Bayerischer Landtag

Anhörung der Kommission zur parlamentarischen Begleitung der Energiewende in Bayern am 18.10.2012

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Anhörung der Kommission zur parlamentarischen Begleitung
der Energiewende in Bayern

zum Thema „Wärme und Gebäudesanierung“

am Donnerstag, 18. Oktober 2012,
13.30 bis 17 Uhr im Saal 2

Journalistinnen und Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog

1. Aktueller Stand

1. Wie hoch ist der Anteil von Altbau-Wohngebäuden mit erneuerten Heizanlagen am Gesamtbestand der Altbau-Wohngebäude
a) in Deutschland?
b) in Bayern?
2. Wie hoch ist der Anteil der Wohngebäude, die Brennwerttechnik nutzen, am Gesamtbestand der Wohngebäude
a) in Deutschland?
b) in Bayern?
3. Welche Wirtschaftsbranchen sind die größten Wärmeverbraucher und welches Einsparpotenzial besteht dort
a) in Deutschland?
b) in Bayern?
4. a) Welche Flächen (Fenster, Fassade, Dach/oberste Geschossdecke, Keller/Kellerdecke) sind in Bayern insgesamt energetisch zu sanieren?
b) Welcher Materialbedarf resultiert hieraus?
c) Welche Kosten sind damit verbunden?
d) Wie hoch sind die durchschnitlichen jährlichen Energiekosten für die Raumwärmebereitstellung?
e) Welche Struktur (Anzahl, Art, Alter) weist der bayerische Heizanlagenbestand auf?

2. Potenziale

1. Welche wirtschaftlichen Einsparpotenziale im Raumwärmebereich bestehen in den Verbrauchssektoren Haushalte, GHD (Gewerbe, Handel, Dienstleistungen) und Industrie in Bayern unter Berücksichtigung der EnEV-Mindestanforderungen? Welchem Anteil am Raumwärmebedarf entspricht dies?
2. Welche wirtschaftlichen Einsparpotenziale im Raumwärmebereich bestünden in den Verbrauchssektoren Haushalte, GHD und Industrie in Bayern über den regulatorischen Rahmen der EnEV hinaus? Welchem Anteil am Raumwärmebedarf entspräche dies?
3. In welchem zeitlichen Rahmen können die Potenziale aus Frage 1 bei realistischer Betrachtung erschlossen werden (Verfügbarkeit von Material und Arbeitskraft)?
4. Wie hoch ist die Anzahl der Heizungsanlagen in Bayern, die aus Energieeffizienzgründen ausgetauscht/modernisiert werden sollten (theoretisches Potenzial) und können (technisches Potenzial)? Bei wievielen von diesen ist die Maßnahme wirtschaftlich?
5. Was sind die Ursachen dafür, dass die bisherigen Potenziale zur Energieeinsparung im Gebäudebereich nicht genutzt wurden?
6. Welchen Einfluss haben höhere Energiepreise auf die Mobilisierung des Energieeinsparpotenzials?
7. In welchen Fällen ist die Sanierung auf den Passivhausstandard sinnvoll?

3. Gebäudesanierung

1. Ist es bei den derzeitigen Marktbedingungen grundsätzlich möglich, über die in der Energieeinsparverordnung vorgeschriebenen Anforderungen hinaus eine energetische Gebäudesanierung kaltmietenneutral durchzuführen und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
2. Inwieweit reduziert sich der Heizenergieverbrauch von Wohngebäuden in kWh/m2 pro Jahr bei der Durchführung nachfolgender Modernisierungsmaßnahmen und wie hoch sind deren jeweilige CO2-Vermeidungskosten:
a) Dämmung (Fassade, Dach, oberste Geschossdecke, Kellerdecke)?
b) Kesseltausch (Brennwertkessel, Niedertemperaturkessel)?
c) Erneuerung der Fenster?
d) Hydraulischer Abgleich?
e) Einbau einer Solarthermieanlage?
3. Welche Innovationen gibt es im Bereich der Dämmstoffe (z.B. hoher Isolationsfaktor bei geringer Materialdicke)?
4. Wo wären die größten Potentiale im Sanierungsbereich, die schnell umsetzbar sind, und welche Voraussetzungen müssten dafür geschaffen werden?
5. Gibt es Langzeituntersuchungen über Gebäudeschäden durch nicht atmungsaktive Dämmstoffe? Wie sind hier das Brandverhalten und die Gefährdung durch entstehende Dämpfe?

