Bayerischer Landtag

Bürgerkulturpreis des Bayerischen Landtags: Preisträger 2010 stehen fest

Freitag, 22. Oktober 2010

Der Wettbewerb um den Bürgerkulturpreis 2010 des Bayerischen Landtags ist entschieden. Den ersten Preis, der mit 12.000 Euro dotiert ist, sprach die Jury dem Trägerkreis „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“ in Dachau zu. Den zweiten Preis (8000 Euro) erhält das Europäische Jugendprojekt Oberpfalz e. V. (EJPO e. V.) in Freihung. Mit dem dritten Preis (6000 Euro) wird der Geretsrieder Förderverein Heimatmuseum e. V. in Geretsried ausgezeichnet.

Der Beirat vergibt außerdem zwei Anerkennungspreise, die mit jeweils 2000 Euro dotiert sind. Den Anerkennungspreis für innovative Dokumentation bekommt der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz e. V. in Aschaffenburg für die Historische Datenbank „Juden in Unterfranken“. Mit dem Anerkennungspreis für generationenübergreifende Zusammenarbeit wird die Kulturwerkstatt Bamberg für das Projekt belohnt: „Wenn Gedanken Worte werden – Erika Löbls Tagebuch.“

Den Bürgerkulturpreis verleiht der Bayerische Landtag jedes Jahr am Tag des Ehrenamts für beispielhaftes bürgerliches Engagement. Der Festakt findet heuer am Montag, 6. Dezember 2010, um 13.30 Uhr im Senatssaal des Maximilianeums statt. Der Wettbewerb stand heuer unter dem Leitthema „Initiativen für eine Kultur des Erinnerns“. /hw


Kurzbeschreibungen der preisgekrönten Projekte:

Trägerkreis „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“, Dachau
In Eigenverantwortung haben 150 ehrenamtliche Mitarbeiter aller Altersgruppen seit 1999 insgesamt 130 Gedächtnisblätter über Häftlinge des KZ Dachau erstellt. Durch die Recherchearbeit über die Biografien der KZ-Insassen bietet sich die Möglichkeit, sich über die Geschichte eines Einzelnen an die Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus anzunähern und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Ergänzt werden die Gedächtnisblätter durch eine Internationale Wanderausstellung, die seit 2008 an 50 Orten in 6 Ländern rund 60.000 Besuchern präsentiert wurde.

Europäisches Jugendprojekt Oberpfalz e.V. (EJPO e.V.), Freihung
Unter dem Motto „Versöhnung, Verständigung, Freundschaft - über Grenzen hinweg“ werden seit 2002 jährlich im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Bezirksverband Oberpfalz, internationale Projektwochen für Jugendliche veranstaltet. Diese stehen jeweils unter Themenschwerpunkten wie z.B. Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Deutschland/Europa geteilt, Wiedervereinigung. Durch den Besuch von Kriegsgräber- und Gedenkstätten, in Dokumentationszentren und an Originalschauplätzen können die Teilnehmer „Geschichte zum Anfassen“ erleben.

Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum e.V., Geretsried
Im Frühjahr 1946 kamen die ersten Transporte mit Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland nach Geretsried. Bereits kurz danach begannen sie, ihre Erinnerungen an die alte Heimat zu sammeln und für die Nachwelt festzuhalten. Aus privaten Sammlungen entstand 1970 die erste kleine Ausstellung, die den Grundstock für das Geretsrieder Heimatmuseum bildete, das derzeit im Geretsrieder Rathaus untergebracht ist. Der Förderverein unterstützt die Museumsarbeit und hilft mit viel Eigenleistung beim Umbau eines zukünftigen Museumsgebäudes. Außerdem liegt dem Verein auch die Pflege der Kultur, Sprach-, Mundart- und Brauchtumsvielfalt der Geretsrieder Bevölkerung am Herzen.

Förderkreis Haus Wolfsthalplatz e.V., Aschaffenburg:
Der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz hat in über zehn Jahren mit Unterstützung der Stadt Aschaffenburg und des Bezirkstages Unterfranken eine historische Datenbank entwickelt, um die Geschichte der jüdischen Bevölkerung am Untermain vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zu ihrer Vernichtung zu dokumentieren. Aus gedruckten Handbüchern, Friedhofsdokumentationen und Akten wurde ein umfassendes Bild der jüdischen Bevölkerung und ihre Entwicklung anhand der Darstellung der wichtigsten Lebensdaten von jüdischen Menschen und Familien am Untermain ermöglicht.

Kulturwerkstatt Bamberg:
Erika Löbl, eine in Bamberg geborene Jüdin, begann 1937 im Alter von 13 Jahren Tagebuch zu führen. Sie beschreibt darin ihre Jugendjahre in Bamberg, den Kindertransport nach England und die Weiterreise von Glasgow über Buenos Aires nach Ecuador. Von 1934 bis 1938 besuchte sie als Schülerin das Institut der Englischen Fräulein, die jetzige Maria-Ward-Schule in Bamberg. Der Bruder der mittlerweile verstorbenen Erika Löbl stellte der Kulturwerkstatt das Tagebuch zur Verfügung, um Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, sich bei der inhaltlichen Arbeit mit dem Tagebuch mit Nationalsozialismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen. Der Kontakt mit Zeitzeugen und der Austausch von Lebenserfahrung zwischen den Generationen ermöglicht es den Jugendlichen, eigene Lebensvorstellungen zu entwickeln. Seit 2007 arbeiten unterschiedliche Schülergruppen mit dem Tagebuch, das nach Abschluss der Recherchearbeiten mit reichhaltigen Hintergrundinformationen als Unterrichtsmaterial veröffentlicht werden soll.

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