Bayerischer Landtag

Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am 16.6.2010

Montag, 14. Juni 2010

zu
„Perspektiven der hauswirtschaftlichen Berufsbildung in Bayern“
(Vollzug Drs. 16/3467 und 16/3468)

am
Mittwoch, 16. Juni 2010
von 9.15 – 12 Uhr im Senatssaal

Journalistinnen und Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog

I. Bestandsaufnahme
1. Ist das gesamte Spektrum der hauswirtschaftlichen Ausbildung flächendeckend gewährleistet? Wo gibt es Defizite?
2. Sind die Förderungsmaßnahmen für hauswirtschaftliche Bildungsmaßnahmen in allen bayerischen Landkreisen ausreichend?
3. Muss (und wenn ja wie) die vor 10 Jahren gefasste Ausbildungsverordnung an die veränderten Arbeitsmarktanforderungen angepasst werden?
4. Was müssen Staatsregierung und Bayerischer Landtag tun, um die Hauswirtschaft stärker in den Fokus der Entscheidungsträger bei Kommunen und sozialen Anbietern zu rücken?
5. Welche Auswirkungen hatte die Zusammenlegung von ländlicher und städtischer Hauswirtschaft und welche Konsequenzen und Maßnahmen müssen ggf. ergriffen werden?
6. Wie viele Personen haben in den letzten drei Jahren eine Berufsausbildung zum/zur
a) Hauswirtschaftstechnischen HelferIn
b) HauswirtschafterIn
c) staatlich geprüften hauswirtschaftlichen BetriebsleiterIn
in Bayern absolviert (bitte aufschlüsseln nach Geschlecht, Alter, Schulabschluss, nationaler Herkunft, Region)? Wie viele davon sind nach erfolgreichem Abschluss in ein Arbeitsverhältnis getreten oder haben sich selbstständig gemacht?
7. Wie viele Personen haben in den letzten drei Jahren eine Fortbildung zum/zur
1. geprüften FachhauswirtschafterIn
2. Meisterin
abgelegt (bitte aufschlüsseln nach Geschlecht, Alter, Schulabschluss, nationaler Herkunft, Region)? Wie viele davon sind nach erfolgreichem Abschluss in ein Arbeitsverhältnis getreten oder haben sich selbstständig gemacht?

8. In welchen Berufsbereichen sind Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Bereich der Hauswirtschaft in Bayern vorwiegend tätig (bitte nach den o.g. Abschlüssen und Angestelltenverhältnis/Selbständigkeit aufschlüsseln)?
9. Wie viele Jugendliche wurden in subventionierten Betrieben und/oder Einrichtungen der Jugendberufshilfe bzw. der Jugendsozialarbeit zur HelferIn oder zur/zum HauswirtschafterIn ausgebildet? Inwiefern hat sich das Berufsbild für die Integration von sozial benachteiligten Jugendlichen in den Arbeitsmarkt bewährt?
10. Fazit: Wie ist die Entwicklung in den letzten drei Jahren abschließend zu beurteilen? Wo besteht Verbesserungsbedarf? Inwiefern ist eine Neuordnung des Berufsbildes notwendig? Oder handelt es sich bei dem Berufsbild um ein Auslaufmodell?

II. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Hauswirtschaft und damit der Berufsbildung in der Hauswirtschaft
1. Wie kann der Stellenwert der Hauswirtschaft in der Gesellschaft gestärkt werden?
2. Wie ist das Einkommensniveau im Vergleich zu anderen Handwerksberufen?
3. Wie beurteilen Sie die Verdrängung der Hauswirtschafterinnen durch Ungelernte?
4. Welche Beschäftigungsmöglichkeiten für HauswirtschafterInnen sehen Sie in den folgenden Bereichen?
- Betreuung älterer Menschen
- Unterstützung von Risikofamilien
- Ernährungsberatung (besonders im Zusammenhang mit der Zunahme ernährungsbedingter Erkrankungen)?
- Zunehmende Anzahl an Haushalten mit Privatinsolvenz
- Gemeinschaftsverpflegung an Kitas und Schulen
- Hauswirtschaftlicher Unterricht an allen Schularten
- Prävention
Gibt es weitere Bereiche?
5. Sind hauswirtschaftliche Fachkräfte als ExpertInnen in Arbeitskreisen und Fachgremien, die sich mit sozialen, betreuenden und versorgenden Aufgaben beschäftigen ausreichend eingebunden?
6. Wo sehen Sie zukünftige Einsatzmöglichkeiten, zukünftigen Bedarf für die Berufe der Haus-wirtschaft?
7. Welche gesellschaftlichen Folgen sehen Sie durch die fehlenden Qualifikationen im Hauswirtschaftlichen Bereich? Inwieweit können diese Defizite und deren Konsequenzen monetär beziffert werden bzw. sind im sozialen Kontext spürbar?
8. Welche Berufsbereiche könnten durch Hauswirtschaft entlastet werden?
9. Welche Arbeitsbereiche könnten für die Hauswirtschaft neu erschlossen werden?
10. Welche persönlichen und fachlichen Qualifikationen erachten Sie für die einzelnen Bereiche als besonders wünschenswert?
11. Welche gesellschaftlichen Folgen sehen Sie durch die fehlenden Qualifikationen im hauswirtschaftlichen Bereich? Inwieweit können diese Defizite und deren Konsequenzen monetär beziffert werden bzw. sind im sozialen Kontext spürbar?

