Bayerischer Landtag

Landtagspräsidium besucht Niederbayern...

Freitag, 23. April 2010

Glaskrise, Bädertourimus und Mehrgenerationenhaus als Themen

München. Das Präsidium des Bayerischen Landtags reist durch Niederbayern. Am Montag, 3. Mai 2010, informiert sich das Gremium über die Glaskrise im Bayerischen Wald und mögliche Zukunftschancen, den Gesundheitstourismus im Dreieck Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach sowie über das Mehrgenerationenhaus in Arnstorf im Landkreis Rottal-Inn. „Wir wollen uns selbst ein Bild von der Situation in den einzelnen Regionen machen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Die Bürger und Bürgerinnen sollen spüren, dass wir ihre Sorgen und Anliegen ernst nehmen“, beschreibt Landtagspräsidentin Barbara Stamm den Sinn dieser Reise. Es ist der zweite Regionalbesuch in dieser Legislaturperiode. Das erste Ziel im Herbst 2009 war Oberfranken. Bis 2013 kommen alle Regierungsbezirke in Bayern an die Reihe, hat sich das Präsidium vorgenommen.

Fast 500 Kilometer legt das Gremium am 3. Mai 2010 zurück. Das Besuchsprogramm beginnt mit einer großen Gesprächsrunde um 10 Uhr im Glasmuseum Frauenau, das einen einzigartigen Überblick über die Geschichte der Glasherstellung und die Arbeit mit diesem faszinierenden Rohstoff bietet. Die Gemeinde Frauenau als Trägerin dieser Einrichtung hat allerdings große finanzielle Probleme mit dem Betrieb des Museums. Der Bayerische Landtag hat im Juni 2008 die schwierige Situation im Plenum behandelt und verschiedene Hilfen auf den Weg gebracht. Das Präsidium möchte jetzt wissen, ob und wie diese umgesetzt wurden. Ein großes Thema sind die verloren gegangenen Arbeitsplätze in der Glasindustrie des Bayerischen Waldes. Billigimporte aus aller Welt ersetzen die Qualitätsprodukte aus der Region. Das neueste Beispiel ist Riedlhütte, eine Nachbargemeinde von Frauenau: Ende 2009 ließ der österreichische Unternehmer Georg Riedel die Glasfabrik schließen, die er fünf Jahre vorher erworben hatte. Eine 550-jährige Tradition ging damit zu Ende. Wieder verloren 180 Menschen ihre Arbeit. Sie werden bis Ende 2010 in einer Transfergesell-schaft auf die Zukunft vorbereitet – die wenigsten allerdings wissen, wie diese Zukunft aussieht. Das Präsidium des Bayerischen Landtags will erfahren, welche Perspektiven es gibt und welchen Beitrag es dazu leisten kann. Gesprächspartner sind neben den Abge-ordneten aus der Region Kommunalpolitiker, Künstler und betroffene Glasmacher.

Eine Perspektive könnte in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik und Oberösterreich liegen. Kaspar Sammer, der Geschäftsführer der Euregio Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn stellt die Pläne für eine Europaregion Donau-Moldau vor. Toni Fischer aus Zwiesel präsentiert ein erfolgreiches Projekt gegen Jugendarbeitslosigkeit, das im Bayerischen Wald entwickelt wurde und inzwischen auch in München läuft. Es heißt „Joblinge“ und gibt jungen Menschen mit einem schlechten Abschlusszeugnis oder ohne Schulabschluss eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Die zweite Station auf der Reise durch Niederbayern ist Bad Füssing im Landkreis Passau. In einem Fünf-Sterne-Hotel, das sich aus einer ehemaligen Baubaracke entwickelt hat, schildern Unternehmer, Touristiker und Kommunalpolitiker die Anstrengungen der niederbayerischen Kurorte, auf dem Gesundheitsmarkt zu bestehen. Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach haben über 50 Millionen Euro in die Modernisierung und die Sanierung zum Beispiel der Therme oder der Kurmittelhäuser gesteckt, um für gesundheitsbewusste Gäste attraktiv zu bleiben oder zu werden. 107 gewerbliche Projekte mit einem Volumen von über 75 Millionen Euro kamen dazu. Das Ergebnis: 127 neue Ar-beitsplätze wurden geschaffen, die 1 279 bestehenden Arbeitsplätze gesichert.

Eine weitere Station auf der Reise ist das Mehrgenerationenhaus Arnstorf im Landkreis Rottal-Inn. Es besteht aus einem Wohnstift für ältere Menschen und einer Kinderkrippe; außerdem sind der Einrichtung ein ambulanter Pflegedienst und eine Berufsfachschule angegliedert. In dem Wohnstift ist Platz für 250 Bewohner. Sie haben die Wahl zwischen betreutem Wohnen in den eigenen vier Wänden, Kurzzeitpflege und Nachsorge, Wohngemeinschaften für Senioren, Wohnpflege und Tagespflege. Darüber hinaus gibt es verschiedene Arztpraxen und andere Angebote wie zum Beispiel eine Bank mit vielfältigen Angeboten und Leistungen. In der Kinderkrippe „Schatzkiste“ können 25 Kinder im Alter von acht Wochen bis zum Eintritt in den Kindergarten betreut werden, um berufstätige Eltern, vor allem Mütter, zu entlasten. Das Mehrgenerationenhaus, das angesichts der demographischen Entwicklung durchaus ein Modell für die Zukunft sein könnte, ist ein soziales Projekt der Hans-Lindner-Stiftung. Ihr Gründer Hans Lindner steht als Gesprächspartner zur Verfügung, ebenso Bewohner des Mehrgenerationenhauses.

Die Reise durch Niederbayern endet am Abend mit einem Empfang im Lokschuppen in Simbach am Inn. In einer alten Ausbesserungshalle der Bahn sind außergewöhnliche Hallen für kulturelle Ereignisse entstanden. Landtagspräsidentin Barbara Stamm und die Mitglieder des Präsidiums freuen sich auf 550 Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen des Regierungsbezirks Niederbayern, auf informative Gespräche und viele Anregungen für die Arbeit im Landtag.

Medienvertreter sind zur Teilnahme an der Reise oder an einzelnen Programmpunkten herzlich eingeladen. /hw

Das Programm im Überblick:

Montag, 3. Mai 2010

10 Uhr Besuch des Glasmuseums Frauenau
Gesprächsrunde „Probleme und Zukunftsperspektiven Bayer. Wald“
(Am Museumspark 1, 94258 Frauenau)

11.30 Uhr Fahrt nach Bad Füssing

13.30 Uhr Tourismuspolitisches Gespräch im Hotel Holzapfel
(Thermalbadstr. 5, 94072 Bad Füssing)

15.30 Uhr Fahrt nach Arnstorf

16.30 Uhr Gespräche und Besichtigung im Mehrgenerationenhaus Arnstorf
(Hans-Lindner Stiftung, Schnönauer Str. 19, 94424 Arnstorf)

18 Uhr Fahrt nach Simbach am Inn

19.30 Uhr Abendempfang im „Lokschuppen“
(Adolf-Kolping-Str. 19, 84359 Simbach am Inn)

Ende der Veranstaltung

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