Bayerischer Landtag

Anhörung des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur am 20.10.2010

Montag, 18. Oktober 2010

Anhörung des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur

zum Thema
Museumsareal München

am
Mittwoch, 20. Oktober 2010
von 9.30 bis 12.30 Uhr
in der Pinakothek der Moderne, Ernst-von-Siemens-Auditorium

Journalistinnen und Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog

I. Ausgangslage:
Die drei Pinakotheken - das im letzten Jahr eröffnete Museum Brandhorst, die Glyptothek mit den Antikensammlungen sowie das Lenbachhaus - bilden bereits heute ein herausragendes Kulturensemble. Demnächst wird es um das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst sowie die Hochschule für Fernsehen und Film erweitert werden. In den nächsten Jahren wird das Museumsareal abgerundet werden durch die Verwirklichung des 2. Bauabschnitts der Pinakothek der Moderne und die Errichtung eines NS-Dokumentationszentrums in unmittelbarer Nähe des Königsplatzes.

Kulturpolitisches Ziel ist es, die sich in den letzten Jahren durch die Verlagerung von Hochschuleinrichtungen (Fakultät für Maschinenwesen der TUM nach Garching und des Genzentrums der LMU nach Großhadern) freigewordenen Flächen für die Schaffung einer „Museums- und Kunstmeile“ zu nutzen. Die Anhörung soll Optimierungspotenziale insbesondere in den Bereichen kulturelle Zusammenarbeit, Gestaltung des städtebaulichen Umfelds sowie der Verkehrserschließung aufzeigen:

II. Kulturelle Aspekte:
1. Welches kulturelle Profil haben die betreffenden Einrichtungen heute und wie kann es in der Zukunft fortentwickelt werden?
Mit welchen Mitteln kann ein eigenständiges Profil des Museumsareals insgesamt geschaffen werden, ohne dass das kulturelle Profil und die Alleinstellungsmerkmale (insbesondere die unterschiedlichen Kulturepochen) der einzelnen Einrichtungen entscheidend relativiert werden?
Wo bestehen Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede zur „Berliner Museumsinsel“?

2. Wie kann durch das Museumsareal die kulturelle und touristische Attraktivität der Landeshauptstadt München sowie des Freistaats Bayern insgesamt mit seinen staatlichen und nichtstaatlichen Museen gesteigert werden?

3. Welche Möglichkeiten gibt es, die Einrichtungen des Museumsareals untereinander in Zukunft noch besser zu vernetzen?
Dabei ist auch auf folgende Fragen einzugehen:
Gibt es ein Konzept für gemeinsame Tickets, Öffnungszeiten und Beschilderung?
Lässt sich durch einen gemeinsamen Zugangspavillon/Ticketingshop sowie die Einrichtung weiterer gemeinsamer Flächen für Wechselausstellungen die Vermarktungssituation für die drei Pinakotheken verbessern?
Ist eine gemeinsame Eintrittskarte für alle Museen des Areals sinnvoll und durchführbar?
Sollten die jeweiligen Öffnungszeiten angeglichen werden?

4. Welche Möglichkeiten gibt es, die Einrichtungen des Museumsareals mit externen Einrichtungen (insbesondere mit den umliegenden Galerien, Hochschulen und Kulturinstitutionen) in Zukunft noch besser zu vernetzen?

5. Welche Formen des Austausches bzw. der Zusammenarbeit sind zwischen den staatlichen Pinakotheken und den städtischen Häusern, wie z.B. Villa Stuck und der Galerie im Lenbachhaus, geplant?

6. Welche Überlegungen für eine gemeinsame Vermarktungs- und Vernetzungsstrategie der beteiligten staatlichen und nichtstaatlichen Museen gibt es bei Stadt und Freistaat?

7. Wie ist das neue NS-Dokumentationszentrum in das Gesamtkonzept eingebunden?

8. Welchen Stellenwert haben bei den Überlegungen die zahlreichen privaten Galerien als Präsentationsraum für aktuelle Kunst im Umfeld des Museumsareals?

9. Welche Möglichkeiten eröffnen sich im Rahmen eines Museumsareals für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst?

10. Wie wird die aktuelle junge Kunst vor Ort neben den Museen zur Geltung gebracht?

11. Welche Möglichkeiten nationaler und internationaler Vernetzung sind denkbar?

12. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Einrichtungen des Kunstareals im Sinne eines international relevanten Museumsquartiers besser zu positionieren – etwa durch internationale Kooperationen?