12. Wie beurteilen Sie die Finanzierungsmöglichkeiten für diese hauswirtschaftlichen Dienstleistungen? Wo besteht Handlungsbedarf?
13. In welchen Bereichen halten Sie ehrenamtliches Engagement für sinnvoll? Wie könnte dies organisiert und gefördert werden?
14. Inwiefern sollte und kann das Berufsbild auch für Jungen attraktiver gestaltet werden? Welche Best-Practise-Beispiele gibt es bundesweit, welche Maßnahmen haben sich bewährt?
15. Gibt es außerdem Bestrebungen, das Berufsbild der HauswirtschafterIn geschlechtsneutraler zu gestalten, in dem man in der Ausbildung auch die Vermittlung bspw. handwerklicher und/oder technischer Fähigkeiten miteinbezieht?
16. Inwiefern ist eine Öffnung zu neuen Berufsbereichen in der Praxis wie z.B. Ganztagesbetreu-ung für Kinder, Betreuung von Alten etc. möglich? Inwiefern bieten sich damit realistische Zukunftsperspektiven und neue Berufsfelder für die hauswirtschaftliche Berufsbildung? Welche Qualifikationen wären hierzu notwendig, welche Konsequenzen hätte das für die Neugestaltung des Berufsbildes?
17. Gibt es Bestrebungen, dass professionelle Berufsbild der HauswirtschafterIn, das häufig als „Alltagsqualifikation“ verkannt wird, in seinen vielfältigen Anforderungen mehr in das Bewusst-sein der Öffentlichkeit zu rücken sowie auf das breite Spektrum zeitgemäßer beruflicher Einsatzmöglichkeiten hinzuweisen? Wenn ja, in Form welcher Maßnahmen?
18. Welche Bestrebungen gibt es, Qualifikationen von Migrantinnen anzuerkennen bzw. diese mit der Anerkennung von Qualifikationen bei SpätaussiedlerInnen gleichzusetzen? Gibt es Möglichkeiten der Nachqualifikation?
19. Die Initiative der Bundesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft in der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) e.V. „Hauswirtschaft bringt IN FORM“ ruft zur aktiven Beteiligung am Aktionsplan in den beteiligten Mitgliedsverbänden auf.
a) Welche Aktionen und Projekte dieser Initiative sind in Bayern geplant?
b) Wo und wie sollen die gesetzten Ziele verwirklicht werden bzw. gibt es Schwerpunkte hinsichtlich Altersgruppen, Einrichtungen, Geschlecht, sozialem Hintergrund und Region?
c) Wer ist ggf. an der Umsetzung beteiligt und wie teilen sich Land und Kommunen Finanzierung und Durchführung?
d) In einigen Städten gibt es bereits konkrete Maßnahmen (z.B. das Projekt „Bewegte Unternehmen“ des Deutschen Hausfrauenbunds Ortsverband Erlangen e.V. mit der Siemens-Betriebskrankenkasse in Erlangen). Wie wird dieses Angebot angenommen?
e) Ist eine Evaluation des Aktionsplanes geplant? Falls ja, nach welchen Kriterien soll evaluiert werden?

III. Gesundheit und Verbraucherschutz
1. Die Haushalte in Bayern geben im globalen Vergleich prozentual gesehen sehr wenig Geld für Nahrungsmittel aus. Gibt es Bestrebungen, dieser Entwicklung im Bewusstsein der Bürger entgegenzuwirken und wenn ja, in Form welcher Maßnahmen?

2. Wie wird gesunde Ernährung durch HauswirtschafterInnen konkret in den Bereichen Bildung, Erziehung und Betreuung vermittelt, welche Tools gibt es? Wo besteht Bedarf zur Weiterentwicklung und Qualitätssicherung?
3. Welchen Stellenwert nehmen die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität beim Lehren und Lernen ein?
4. Welche Rolle spielt das Thema Gentechnik, insbesondere die Verwendung gentechnisch veränderter Direktprodukte und/oder Inhaltsstoffe, für den Beruf der HauswirtschafterInnen? Inwiefern wird Gentechnik in der Ausbildung und später im Beruf thematisiert?
5. Immer mehr Menschen leiden an Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten. Wie stellt sich das Berufsbild der HauswirtschafterIn darauf ein?
6. Besteht Zusammenarbeit und/oder Vernetzung mit:
a) Landwirtschaftlichen Betrieben
b) Jugendbildungsstätten
c) Jugendämtern
d) Senioren-, Alten- und Pflegeheimen
e) Unternehmen bzw. Unternehmenskantinen/-gaststätten?

