Bayerischer Landtag

Bayer. Landtag: Anhörung der Kommission zur parlamentarischen Begleitung der Energiewende in Bayern am 16.2.2012

Montag, 13. Februar 2012

Anhörung der Kommission zur parlamentarischen Begleitung
der Energiewende in Bayern

zum Thema „Stromspeicher“

am Donnerstag, 16. Februar 2012,
von 13.30 – 17 Uhr im Saal 2

Journalisten sind zu dieser Anhörung herzlich eingeladen.

Fragenkatalog

1. Aktueller Stand
1. Welche Speichertechnologien mit welchen Wirkungsgraden sind derzeit in Deutschland marktreif?
2. Wie hoch ist die derzeit jeweils insgesamt in Deutschland/Bayern zur Verfügung stehende Speicherkapazität im Kurz-, Mittel- und Langfristbereich?

2. Bedarf/Potenzial
1. Wie hoch ist der jeweils insgesamt in Deutschland/Bayern geschätzte Speicherbedarf (Leistung und Kapazität) im Kurz-, Mittel- und Langfristbereich bei einer zu 50 Prozent bzw. zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basierenden Stromerzeugung?
2. Welcher Bedarf an kurz- und langfristigen Speichern ist für Bayern erforderlich, um Engpässe der volatilen Einspeisung durch erneuerbare Energieerzeugung auszugleichen?
3. Welcher Bedarf (Leistung und Kapazität) an Stunden- bzw. Tagesspeichern wird sich in Bayern bis zum Jahr 2021 ergeben, wenn die Photovoltaikleistung ca. 14.000 MW in Bayern betragen soll?
4. Wie hoch wäre der bayernweite Bedarf an kurz- und langfristiger Speicherkapazität bei einer installierten Photovoltaikleistung von 20 GW und einer installierten Leistung bei der Windenergie von 5 GW?

3. Technologischer Überblick
1. Welche Speicherlösungen bieten sich für Privatkunden und welche für die Industrie an?
2. Welche Speichertechnologien sind im zentralen/großtechnischen Einsatz bzw. dezentral am Erzeugungsort sinnvoll einsetzbar?
3. Ist ein dezentrales Speichersystem mit vielen stationären Kurzzeitspeichern (z. B. zur Erhöhung des Eigenverbrauchs von Solarstrom) sinnvoll?
4. Welche Konzepte/Innovationen/Entwicklungen gibt es für Kurz-, Mittel- und Langzeitspeicherung – „die passende Speichertechnologie für die passende Anwendung“?

4. Mechanische Speicher
1. a) Wie hat sich die Wirtschaftlichkeit der Pumpspeicherkraftwerke in den vergangenen Jahren angesichts tendenziell gesunkener Spitzenstrompreise entwickelt?
1. b) Ist es wahrscheinlich, dass die Wirtschaftlichkeit der Pumpspeicherkraftwerke in den nächsten Jahren zurückgeht?
1. c) Unter welchen Voraussetzungen, etwa hinsichtlich Netzausbau bzw. Backup-Kraftwerken, ist ein Betrieb für bestehende/neue Pumpspeicherkraftwerke langfristig rentabel?
1. d) Wie verhält sich voraussichtlich die Wirtschaftlichkeit von Pumpspeicherlösungen im Vergleich zu Batterielösungen für die Stunden- bzw. Tagesspeicherung?
1. e) Welches wirtschaftlich realisierbare Potenzial für Pumpspeicherkraftwerke gibt es in Bayern?
2. Wie viel Speicherkapazität können Pumpspeicherkraftwerke zukünftig in Bayern liefern? Wie viel ist derzeit vorhanden? Gibt es eine Analyse, die einen Vergleich der aus Stromnetzsicht erwünschten Pumpspeicherkraftwerke in Bayern mit den aus topographisch, hydrologisch und geologisch geeigneten Standorten für Pumpspeicherkraftwerke zulässt?
3. Wo bestehen Möglichkeiten für den Bau weiterer Pumpspeicherkraftwerke? Welches Speicherpotenzial besteht dabei? Welcher Planungszeitraum ist für neue Pumpspeicherkraftwerke realistisch bzw. wie kann dieser verkürzt werden?
4. Inwieweit wäre eine Mitnutzung von Speicherkapazitäten in Norwegen, Österreich oder der Schweiz (z. B. durch Umrüstung dort bestehender Laufwasserkraftwerke zu Pumpspeicherkraftwerken) denkbar?
5. In welcher Höhe sind Stromentstehungskosten für große Pumpspeicher zu erwarten (Cent/kWh)?
6. Welche Maßnahmen zur Wirkungsgraderhöhung der bestehenden Pumpkraftspeicherwerke sind geplant?
7. Wie hoch ist der Anteil an der insgesamt in Bayern benötigten Speicherkapazität, der bei optimaler Ausnutzung der Potenziale von Pumpspeicherkraftwerken durch selbige gedeckt werden könnte?
8. Wie hoch ist das Potenzial von Druckluftspeicherkraftwerken bzw. sind Druckluftspeicherkraftwerke eine Alternative?
9. Wie hoch ist der Anteil an der insgesamt in Bayern benötigten Speicherkapazität, der bei optimaler Ausnutzung der Potenziale von Druckluftspeichern durch selbige gedeckt werden könnte?