13. Welche Möglichkeiten erschließen sich für das Museumsareal in den Bereichen Marketing und (neue) Medien?

14. Wie würde sich die Vollendung des 2. Bauabschnitts der Pinakothek der Moderne in das Museumsareal einfügen?

15. Gibt es einen Zeit- und Kostenplan für die Realisierung des zweiten Bauabschnitts der Pi-nakothek der Moderne?

16. Welche Überlegungen gibt es für die Errichtung eines Neubaus für die „Staatliche Graphi-sche Sammlung“ als zweiter Teil der Gesamtbaumaßnahme „Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Türkenkaserne“, nachdem das Museum für die Sammlung Brandhorst im letzten Jahr eröffnet werden konnte?

III. Verkehrserschließung/-neuordnung und städtebauliche Aspekte:
1. Wie sieht das Verkehrskonzept aus?

2. Wie kann die offensichtlich stark trennende Wirkung der Gabelsberger- und Barerstraße abgemildert und der Bereich Altstadtring/Gabelsberger-straße aufgewertet und die Innenstadt besser mit der Maxvorstadt verbunden werden?
Ist im Bereich des Museumsareals eine Fußgängerzone planerisch darstellbar?

3. Inwieweit ist eine Verkehrsberuhigung der stark trennenden Barerstraße (ggf. Untertunne-lung/Umlenkung der Trambahn) erforderlich, um die Einrichtungen des Museumsareals städtebaulich mehr miteinander zu verbinden?

4. Welche Planungen gibt es bezüglich der Freiflächengestaltung bzw. der Gestaltung der öffentlichen Räume am Areal?

5. Welche Alternativlösung gibt es zu der aufwändigen Verkehrsberuhigung? (z.B. Fußgängerbrücke, Fußgängerzone, Ampel, Fußgängertunnel zwischen Pinakothek der Moderne und Alter Pinakothek, der zugleich für Wechselausstellungen genutzt werden könnte)?

6. Gibt es konkrete Überlegungen zur Schaffung eines „Stadtviertel-Konzepts“, in dessen Rahmen übergeordnete Vernetzungen, fehlende und verbesserungswürdige Wegebezeichnungen und insgesamt die Verflechtung der Museumsbauten untereinander und mit ihrer Umgebung geklärt werden?

7. Ist beim geplanten Umbau des Zugangstunnels zum Altstadtring nicht dringend geboten, die künftige Entwicklung des Museumsareals zu berücksichtigen?

8. Wie lässt sich die städtebauliche Anbindung des Museumsareals zur Innenstadt insgesamt verbessern?

9. Wie kann sicher gestellt werden, dass es auch in Zukunft bezahlbare Räume für Galerien und Ateliers in der Maxvorstadt geben wird?

10. Wie kann ein spezielles Wegeleitsystem sowie ein Informations- und Kennzeichnungssystem die einzelnen Museen und Einrichtungen besser vernetzen?

11. Welche landschaftspflegerischen und gestaltenden Maßnahmen sind denkbar, um die Mu-seen und Einrichtungen kenntlich zu machen und besser zu verbinden?

12. Welche Möglichkeiten gibt es, das Museumsareal insoweit optimiert an sein urbanes Umfeld anzubinden, dass es von den Menschen verstärkt als lebendiger Treffpunkt der Stadtgesellschaft angenommen wird?

IV. Kooperation zwischen Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt München
Bei der Verwirklichung des Museumsareals kommt einer engen inhaltlichen Abstimmung und Zu-sammenarbeit zwischen Staat und Stadt eine Schlüsselfunktion zu. Im August 2009 wurde eine gemeinsame Projektgruppe eingesetzt mit dem Ziel, noch in 2010 Arbeitsergebnisse zu präsentieren.
Welche sind zu erwarten?

1. Gibt es Schätzungen, welche Kosten auf Stadt und Freistaat bei einer Realisierung des Münchner Museumsareals mittelfristig zukommen würden?

2. Welcher Zeithorizont wird aus Sicht von Stadt und Freistaat als realistisch angesehen?

3. Sind positive Effekte für die Olympiabewerbung von München und Garmisch-Partenkirchen, über die im nächsten Jahr entschieden werden wird, denkbar?

Expertenverzeichnis

(Stand: 15. 10. 2010)

Ksenija Protic, Münchner Forum,
Ulrike Bührlen, Kulturveranstalterin, München
Dr. Oskar Holl, Vorsitzender des Bezirksausschusses 3 Maxvorstadt, München
Dr. Iris Lauterbach, Forschungsreferentin, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
Prof. Dr. Dipl.-Ing. (FH) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin, Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Dr. Markus Michalke, Vorsitzender des Stiftungsrats, Stiftung Pinakothek der Moderne, München
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayer. Staatsgemäldesammlungen, München
Prof. Dipl.-Ing. Sophie Wolfrum, TU München, Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung

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