4. Wärme

1. Wie hoch ist die Austauschrate bei Heizungsanlagen angesichts der Tatsache, dass gerade einmal 12-13% der Heizungsanlagen auf dem Stand der Technik sind?
2. Wärmepumpen:
a) Wie ist das Schutzgut „Grundwasser“ durch die energetische Nutzung der Wärme im Boden geschützt (Wärmepumpe)?
b) Gibt es Intentionen, Wärmepumpen zum Lastmanagement in „intelligenten“ Stromnetzen (Smart Grid) einzubeziehen und wenn ja, welche Erkenntnisse wurden bisher gewonnen?
3. Wie kann der Einsatz von EE bei der Wärmeversorgung im Gebäudebestand erhöht wer-den?

5. Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz und EnEV

1. Wie beurteilen Sie das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in seiner derzeit gültigen Fassung?
2. Wie beurteilen Sie das Erneuerbare-Wärme-Gesetz in Baden-Württemberg, das auch für den Gebäudebestand gilt? Gibt es vergleichbare Regelungen in anderen Bundesländern?
3. Sollten EnEV und EEWärmeG zusammengelegt werden und wenn ja, wo wäre das Verbesserungspotential?
4. Wie ist die Einschätzung des Grenznutzens bei einer weiteren Verschärfung der EnEV 2009 auf 2012 im Kontext zur niedrigen Altbausanierungsrate?
5. Wie ist der Status der EnEV 2012, wann wird die EnEV 2012 freigegeben und welche Neuerungen sind vorgesehen?

6. Sonstige rechtliche Rahmenbedingungen

1. Sind die nachfolgenden zentralen Ziele des Energiekonzepts der Bundesregierung unter den gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen erreichbar und wenn nicht, welche Maßnahmen wären zur Erreichung der Ziele erforderlich:
a) Nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050?
b) Verdoppelung der Sanierungsrate von derzeit weniger als 1% auf 2%?
c) Reduzierung des Wärmebedarfs bis 2020 um 20%?
2.a) An welcher Stelle sehen Sie im derzeitigen ordnungsrechtlichen Rahmen Handlungsbedarf?
b) Sollte hier ordnungsrechtlichen Maßnahmen, wie etwa Nutzungs-/Sanierungs-Verpflichtungen, oder vielmehr einer Ausweitung der finanziellen Förderung (Freiwilligkeit der Maßnahmen) der Vorzug gegeben werden?
c) Wie beurteilen Sie die ordnungsrechtlichen Vorgaben im Wärmebereich durch den Frei-staat Bayern (z.B. Bauordnung)?
3. Welche ordnungsrechtlichen Möglichkeiten sind sinnvoll, um beim Gebäudebestand einen höheren Energiestandard zu erreichen?
4. Wo sind verfassungsrechtliche Schranken für diese Möglichkeiten?

7. Förderprogramme

1. Wie beurteilen Sie die derzeitige Ausgestaltung des Marktanreizprogramms für Erneuerbare Energien im Wärmemarkt (MAP), dessen reale Mittelausstattung in der Vergangenheit stark schwankte und in der Regel von der aktuellen Haushaltslage abhängig ist?
2. Förderprogramme für energetische Sanierungsmaßnahmen
a) Welche Förderprogramme unterstützen den Austausch der Heizungsanlagen für private Haushalte, bzw. welche Förderprogramme wären erforderlich, um private Investitionen zu för-dern?
b) Wie werden Informationen zu Förderungsprogrammen an private Haushalte, öffentliche Bereiche und Industrie weitergeleitet, bzw. wie findet die Beratung statt?
3. Was müsste an welchen Förderprogrammen geändert werden, damit die Rahmenbedingungen verlässlich sind und eine Konstanz aufweisen?
4. Mit welchen Maßnahmen könnte man den Austausch von ineffizienten Wärmepumpen weiter fördern?
5. Welche Marktanreizprogramme für Gebäude- und Heizungssanierungen wäre erforderlich, damit Investitionen sowohl in selbst genutzten als auch in vermieteten Immobilien geleistet werden. Ist eine Förderung von Teilsanierungen sinnvoll?

