. beruflicher Anforderungen im Studium zusammengefasst werden?
2. Würde die Einführung der Sekundarstufenlehrerausbildung im Widerspruch stehen zum Klassenlehrerprinzip an der Hauptschule bzw. zum fachbezogenen Unterricht an Realschule und Gymnasium?
3. Welche Lerninhalte sind für die Lehrerbildung aller Schularten notwendig und schulartübergreifend anzubieten? Ist eine an den Altersstufen der Schülerinnen und Schüler orientierte Lehrerbildung zukunftsweisender als eine an den einzelnen Schularten orientierte?
4. Welche stufen- und schulartspezifischen bildungswissenschaftlichen und fachwissenschaftlichen Kompetenzen sind erforderlich und welche sind bereits Bestandteil der derzeitigen Lehrerbildung? Welche Kompetenzen sind in dem Bereich Erziehen und den Kompetenzbereichen Beurteilen, Beraten und Fördern sowie der Weiterentwicklung von Schule zu erwarten? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Struktur von Lehramtsstudiengängen bzw. für die Länge von Studienzeiten in den Master-Studiengängen?



B. Inhaltliche Schwerpunkte des Studiums und Weiterentwicklung
1. Was muss ein Lehrer können bzw. welches Anforderungsprofil soll an den Lehrerberuf in den unterschiedlichen Schularten wie Grundschule, Förderschule, Haupt- bzw. Mittelschule, Realschule, Gymnasium und berufliche Schulen gestellt werden, um eine begabungsgerechte Förderung der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten?
2. Welche Inhalte sollte das Bachelorstudium vermitteln, welche die Masterstudiengänge? Wie sollte sich das Verhältnis von fachlichen bzw. pädagogi-schen/psychologischen/didaktischen Inhalten gestalten und wie sollte die Gewichtung zwischen Theorie und Praxis sein? Wie und wann können Praxisphasen in das Studium integriert werden?
3. Ist es sinnvoll, die erziehungswissenschaftlichen, didaktischen und fachwissenschaftlichen Ausbildungsinhalte in den verschiedenen Schularten unterschiedlich auszugestalten und zu gewichten?
4. Das Lehramtsstudium baut auf den vier Säulen Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Erziehungswissenschaften und Schulpraxis auf. Sind diese Bereiche bei der bisherigen Lehrerbildung für die entsprechenden Schulen gleichwertig berücksichtigt?
5. Welche Rolle spielt das fachwissenschaftliche Studium für die Lehrämter, in denen später fachbezogen unterrichtet wird? Wie umfangreich muss die fachwissenschaftliche Ausbildung für diese Lehrämter sein?
6. Ist ein Zusammenhang zwischen der fachwissenschaftlichen Kompetenz der Lehrkraft und dem Lernerfolg ihrer Schülerinnen und Schüler herzustellen?
7. Welche Ausbildungsinhalte sind unabdingbar, um in der Berufspraxis positive Beziehungen zwischen Schülerinnen bzw. Schülern und Lehrerinnen bzw. Lehrern und ein sicheres Beziehungsgefüge der Schülerinnen und Schüler untereinander herzustellen?
8. Wie kann eine Didaktik der individuellen Förderung und des Lehrens in heterogenen Lernumwelten (z.B. Unterrichten nach dem Tandem-Prinzip) in der Lehramtsausbil-dung stärker betont werden, um in der Praxis jede einzelne Schülerin bzw. jeden einzelnen Schüler stärker in den Mittelpunkt zu stellen?
9. Erfordern die gesellschaftlichen Veränderungen entsprechende Anpassungen bei der Lehrerbildung, wie beispielsweise:
- Verstärkung der Diagnose- und Förderfähigkeit im Hinblick auf besonderen Förderbedarf (auch Hochbegabung)
- Zusammenarbeit mit den Eltern und externen Partnern
- Gewaltprävention und Konfliktmanagement
- Interkulturelle Kompetenz?
10. Wie können fachübergreifende Inhalte wie Gewaltprävention, interkulturelles Lernen, Demokratieerziehung usw. in die Lehrerausbildung und somit in die Berufspraxis in-tegriert werden ohne diese Aufgabenstellungen zu zusätzlichen Fächern oder Extra-Kompetenzen zu erklären?
11. Welche unabdingbaren Inhalte müssen in die Lehrerausbildung aufgenommen werden, um das Recht auf schulische Inklusion in der Praxis umzusetzen, damit Lehrkräfte ausreichend unterstützt werden und sonderpädagogischer Förderbedarf in Zusammenarbeit mit Fachpersonal geleistet werden kann?
12. An welcher Stelle der Lehrerbildung wäre ein Angebot speziell für Schulmanagement, Schulentwicklung, Schulklima etc. sinnvoll?
13. Sollte die Orientierung an der Berufspraxis bei den Inhalten des Lehramtsstudiums verstärkt werden und wie kann das insbesondere im Bereich der Erziehungswissen-schaften erreicht werden?
14. Wie kann eine Erhöhung der Qualität der fachdidaktischen Ausbildung und einer altersgemäßen Pädagogik erreicht werden, um die Anwärterinnen und Anwärter ge-zielter auf die unterschiedlichen Lernumwelten vorzubereiten?
15. Lehrkräfte haben ein hohes Maß an Belastung - welche Unterstützung sollte eine Lehrkraft von Anfang an und während der Lehrpraxis erhalten?


