Bayerischer Landtag

Landtagspräsidentin Stamm zu Besuch in den Kinderkliniken Vogtareuth

Mittwoch, 28. Oktober 2009
Kinder mit Behinderung brauchen noch viel mehr Unterstützung
Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu Besuch in den Kinderkliniken des Behandlungszentrums Vogtareuth im Landkreis Traunstein

Vogtareuth im Landkreis Traunstein. „Kinder mit einer Behinderung und ihre Eltern brauchen noch viel mehr Unterstützung, um den Alltag bewältigen zu können. Dafür müssen wir in der Gesellschaft nach wie vor Bewusstseinsarbeit leisten und Barrieren in den Köpfen abbauen.“ Diese Überzeugung nahm Landtagspräsidentin Barbara Stamm am Dienstag, 27. Oktober 2009, von einem Besuch in den Kinderkliniken Vogtareuth mit. Dort werden Kinder mit schwersten Fehlbildungen von Wirbelsäule und Gliedmaßen behandelt, außerdem mit neurologischen Erkrankungen bis hin zum Wachkoma. 1 800 waren es im vergangenen Jahr.

Barbara Stamm hat sich schon als bayerische Sozialministerin für die Kinderkliniken in Vogtareuth eingesetzt und dazu beigetragen, dass sich die Einrichtung immer weiter entwickeln konnte. Inzwischen kommen die Patienten aus der ganzen Welt, meistens begleitet von den Eltern. Sie sind die wichtigsten Ansprechpartner für das Team aus Ärzten, Sozialarbeitern, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen.

„Wenn ein Kind schwer krank ist oder verunglückt, steht die ganze Familie vor riesigen Herausforderungen“, berichteten die Chefärzte Dr. Sean Nader von der Kinderorthopädie und Dr. Hans Holthausen von der Neuropädiatrie in einem Gespräch mit der Landtagspräsidentin. Die zehnjährige Sophia Huber, Patientin in Vogtareuth, hatte Barbara Stamm zu einem Besuch eingeladen. „Frau Stamm hat großen Einfluss und ein großes Herz. Wir vertrauen darauf, dass sie uns helfen kann“, sagte das kleine Mädchen, das zusammen mit der neun Jahre alten Hannah Rüdiger die Präsidentin begrüßte.


Die beiden Mütter Bettina Huber und Christina Rüdiger schilderten, wie schwer es oft ist, Hilfsmittel für ein Kind mit einem Handicap finanziert zu bekommen: einen neuen Rollstuhl zum Beispiel oder notwendige Umbauten im Haus oder im Garten. „Ein halbes Jahr mussten wir auf eine Rampe an der Schule warten“, berichtete Bettina Huber. Drei Jahre saß ihre Tochter Sophia im Rollstuhl. Die bittere Erfahrung der Mutter auf dem Weg durch ihre Heimatstadt: „In den drei Jahren hat mich nie jemand gefragt, ob er mir helfen kann. Die gesunden Menschen gehen auf Distanz zu behinderten Menschen.“ Dabei ist es enorm wichtig, dass die kleinen Patienten nach dem Klinikaufenthalt und der Rückkehr in die Regelschule wieder Teil der Gemeinschaft sind, selbstverständlich zu Kindergeburtstagen mit eingeladen werden, erklärten die Teilnehmer an der Gesprächsrunde übereinstimmend.

An den meisten Schulen scheitert die Aufnahme eines Kindes mit Handicap schon an fehlenden Rampen, Liften und Toiletten, beklagte Siegfried Götze, Behindertenbeauftragter des Landkreises Traunstein: „Ich werde auch bei öffentlichen Baumaßnahmen erst gefragt, wenn es schon zu spät ist. Oft berücksichtigen die Architekten keinen Raum für Putzmittel und –lappen. Diese werden dann in der Behindertentoilette gelagert.“ Über entsprechende Vorgaben in den Ausschreibungen könnte der unbefriedigende Zustand verbessert werden.
Sorgen bereitet den Ärzten und Therapeuten auch die mögliche Verkürzung des Zivildienstes. Dann müssten mehr Plätze für das Freiwillige Soziale Jahr geschaffen werden, deutete die Landtagspräsidentin eine Gegenstrategie an. Hier will sie auch als Vorsitzende der Lebenshilfe in Bayern tätig werden. Von der Arbeit, die in Vogtareuth geleistet wird, zeigte sich Barbara Stamm tief beeindruckt. Das gilt sowohl für das medizinische, therapeutische und schulische Angebot. Damit die Kinder möglichst wenig Stoff verpassen, werden sie in einer klinikeigenen Schule unterrichtet. /hw

Bildtexte:

Stamm_013.jpg

Die zehnjährige Sophia Huber und die neun Jahre alte Hannah Rüdiger, zwei Patientinnen in den Kinderkliniken Vogtareuth, begrüßten Landtagspräsidentin Barbara Stamm.
(Bildarchiv Kinderklinik Vogtareuth)

P1000619.JPG
Die Landtagspräsidentin zeigte sich tief beeindruckt von den medizinischen Leistungen in den Kinderkliniken in Vogtareuth. Zu der Einrichtung gehört auch eine eigene Schule. (Bildarchiv Bayerischer Landtag)

Seitenanfang