7. Wie ist die Entwicklung zu beurteilen, dass sich die Einsatzmöglichkeiten für HauswirtschafterInnen zunehmend mit anderen Berufszweigen überschneiden, bspw. mit denen von Ernährungswissenschaftlern und – beratern? Wie handhabt man auf beiden Seiten das Eindringen in den Kompetenzbereich des anderen? Gibt es Kooperationsbemühungen oder aber bestehen Überlegungen, eines der beiden Berufsmodelle in das andere zu integrieren?
8. Inwiefern wird das Thema Verbraucherschutz im Berufsbild eingebunden? Gibt es dies-bezüglich bereits Module und/oder Projekte z.B. mit der Verbraucherzentrale Bayern?
9. In welchem Maße wird das Angebot für sog.„Haushaltsführerschein“-Kurse angenommen (bitte aufschlüsseln nach Alter, Geschlecht, Region, Motivationsgrund)?

IV. Berufsausbildung HauswirtschafterIn
1 Welche Anforderungen des Arbeitsmarktes, Trends für Hauswirtschafter/innen sind erkennbar und wie wird darauf reagiert?
2 Welche Möglichkeiten gibt es zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze zu schaffen?
3. Wie hoch ist die Vermittlungsquote in den Helferberuf Hauswirtschaft und wie können die Vermittlungschancen in diesem Bereich gesteigert werden? Welche Einsatzbereiche gibt es?
4. Welche Defizite gibt es bei der Finanzierung der einzelnen Ausbildungsgänge?
5. Ist die Information über hauwirtschaftliche Berufe bei den Berufsinformationen für SchulabgängerInnen ausreichend?
6. Sind die Möglichkeiten der hauswirtschaftlichen Ausbildung und der damit verbundenen beruflichen Perspektiven bei den Arbeitsagenturen bereits ausreichend bekannt oder was muss für eine bessere Kooperation mit den Ausbildungsstätten getan werden?
7. Sind die Ausbildungsinhalte unter Berücksichtigung des Einsatzes von HauswirtschafterInnen z.B. bei der Betreuung älterer Menschen und von Familien in Problemlagen in allen Bereichen noch zeitgemäß oder muss und wenn ja wo und wie nachgebessert werden?

8. Welche Trends sind in der Behindertenausbildung erkennbar und wie wird darauf reagiert?
9. Was kann getan werden, um die Akzeptanz von Behinderten und deren Beschäftigungsmöglichkeit zu verbessern?
10. Ist die Einrichtung eines Lehrstuhls für Hauswirtschaft sinnvoll?

V. Fort- und Weiterbildung in der Hauswirtschaft
1. Welche Fortbildungsberufe gibt es in der Hauswirtschaft und wie sind diese am Arbeitsmarkt etabliert?
2. Welche Anforderungen am Arbeitsmarkt, welche Trends sind erkennbar?
3. Welche Unterstützung ist notwendig?
4. Sind die Umschulungsbemühen der Staatsregierung in den Zweitberuf Hauswirtschaft ausreichend? Was muss ggf. getan werden?
Werden die Umschulungen flächendeckend angeboten?

Expertenverzeichnis

Klaus Beier
Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, Mitglied der Geschäftsführung, Nürnberg
Anton Bönig
Kreisjugendamt Landsberg
Leiter des Amtes für Jugend und Familie

Doris Brotzki
Sozialteam-Management und Holding GmbH, Lappersdorf
StDin Angelika Dominik-Bozic
Berufsfachschule für Hauswirtschaft
Fachakademie für Hauswirtschaft, München

PD Dr. Monika Kritzmöller
Universität St. Gallen, Aitrang
Susanne Lang
MEKRA Lang GmbH & Co. KG, Geschäftsführerin, Ergersheim

Renate Lenz
Pflegedienstleitung Sozialwerk Stephanskirchen, Prutting (Lkr. Rosenheim)
Waltraud Lucic
Vizepräsidentin des BLLV, München

Gisela Mettin
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Arbeitsbereich unternehmens- und personenbezogene Dienstleistungsberufe
wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bonn
Angelika Paulus
DHB-Netzwerk Haushalt, Landesverband Bayern e. V., Vorsitzende, Erlangen

Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky
Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik
Professur für Haushalts- und Konsumökonomik, Bonn
Prof. Dr. Maria S. Rerrich
Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften, München
Hanka Schmitt-Luginger
Landesausschuss für Hauswirtschaft e. V., 1. Vorsitzende, Augsburg

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