C. Staatsexamen, Bachelor, Master

1. Inwieweit ist es sinnvoll, die Inhalte der Lehrerausbildung staatlich vorgeben und kontrollieren zu können?
2. Wie können landeseinheitliche Standards bei der Ausbildung zum Lehramt gewährleistet, die Qualität gesichert und die im Hinblick auf die Einstellung in den Staatsdienst notwendige Vergleichbarkeit der Prüfungen bzw. Examina garantiert werden?
3. Ist für eine Lehrtätigkeit an bayerischen Schulen ein Masterabschluss erforderlich und wie ist dies zu begründen?
4. Welche organisatorischen Veränderungen ergeben sich aus der Umstellung auf modulare Strukturen in der Lehrerbildung und den damit einhergehenden qualitativen Veränderungen in Bezug auf hochschulinterne Zentralisierungen wie z.B. Zusammenschlüsse zu einer School of Education?
5. Widersprechen sich das kontinuierliche Leistungspunktesammeln in den Bologna-Studiengängen und die punktuellen, umfassenden Lehramtsprüfungen? Wie könnte dieser Konflikt behoben werden? Sind weiterhin erste und zweite Staatsprüfung erforderlich?
6. Wohin sollte sich im Rahmen der Bologna-Reform die Besoldung für Lehrer in Bayern entwickeln? Sollte es gleiche Einstiegsbezüge für alle Lehrämter geben? Wonach sollte differenziert werden?
7. Sollen die bayerischen Lehrer verbeamtet sein?
8. Wie können im Sinne eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums die Mobilitätsbarrieren für (angehende) Lehrkräfte vermindert werden?
9. Wie kann sichergestellt werden, dass während des Lehramtsstudiums auch weitere Qualifikationen erworben werden können, die berufliche Einsatzfelder auch außerhalb der Schule eröffnen?


D. Organisation der Lehrerbildung
1. Wie sollte die Lehrerbildung an den Hochschulen organisiert werden?
2. Sollten an allen Universitäten mit Lehrerausbildung sog. Zentren für Lehrerbildung und Fachdidaktik errichtet werden?
3. Ist ein Auswahlverfahren für das Lehramtsstudium sinnvoll und notwendig, um die wirklich geeigneten Studierenden zu finden, und wenn ja, nach welchen Kriterien sollte es gestaltet sein?
4. Welchen Beitrag leistet der Vorbereitungsdienst zur Lehrerausbildung?
5. Welche Regelstudienzeiten sind für die einzelnen Lehramts-, Bachelor- und -Masterstudiengänge geeignet und wie sollte sich die Ausbildungszeit bayerischer Lehrer insgesamt entwickeln? Sollte das Referendariat verkürzt werden?
6. Ist eine Lehrerausbildung in drei Phasen (Studium, Referendariat, Berufseinführung) sinnvoll und wenn ja, wie müssen die einzelnen Phasen ausgestaltet und wie können sie besser miteinander verknüpft werden?
7. Sind die Universitäten personell, logistisch und von der inhaltlichen Ausgestaltung her in der Lage, eine dem Vorbereitungsdienst vergleichbare Praxisnähe zu gewähr-leisten?
8. Worin liegen die zentralen Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Phase der Lehrerbildung?
9. Welche Möglichkeiten bieten sich für die Verzahnung von erster und zweiter Phase der Lehrerausbildung an?
10. Wie kann die Möglichkeit zum Wechsel zwischen den Schularten nach dem Studium verbessert werden?
11. Wie kann sichergestellt werden, dass in der zweiten Phase die KMK-Kriterien zur Lehrerbildung erfüllt werden und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse auf Bundes-ebene gegeben ist?
12. Welche Berufsqualifikation haben Bachelor-Absolventen und welche Berufsbilder stehen ihnen offen? Wie lassen sich Studiengänge der Bildung in der frühen Kindheit möglicherweise mit Lehramtsstudiengängen zusammenführen?
13. Welche strukturellen Voraussetzungen - sowohl aus Sicht der Schulverwaltungen wie der Studierenden - müssten geschaffen werden, um eine effektivere Abstim-mung zwischen dem Lehrerarbeitsmarkt und dem Ausbildungssystem zu schaffen? Ist eine freie Auswahl der Fächerkombination für Lehramtsbewerberinnen und Lehr-amtsbewerber sinnvoll?
14. Wie kann es gelingen, den Mangel an männlichen Studierenden im Grundschullehramt bzw. an Lehramtsstudierenden in MINT-Fächern sowie an Studierenden mit Migrationshintergrund zu beheben?
15. Sind die Quer- und Seiteneinsteigerprogramme für Lehrkräfte in Bayern ausreichend?

Expertenverzeichnis
(Stand: 23.10.09)

Prof. Dr. Thomas Eberle, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Hauptschule
Prof. Wolf-Dieter Hasenclever, Präsident des Niedersächsischen Landesamts für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Hildesheim
Prof. Dr. Joachim Kahlert, LMU München, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und –didaktik
Jennifer Klüpfel, Studentin im 9. Semester TU und LMU München, Lehramt für Berufsschulen, Mitglied des Fachschaftenrats
Prof. Dr. phil. Guido Pollak, Universität Passau, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik
Prof. Dr. Manfred Prenzel, TU München, School of Education
Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, Theorie und Didaktik der Geschichte
Prof. Dr. Werner Wiater, Universität Augsburg, Lehrstuhl für Schulpädagogik


Freundliche Grüße
Heidi Wolf, Pressesprecherin

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