Bayerischer Landtag

Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am 20. Juni 2012

Montag, 18. Juni 2012

Anhörung des Ausschusses für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten

zum Thema „Tierhaltungsformen in der Zukunft“,

am Mittwoch, 20. Juni 2012,
9.15 Uhr im Senatssaal

Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog

A) Bestandsaufnahme

1. Wie werden die Fortschritte in der Tierhaltung der letzten 50 Jahre beurteilt?
a. Wie bewerten Sie die derzeitigen Vorgaben der jeweiligen Haltungsverordnungen in Rinderhaltung
2. den Bereichen Rinderhaltung, Schweinehaltung, Geflügelhaltung?
3. Spezifische Fragen:
- Wie bewerten Sie die Anbindehaltung im Bereich der Milchviehhaltung bezüglich des Tierwohls und der gesellschaftlichen Akzeptanz?
- Bitte nehmen Sie Stellung zur Enthornung.
- Wie bewerten Sie die gängige Haltungspraxis in der Rindermast, insbesondere in den Bereichen Platzangebot, Bodenbeschaffenheit, Beschäftigung…

a. Schweinehaltung
- Wie bewerten Sie die neuen Vorgaben im Bereich der Zuchtsauenhaltung, die viele kleine und mittelständische Betriebe bedauerlicherweise zur Aufgabe der Tierhaltung zwingen wird?
- Bitte nehmen Sie Stellung zur Kastration (betäubungslose, mit Betäubung, vollständiger Verzicht…) und zum Kupieren von Schwänzen.
- Wie bewerten Sie die gängige Haltungspraxis in der Schweinemast, insbesondere in den Bereichen Platzangebot, Bodenbeschaffenheit, Beschäftigung...

b. Geflügelhaltung
- Wie bewerten Sie die gängige Haltungspraxis in der Geflügelhaltung, insbesondere in den Bereichen Platzangebot, Bodenbeschaffenheit, Beschäftigung…
-- Legehennenhaltung
-- Mastgeflügel allgemein
- Bitte nehmen Sie Stellung zu den Bereichen Schnabelkürzen, Ursachen für das Federpicken…

B) Tierhaltung und Gesellschaft / Verbraucher

1. Wie viele Menschen sind in Bayern mit der Haltung von Nutztieren sowie der Verarbeitung und Herstellung von Fleisch- und Milchprodukten befasst?
2. Wie werden die Leistungen der Nutztierhaltung für die Wohlfahrt der Gesellschaft beurteilt - insbesondere in benachteiligten Regionen in denen kein wirtschaftlicher Ackerbau möglich ist?
3. Wie hoch ist derzeit der Anteil tierischer Erzeugnisse in der Ernährung? Wie haben sich die Nachfrage nach tierischen Produkten und Preisen in den letzten zwanzig Jahren in den Industrie- und Entwicklungsländern entwickelt?
4. Wie kann die Ernährung der Bevölkerung mit gesellschaftlich anerkannten Tierhaltungsfor-men sowohl in Europa als auch global sichergestellt werden?
5. Welche Möglichkeiten gibt es, Verbrauchern einen besseren Einblick in moderne Tierhaltungsbetriebe/-verfahren zu geben?
6. Inwieweit entsprechen moderne Tierhaltungsformen den Erwartungen der Gesellschaft, des Verbrauchers?
7. Gibt es eine Nachfrage nach besonders „tiergerecht“ erzeugten Produkten?
8. Wird die Gefahr gesehen, dass die öffentliche Negativbewertung auch dann fortbesteht, wenn große Tierhaltungsbetriebe belegen können, dass sie bezüglich Tierwohl, Tiergesund-heit, Lebensmittelqualität und Umweltwirkungen besser oder vergleichbar wie kleinbäuerliche Betriebe produzieren können?
9. Ist bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz der Tierhaltung eine Beschränkung der Privilegierung gemäß § 35 Abs. 1 BauGB hilfreich? Welche Folgen (positive und negative) sind hierbei für die heimische Landwirtschaft zu erwarten?
10. Muss die Privilegierung des Bauens im Aussenbereich für jegliche Form der Tierhaltung gelten, oder sollten Grenzen gezogen werden - wenn ja, wo?

C) Spezielle Konfliktfelder

Wie werden die Konfliktpotentiale der Nutztierhaltung hinsichtlich
1. Wirtschaftsdünger
2. Tierschutz
- Wie tiergerecht sind unsere heutigen Haltungssysteme?
3. Ethik und
4. Emissionen gesehen?
- Welche Möglichkeiten gibt es, den Zielkonflikt zwischen artgerechter Haltungsformen und Emissionsminderung zu vermeiden/zu reduzieren?
Wie wird hierzu die Haltung der Öffentlichkeit bewertet?
Wie ist die wissenschaftliche Beurteilung dieser Konfliktpotentiale?