8. Hemmnisse

1. Welcher Anteil des Gebäudebestandes kann in Folge von Denkmalschutzauflagen nicht oder nicht wirtschaftlich energetisch saniert werden?
2. Welcher Anteil am Energieverbrauch zur Raumwärmebereitstellung entfällt aktuell auf diesen?
3. Welche Auswirkungen haben Regelungen zum Denkmalschutz auf den Ausbau Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (z.B. bei Solarthermieanlagen)?
4. Welche mietrelevanten Vorschriften hindern derzeit eine verstärkte energetische Sanierung von vermieteten Wohneinheiten?
5. Welche Möglichkeiten gibt es um das bestehende Nutzer-Investor-Dilemma bei energetischen Fragen im Mietwohnungsbereich zu überwinden?
6. Durch welche Maßnahmen werden Markthemmnisse (Komplexität der Sanierungsvorhaben, Information der Eigentümer, mangelndes Vertrauen in Akteure, mangelnde Markttransparenz, fehlende Fachqualifikation, Finanzierungsprobleme der Eigentümer) bei der Bestandsanierung entkräftet?

9. Information/Ausführung

1. Bedarf es weiterer berufsqualifizierender Ausbildungsprogramme für Handwerker etc., die sich inhaltlich mit den besonderen handwerklichen Herausforderungen der energetischen Sanierung befassen?
2. Sehen Sie Bedarf an weiteren allgemeinen Informationsangeboten zur energetischen Sa-nierungen von Gebäuden angesichts der Masse an Informationen von Staat, Wirtschaft und neutralen Organisationen (z.B. Verbraucherzentralen)? Wessen Aufgabe wäre dies ggf.?
3. Sehen Sie zusätzlichen Bedarf an konkreten Beratungen durch unabhängige Energieberatungen und ggfs. finanzieller Unterstützung der Beratung für private Immobilienbesitzer?
4. Wie sehen Sie den Bedarf nach einem unabhängigen und neutralen "one-stop-shop" (d.h. unabhängige Beratung und Organisation der notwendigen Maßnahmen aus einer Hand) im Bereich der energetischen Gebäudesanierung im Kontext des derzeitigen Beratungs- und In-formationsangebots? Wer sollte diesen ggf. betreiben und finanzieren?

10. Finanzierung

1. Welches Finanzierungsvolumen wäre notwendig, um die Sanierungsquote im privaten Gebäudebereich von bisher 0,7 % p.a. auf die von der Bundesregierung angestrebten Sanie-rungsraten zu erhöhen?
2. Wie könnte der Bankensektor die Bereitschaft zu einer "werterhöhenden" energetischen Sanierung einer Immobilie besser als bisher unterstützen?
3. Mit welchen Amortisationszeiten ist bei Investitionen für engergetische Sanierungen bzw. Teilsanierungen ist zu rechnen?
4. Wie kann Ihrer Ansicht nach das Problem erst langfristiger Armortisation von bestimmten Sanierungsmaßnahmen insbesondere bei älteren Hauseigentümern angegangen werden (Stichwort: Generationenübergreifende Lösungsmodelle bei der Finanzierung)?
5. In welcher Höhe sind Mieterhöhungen in Folge energetischer Sanierungen angemessen? Welche Einsparungen bei den Energiekosten stehen dem gegenüber? Welche praktischen Erfahrungswert gibt es hier?
6. Wäre es denkbar, dass Mieter Investitionen in energetische Sanierungen mitfinanzieren und diese längerfristig (z.B. durch entsprechende Anpassung des Mietniveaus) "abwohnen"?

11. Sonstiges

1. Ist nach Ihrer Ansicht der diskriminierungsfreie Zugang zu Fernwärmenetzen in Deutschland gewährleistet und wenn nicht, durch welche regulatorische Maßnahmen könnte dieser sichergestellt werden?
2. Gibt es Verbesserungspotential für den „Energieausweis für Gebäude“ und wenn ja, welche?
3. Wie kann durchgesetzt werden, dass die vorgeschriebenen Energieausweise tatsächlich erstellt werden?

Expertenverzeichnis

Alfred Gaffal, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wolf GmbH, Mainburg
Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser, Lehrstuhl für Bauphysik der Technischen Uni-versität München und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, München
Dr. Johannes D. Hengstenberg, CEO co2online gemeinnützige GmbH, Berlin
Dipl-Ing. Eberhard Hinz, Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU), Darmstadt
Ulrich Jung, Ressortleiter Gebäudeeffizienz, Dipl-Ing. Architekt , DIFMA GmbH, Nürnberg
Dipl. Kfm. Xaver Kroner, VdW Bayern, Verband bayer. Wohnungsunternehmen e. V. Verbandsdirektor, München
Dipl. Phys. Ingrid Vogler, GdW Bundesverband deutscher Wohungs- und Immobilienunternehmen e. V., Referat Energie, Technik, Normung, Berlin
Wilhelm Zinoni, Klimaschutzbeauftragter der Innung Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik München

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