Bayerischer Landtag

Anhörung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport zum Thema „Gesamtbilanz G8“

Montag, 26. März 2012

Anhörung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport´

zum Thema „Gesamtbilanz G8“

am Donnerstag, 29. März 2012,
von 10 – 13 Uhr im Senatssaal

Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog
(Stand 07.03.2012)

Komplex A Konzeption
1. Wie haben sich grundlegende konzeptionelle Elemente des achtjährigen Gymnasiums, wie die Verstärkung der individuellen Förderung, die Konzentration des Lehrplans auf die nachhaltige Vermittlung von Grundwissen und Grundkompetenzen, die Stärkung der Kernkompetenzfächer der Naturwissenschaften sowie der gesellschaftswissenschaftlichen Fä-cher, die Einführung neuer Fächer, wie Informatik, Natur und Technik, Wirtschaftsinformatik, die verstärkte Studien- und Berufsorientierung sowie die Öffnung des Gymnasiums hin zur Hochschule und der Arbeitswelt bewährt?
2. Universitäten und zukünftige Arbeitgeber müssen wissen, was sie von einem jungen Men-schen an Fähigkeiten und Fertigkeiten mit dem bayerischen Abitur erwarten können – inwieweit hat die Umstellung auf das G 8 Folgen für die Güte der Studier- und Ausbildungsfähigkeit der jungen Menschen und welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die neu implementierten W- und P-Seminare?
3. Welche Bedeutung haben insbesondere die P-Seminare für die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf die Entscheidungsfindung zur Studien- bzw. Berufswahl? Fand durch sie eine verstärkte Öffnung der Schulen nach außen statt?
4. Welche Erfahrungen haben Sie mit den grundlegenden Elementen (Stundentafel, Lehrpläne, neue Oberstufe, neue Fächer, erweitertes Fremdsprachenangebot, neue Methoden, Intensivierungsstunden usw.) des G8 gemacht und welche Probleme sehen Sie diesbezüglich?
5. Hat das achtjährige Gymnasium durch die neue Konzeption an Attraktivität gewonnen und wie wirkt sich das auf die Schülerzahl und die Abiturientenquote aus?
6. Die Lehrpläne des G 8 wurden unter anderem vom unabhängigen Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin (IQB) gekürzt und zielgerichtet überarbeitet. Wie haben sich die Lehrpläne des G 8 bisher bewährt?

7. Welche modernen pädagogischen Formen (selbstgesteuertes Lernen, Projektunterricht, neue Leistungsmessung) müssen in Zukunft am Gymnasium Einzug halten?
8. Welche Möglichkeiten der Flexibilisierung der gymnasialen Schulzeit halten Sie für sinnvoll?

Komplex B Schulorganisation, Unterrichtsorganisation
1. Die Schulzeitverkürzung stellte für die Gymnasien die größte organisatorische Herausforderung der letzten Jahre dar.
Durch welche schulorganisatorischen Maßnahmen, wurde diese Herausforderung erfolgreich bewältigt?
2. Welche Instrumente zur individuellen Förderung mit Blick auf leistungsschwächere, leistungsstarke und hochbegabte Schülerinnen und Schüler gibt es und haben sich diese bewährt?
3. Welche schulorganisatorischen Maßnahmen (hinsichtlich pädagogische Arbeit, Schul- und Unterrichtsbetrieb, Eigenverantwortung, Ganztagsbetrieb usw.) sollten aus dieser Erfahrung den künftigen Rahmen für eine gelingende individuelle Förderung innerhalb der gymnasialen Ausbildung bilden?
4. Wie bewerten Sie das Informations- und Durchführungsmanagement der G8-Schulreform seitens Ministerium/Verwaltung?
5. Hat sich das Monitoring durch das Staatsministerium für Unterricht und Kultus in den Bereichen Lehrplan und Oberstufe bewährt?
6. Welche Möglichkeiten ergeben sich Ihrer Meinung nach daraus, wenn Schulen mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort erhalten werden und welche Chance bietet hierbei insbesondere die Schaffung einer erweiterten Schulleitung im Rahmen der Eigenverantwortlichen Schule?
7. Trägt die Organisation eines Gymnasiums als gebundene Ganztagsschule dazu bei, die Lernerfolge unabhängiger vom Elternhaus zu machen? Wenn ja, welche Schülergruppen profitieren vom Ganztag am meisten?

Komplex C Rahmenbedingungen
1. Wie wurden die Rahmenbedingungen an das achtjährige Gymnasium hinsichtlich Wochenstundenzahl, Stundentafel, Zahl der erteilten Unterrichtsstunden, Nachmittagsunterricht, Bau von Mensen und durch Einrichtung von Ganztagsschulen angepasst?
2. Unter welchen Rahmenbedingungen (Stundenausstattung, räumliche und personelle Ressourcen, Klassengrößen, Oberstufen-Budgets, Lernmaterialien) arbeitet das G8 derzeit? Wo gibt es noch Nachsteuerungsbedarf?
3. Wie ist die Qualität der schulischen Ausbildung am achtjährigen Gymnasium zu beurteilen, gab es Qualitätsverluste oder –verbesserungen und welchen Ausdruck findet das in den Schulleistungsstudien (PISA)?
4. Wäre nach derzeitigem Kenntnisstand ein sogenanntes Brückenjahr zwischen der zehnten und elften Jahrgangsstufe sinnvoll, um Schülerinnen und Schüler bei Bedarf noch intensiver auf die Anforderungen der Oberstufe vorbereiten zu können?
5. Welche Ressourcen sind für einen gebundenen Ganztag nötig?