D) Tierhaltung / Tierwohl / Zertifizierungssysteme

1. Nach welchen Kriterien kann/muss artgerechte Tierhaltung definiert werden?
2. Wie werden weltweite Tierschutzstandards beurteilt – wo steht Bayern?
3. Wie viele Bewertungsansätze für die Tiergerechtheit gibt es bisher, wie sind diese ausgestaltet und worin unterscheiden diese sich? Anhand welcher Kriterien wird „Tierwohl“ messbar gemacht/bewertet? Wie wird deren Praxistauglichkeit gesehen?
4. Privatwirtschaftliche Kennzeichnungen, die mit einem höheren Tierschutzstandard werben, sind bereits auf dem Markt. Sollen die für eine Zertifizierung relevanten Begriffe und der damit verknüpften Tierschutzleistungen durch den Gesetzgeber definiert werden?
5. Spielt die Regionalität bei staatlichen bzw. freiwilligen Tierwohllabel eine Rolle?
6. Wie werden die Effekte einer Erhöhung von Tierschutzauflagen gesehen?
7. Welche Aspekte der Haltung, des Managements, des Tierverhaltens und der Tiergesundheit sind bei der Beurteilung der Tiergerechtheit als Prozessqualität von Bedeutung?
8. Gibt es Tierhaltungsverfahren, die der Verminderung der Verletzungsgefahr von Mensch und Tier dienen und z.B. das Enthornen von Kälbern oder Kupieren von Schwänzen nicht mehr erforderlich machen? Welche betriebswirtschaftlichen Aspekte sind zu berücksichtigen?
9. Aus welchen Gründen sind bei der Novellierung des Bundestierschutzgesetzes das Verbot des Kupierens der Schwänze von Ferkeln und das Schnabelkürzen bei Geflügel dringend impliziert aber bislang nicht vorgesehen?
10. Wie bewerten Sie nationale sowie EU-weite Vorstöße im Bereich Tierschutz?
- Welche Vorgaben machen aus Ihrer Sicht Sinn?
- Wann ist mit einer Novellierung der Vorgaben zu rechnen?
- Welche Kosten könnten auf Verbraucher und Erzeuger zukommen?
- Welche praxisnahen Umbaumaßnahmen können erfolgen?
-- Ist ein Forschungsprojekt diesbezüglich sinnvoll?
11. Wie bewerten Sie freiwillige Tierschutzprogramme?
- Welches Absatzpotential sehen Sie als realistisch an?
- Wie kann die Entlohnung der Erzeuger sichergestellt werden?
- Wie können Erzeuger praxisnah Stallumbauten umsetzen, welche Vorstellungen haben Sie diesbezüglich? Wäre ein Forschungsprojekt diesbezüglich sinnvoll?
- Sind Bestandsobergrenzen je Betrieb innerhalb eines freiwilligen Tierwohllabels sinnvoll? Wie würden Sie diese ggf. definieren?
12. Welche maximale Transportdauer von Nutzvieh ist aus Ihrer Sicht sinnvoll?
- Sollten freiwillige Tierwohllabel hier eine stärkere Begrenzung in Betracht ziehen?
13. Einer der Hauptgründe für die Erkrankung von Tieren ist der Transport und die Aufstallung in zusammengewürfelten „Tierstapeln“. Geschlossene Haltungssysteme würden einen großen Beitrag dazu leisten, dass weniger Tiere erkranken und damit auch weniger Tierarzneimittel eingesetzt werden müssten. Soll der Staat darauf hinwirken, dass die Haltung von Tieren in geschlossenen Systemen die Regel und nicht die Ausnahme wird, wenn ja, wie kann er das tun?
14. Die staatlich geförderte Projektarbeit des TGD soll einen Beitrag zu Verbesserung der Nutztierbestände und der Haltungssysteme in Bayern leisten. Wurden dazu externe, unabhängige Erhebungen über die Effektivität dieser Projektarbeit angestellt?
15. Wie beurteilen Sie den Einsatz von synthetischen Aminosäuren in der Tierernährung?

