Bayerischer Landtag

11 Jahre Bürgerkulturpreis des Bayerischen Landtags. Verleihung am 6. Dezember 2010

Donnerstag, 2. Dezember 2010

München. Seit 2000 vergibt das bayerische Parlament den Bürgerkulturpreis. Der Landtag würdigt mit dieser Auszeichnung das bürgerschaftliche Engagement. In diesem Jahr stand der Wettbewerb unter dem Leitthema „Initiativen für eine Kultur des Erinnerns.“

Landtagspräsidentin Barbara Stamm verleiht die Preise
am Montag, 6. Dezember 2010, 13.30 Uhr,
im Senatssaal des Maximilianeums.

Den ersten Preis, der mit 12 000 Euro dotiert ist, erkannte die Jury dem Trägerkreis „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“ in Dachau zu. Den zweiten Platz erhält das Europäische Jugendprojekt Oberpfalz e. V. (EJPO e. V.), mit einem Preisgeld in Höhe von 8 000 Euro. Der dritte Preis, der mit 6 000 Euro dotiert ist, geht an den Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum e. V. in Geretsried.
Erneut werden in diesem Jahr auch zwei Anerkennungspreise mit jeweils 2 000 Euro vergeben. Der Beirat wählte dafür den „Förderkreis Haus Wolfsthalplatz e. V.“ in Aschaffenburg und die „Kulturwerkstatt Bamberg“ aus.

Der Ablauf:
Begrüßung durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm
Festvortrag von Dr. h.c. Max Mannheimer
Vorstellung der Preisträger in kurzen Interviews durch den Moderator Uli Bachmeier, Vorsitzender der bayerischen Landtagspresse – Landtagspressekonferenz Bayern e. V.,
und Verleihung der Bürgerkulturpreise durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm

Im Anschluss an die Veranstaltung besteht die Möglichkeit, sich an Infoständen über die prä-mierten Projekte zu informieren. Außerdem werden weitere ausgewählte Initiativen aus dem Bewerberkreis vorgestellt.

Kurzbeschreibungen der preisgekrönten Projekte:

Trägerkreis „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“, Dachau
In Eigenverantwortung haben 150 ehrenamtliche Mitarbeiter aller Altersgruppen seit 1999 insgesamt 130 Gedächtnisblätter über Häftlinge des KZ Dachau erstellt. Durch die Recherchearbeit über die Biografien der KZ-Insassen bietet sich die Möglichkeit, sich über die Geschichte eines Einzelnen an die Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus anzunähern und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Ergänzt werden die Gedächtnisblätter durch eine Internationale Wanderausstellung, die seit 2008 an 50 Orten in 6 Ländern rund 60 000 Besuchern präsentiert wurde.

Europäisches Jugendprojekt Oberpfalz e.V. (EJPO e.V.), Freihung
Unter dem Motto „Versöhnung, Verständigung, Freundschaft - über Grenzen hinweg“ werden seit 2002 jährlich im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Bezirksverband Oberpfalz, internationale Projektwochen für Jugendliche veranstaltet. Themenschwerpunkte waren bisher z.B. „Erster Weltkrieg“, „Zweiter Weltkrieg“, „Deutschland/Europa geteilt“ oder „Wiedervereinigung“. Durch den Besuch von Kriegsgräber- und Gedenkstätten, in Dokumentationszentren und an Originalschauplätzen können die Teilnehmer „Geschichte zum Anfassen“ erleben.

Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum e.V., Geretsried
Im Frühjahr 1946 kamen die ersten Transporte mit Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland nach Geretsried. Bereits kurz danach begannen sie, ihre Erinnerungen an die alte Heimat zu sammeln und für die Nachwelt festzuhalten. Aus privaten Sammlungen entstand 1970 die erste kleine Ausstellung, die den Grundstock für das Geretsrieder Heimatmuseum bildete, das derzeit im Geretsrieder Rathaus untergebracht ist. Der Förderverein unterstützt die Museums-arbeit und hilft mit viel Eigenleistung beim Umbau eines zukünftigen Museumsgebäudes. Außerdem liegt dem Verein auch die Pflege der Kultur, Sprach-, Mundart- und Brauchtumsvielfalt der Geretsrieder Bevölkerung am Herzen.

Förderkreis Haus Wolfsthalplatz e.V., Aschaffenburg:
Der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz hat in über zehn Jahren mit Unterstützung der Stadt Aschaffenburg und des Bezirkstages Unterfranken eine historische Datenbank entwickelt, um die Geschichte der jüdischen Bevölkerung am Untermain vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zu ihrer Vernichtung zu dokumentieren. Aus gedruckten Handbüchern, Friedhofsdokumentationen und Akten wurde ein umfassendes Bild der jüdischen Bevölkerung und ihrer Entwick-lung anhand der Darstellung der wichtigsten Lebensdaten von jüdischen Menschen und Familien am Untermain ermöglicht.

Kulturwerkstatt Bamberg:
Erika Löbl, eine in Bamberg geborene Jüdin, begann 1937 im Alter von 13 Jahren Tagebuch zu führen. Sie beschreibt darin ihre Jugendjahre in Bamberg, den Kindertransport nach England und die Weiterreise von Glasgow über Buenos Aires nach Ecuador. Von 1934 bis 1938 besuchte sie als Schülerin das Institut der Englischen Fräulein, die jetzige Maria-Ward-Schule in Bamberg. Der Bruder der mittlerweile verstorbenen Erika Löbl stellte der Kulturwerkstatt das Tagebuch zur Verfügung, um Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, sich bei der inhaltlichen Arbeit mit dem Tagebuch mit Nationalsozialismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen. Der Kontakt mit Zeitzeugen und der Austausch von Lebenserfahrung zwischen den Generati-onen ermöglicht es den Jugendlichen, eigene Lebensvorstellungen zu entwickeln. Seit 2007 arbeiten unterschiedliche Schülergruppen mit dem Tagebuch, das nach Abschluss der Recherchearbeiten mit reichhaltigen Hintergrundinformationen als Unterrichtsmaterial veröffentlicht werden soll.

Zu der Preisverleihung sind Medienvertreter herzlich eingeladen. /ms

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