Komplex D Schule und Wohlbefinden, schulische Belastungen
1. Aus der Studie von Frau Dr. Astrid Milde-Busch u.a. der LMU München zum Thema: „Besteht ein Zusammenhang zwischen der verkürzten Gymnasialzeit und Kopfschmerzen und gesundheitlichen Belastungen bei Schülern im Jugendalter?“ geht hervor, dass im G8 die Häufigkeit von Kopfschmerzen etwas geringer ist als im G9. Insgesamt kommt die Arbeit zu folgendem Ergebnis: „… die verkürzte Gymnasialzeit spiegelt sich nicht im beeinträchtigten Gesundheitszustand der Schüler wieder, sondern eher in einem beschränkten Zeit-raum für die Freizeitgestaltung.“
Welchen Einfluss haben Ganztagsangebote auf den Zeitraum, der Schülern zur Freizeitgestaltung zur Verfügung steht und wie ist das aus pädagogischer Sicht zu bewerten?
2. Im Rahmen der Ganztagsangebote öffnet sich das Gymnasium für außerunterrichtliche Partner z.B. aus den Sport- und Musikvereinen sowie dem künstlerischem Bereich und gemeindenaher Einrichtungen wie Bibliotheken und Museen.
Welche Möglichkeiten und Chancen sehen Sie in dieser Tatsache?
3. Lässt sich seit der Umstellung auf das G8 eine generelle Veränderung hinsichtlich der Gesundheit (wie Zunahme der Beratungsfälle, Veränderung der Beratungsthemen, Überlastung, Druck, Stress…) der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte feststellen?
4. Wenn ja, welche Konsequenzen müssen diesbezüglich gezogen werden?
5. Haben die Anforderungen im achtjährigen Gymnasium Auswirkungen auf die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die eine Klassestufe wiederholen müssen?
6. Welche Erfahrungen hinsichtlich der Arbeitsbelastung für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gibt es an den gebundenen Ganztagsschulen, wenn dort rhythmisierter Unter-richt stattfindet, und wie groß ist die Akzeptanz für gebundenen Ganztagsunterricht bei Eltern, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern?

Komplex E Schulleben, Schulprofil
1. Welche Möglichkeiten bieten sich den Gymnasien zur Gestaltung des Schullebens und eines eigenen Schulprofils?
2. Inwieweit haben sich mit Verkürzung der Gymnasialzeit die Zeit für Freizeitaktivitäten, Familienleben, Mitwirkung in der Schülermitverwaltung (SMV), Auslandsaufenthalte, wöchentliche Stundenbelastung, Zeitaufwand für Hausaufgaben, Vor- und Nachbereitung usw. verändert?
3. Lässt sich hinsichtlich des Angebots an Wahlfächern bzw. der Zahl der Schülerinnen und Schüler, die dieses Angebot wahrnehmen, eine Veränderung zwischen dem G8 und dem früheren G9 feststellen?

4. Um ein Schulprofil zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln, sind Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort wichtig – welche Chancen sehen Sie darin, wenn Schulen verstärkt eigene finanzielle Spielräume bekommen (z.B. über ein Globalbudget) oder sich Lehrkräfte direkt bei den jeweiligen Gymnasien bewerben können?

Expertenverzeichnis
(Stand: 22.03.2012)

Susanne Arndt, Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) e. V., München
Univ.-Prof. Dr. Peter J. Brenner, Akademischer Direktor, Carl von Linde-Akademie der Technischen Universität München

Karl-Heinz Bruckner, Oberstudiendirektor, Landesvorsitzender der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayer. Gymnasien e. V., Nürnberg
Albert Häusler, Oberstudiendirektor, Schulleiter, Johann-Schöner-Gymnasium Karlstadt am Main
Regina Knape, Studiendirektorin, Staatliche Schulpsychologin, stellv. Vorsitzende des Landesverbandes Bayer. Schulpsychologen (LBSP) e. V., Coburg
Sebastian Kühnel, Referent in der Abteilung für die Hochschulen und Projekte in der Geschäftsführung der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., München

Ansgar Münichsdorfer, Assistent des Landesschülerrates und Bezirksschülersprecher der Gymnasien in Oberbayern-West, München, Schülervertretung Erasmus-Grasser-Gymnasium, München
Dr. Fritz Schäffer, Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenver-band (BLLV), München

Max Schmidt, Erster Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands (bpv), München
Helmut Seidl, Oberstudiendirektor, Schulleiter, Städtisches Elsa-Brändström-Gymnasium – Neusprachliches Gymnasium, München

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