5. Elektrochemische Speicher
1. a) Welche Batterietechnologien werden sich in absehbarer Zeit für welche Speicherbedarfe durchsetzen?
1. b) Welche Batterietechnologien halten Sie für geeignet in Bezug auf Nachhaltigkeitskrite-rien?
1. c) Sind individuelle Batterielösungen für Photovoltaikanlagen sinnvoll bzw. unter welchen Bedingungen sind sie sinnvoll?
2. Sind die weltweiten Reserven relevanter Rohstoffe für Batterien (z. B. Kobalt, Lithium etc.) auch bei einer weltweit steigenden Nachfrage nach diesen Rohstoffen ausreichend?

6. Chemische Speicher
1. a) Welche Randbedingungen sind für einen rentablen Betrieb der Stromspeicherung in Form von „Windgas“ und der anschließenden Rückverstromung erforderlich?
1. b) Wie ist die Verfügbarkeit von CO2 für die Speicherung in Form von „Windgas“ einzuschätzen?
2. Welche Rolle wird Methanisierung spielen bzw. welches Potenzial bietet sie?
3. Gibt es eine belastbare Analyse von Standorten, welche die für Methanisierung und Wasserstofferzeugung erforderlichen Randbedingungen erfüllen (Anschluss an das Erdgasübertragungsnetz, vorhandener CO2-Spender, massiv volatile Stromerzeugung aus erneuerbaren im Umfeld, Stromnetzanbindung), um perspektivisch eine Wirtschaftlichkeit der Anlagen zu erreichen? Welches Standort- und Leistungspotenzial ergibt sich daraus für Methanisierung in Bayern?
4. Wie hoch sind die Speicherkapazitäten der Gasnetze und Gasspeicher in Bayern? Ist mit Nutzungskonflikten zwischen Stromerzeugung und Wärmeerzeugung zu rechnen?
5. Ist die Stromspeicherung nach Umwandlung in chemische Energie in Form von Wasserstoff oder Methan technisch und wirtschaftlich machbar und sinnvoll?
6. Wasserstoff oder Methan: Welches der beiden Speichersysteme ist – unter Beachtung der eventuellen Mitnutzungsmöglichkeit des vorhandenen Gasnetzes für Methan, aber auch des höheren Wirkungsgrades des Wasserstoffspeichersystems – sinnvoller?

7. Zusammenhang von Netzausbau und Speicherausbau/Elektromobilität
1. Welchen Beitrag können „smart grids“ im Hinblick auf Stromspeicherung leisten?
2. Könnten an das Stromnetz angeschlossene Elektroautos in ausreichender Zahl grundsätzlich einen signifikanten Beitrag zur Stromspeicherung leisten?
3. Wie groß sind bei der Nutzung von Elektroautos zur Energiespeicherung die Auswirkungen auf die Batterielebensdauer durch die zusätzlichen Be- und Entladevorgänge?
4. Hat der Bau zusätzlicher Speicher Auswirkungen auf den erforderlichen Netzzubaubedarf?

8. Forschung und Entwicklung
1. Bei welchen bereits verwendeten und neu erforschten Speichertechnologien sind in den kommenden Jahren die größten Entwicklungspotenziale zu erwarten? Wie wahrscheinlich ist es, diese Technologien innerhalb der nächsten fünf (zehn) Jahre marktfähig verfügbar zu ha-ben?
2. In welchen Bereichen (Kondensatoren, Pumpspeicher, Wasserstoff, Methan, Batterien, Pumpspeicher, Druckluftspeicher etc.) besteht für Speichertechniken ein Fachkräftemangel in Forschung, Entwicklung und Herstellung?
3. Gibt es völlig neuartige Konzepte für Speichertechnologien?

9. Anforderungen an die Politik
1. Könnte die Einführung eines Kombikraftwerksbonus im Erneuerbare-Energien-Gesetz ein sinnvoller Teil eines Instrumentenmix zur Förderung von Stromspeichern sein?
2. Welche Anforderungen werden an die Politik gestellt, um den Ausbau von Speichertechniken voranzutreiben?

Expertenverzeichnis

Prof. Dr. Wolfgang Arlt, Lehrstuhl für Thermische Verfahrenstechnik, Universität Erlangen-Nürnberg
Dr. Stefan Bofinger, Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, Kassel
Prof. Dr. Vladimir Dyakonov, Vorstandsvorsitzender, ZAE Bayern – Bayer. Zentrum für Angewandte Energieforschung e. V., Würzburg
Prof. Dr. Martin Faulstich, Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie, Straubing
Prof. Dr. Lothar Frey, Fraunhofer Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB, Erlangen
Prof. Dr. Thomas Hamacher, Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik, München
Stephan Rieke, SolarFuel GmbH, Stuttgart
Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, ISEA – Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe
Dr. Albrecht Schleich, Vorstand, Rhein-Main-Donau AG, München

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