E) Perspektiven: Haltungssysteme, Bestandsgröße, Betriebsmanagement

1. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Tierwohl und Bestandsgröße?
2. Wie beurteilen Sie die Bestandsgrößenentwicklung in der Rinder- Schweine- Geflügelhaltung in Bayern im bundes- und europaweiten Vergleich?
3. Welche Entwicklungen erwarten bayerische Zukunftsbetriebe bei künftigen Tierhaltungsformen? Welche Trends gibt es im internationalen Vergleich?
4. Welche regionalen Schwerpunkte / Verdichtungsräume in der Tierhaltung gibt es in Bayern? Werden Entwicklungstendenzen gesehen?
5. Welche Risiken sind mit einer starken regionalen Konzentration der Tierhaltung verbunden?
6. Freilandhaltung gilt als besonders artgerecht – muss sich die Tierzucht wieder mehr auf Robustrassen konzentrieren?
7. Bayern ist in vielen Teilen noch von Grünland geprägt. Der regelmäßige Weidegang im Sommer stellt die wohl artgerechteste Haltungsform dar. Was kann der Staat über das bisher unternommene tun um die Weidehaltung von Rindern zu fördern?
8. Welche Konsequenzen hat der Rückgang der Beweidung auf das Landschaftsbild in Bayern?
9. Muss sich die Tierhaltung der Zukunft an die natürlichen Gegebenheiten orientieren (Futterflächen, Gülleausbringung, Emissionen) oder koppelt sich die Produktion von der Umgebung immer mehr ab?
10. Welche Wege gibt es den Importeiweißbedarf in der Tierproduktion zu verringern?
11. Die in der Vergangenheit entwickelten Tierhaltungssysteme orientierten sich an Baukosten, Arbeitsersparnis und der dabei möglichen Leistungssteigerung der Tiere. Jedes neu erdachte Haltungssystem, das nicht unmittelbar erkennbar den Vorgaben des Tierschutzgesetztes widersprach, durfte dabei ohne öffentliche Kontrolle zum Einsatz kommen. Häufig wurden sogar von den staatlichen Ämter Haltungssystem empfohlen, die sich langfristig als negativ auf das Wohlbefinden der ausgewirkt haben z.B. Gitterroste, Vollspaltenböden, einstreufreie Liegeflächen. Welche Möglichkeiten gibt es, das in Zukunft zu verbessern?
12. Die Tierzucht in Bayern wird mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Staatliche Tierzuchtämter böten die Möglichkeit Fehlentwicklungen in der Tierzucht entgegen zu wirken. Mit welchen Maßnahmen können staatliche Stellen die Fehlentwicklung bishin zu „Qualzuchten“ verhindern?
13. Tierzucht und Tierschutz – wo liegen die Grenzen einer ethisch verantwortbaren Tierzucht?
14. Sollte das von der LfL entwickelte Bodenhaltungssystem für die Kaninchenmast als verbindliche Haltungsalternative zur Käfighaltung in Bayern etabliert werden?
15. Inwiefern besteht die Notwendigkeit der Anpassung rechtlicher Vorgaben (BauBG, BImSchG, Düngerecht, Tierschutzrecht)

F) Tierarzneimittel

1. Brauchen wir eine risikoorientierte Überwachung des Tierarzneimitteleinsatzes und wie könnte sie konkret aussehen?
2. Scheitert die Massentierhaltung am zunehmend kritisch gesehenen Tierarzneimitteleinsatz?
3. Wie beurteilen Sie die derzeitige Diskussion im Bereich des Antibiotikaverbrauchs?
- Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Bestandsgrößen und Krankheitsdruck?
- Welche positiven Aspekte hätte die Verringerung der Bestandsdichten der Tiere in der Mast in Hinblick auf den Einsatz von Antibiotika und andere Faktoren?
- Befürworten Sie eine zentrale Meldepflicht für die antibiotische Medikamentierung, sowie behördliche Sanierungspläne für auffällige Betriebe?
- Befürworten Sie ein Verbot für die Anwendung von Reserveantibiotika in der Nutz- und Heimtierhaltung?

Expertenverzeichnis
(Stand 16.04.2012)

Jochen Dettmer, Bundesgeschäftsführer , NEULAND e.V., Belsdorf

Stephan Neher, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben Tierische Veredelung w.V. und der Ringgemeinschaft Bayern, Medlingen

Dr. med. vet. Rupert Ebner, Ingolstadt

Jakob Opperer, Präsident, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising

Uwe Gottwald, Geschäftsführer, Landeskuratorium der Erzeugerringe für Tierische Veredelung in Bayern e.V., München

Georg Sachsenhauser, Landwirt – Landkreis Landshut, Kröning

Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber, Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus, TU München-Weihenstephan, Freising-Weihenstephan

Dr. Heinz Schweer, Agricultural Relations, Direktor Landwirtschaft (Deutschland), VION GmbH, 40472 Düsseldorf

Prof. Dr. Bernhard Hörning, Fachgebiet Ökologische Tierhaltung, Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (FH), Eberswalde

Isabella Timm-Guri, Direktorin Fachbereich , Erzeugung und Vermarktung, Bayerischer Bauernverband, München

Seitenanfang