Bayerischer Landtag

Weihnachtsansprache von Landtagspräsidentin Barbara Stamm

Mittwoch, 26. Dezember 2012
Landtagspräsidentin Barbara Stamm tritt in ihrer Weihnachtsansprache 2012 für gerechte Löhne, sichere Arbeitsplätze, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und eine ausreichende Rente im Alter ein. „Es muss gesellschaftlicher Konsens sein, dass die Erziehungs- und Pflegetätigkeit nicht weniger wert ist als die Erwerbstätigkeit. Kindererziehung und Pflege von schwerstkranken Menschen darf nicht zum eigenen Nachteil sein“, betont die Landtagspräsidentin. Die Besserstellung von Pflegekräften ist Barbara Stamm ein besonderes Anliegen. „Zur Anerkennung gehört auch eine angemessene Entlohnung, mit der man Wohnung und Lebensunterhalt bezahlen und sich auch noch eine Altersvorsorge leisten kann“, stellt die Landtagspräsidentin klar. Barbara Stamm lenkt den Blick auch auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen europäischen Ländern: „Wenn über 50 Prozent der gut ausgebildeten jungen Menschen in diesen Ländern keine Arbeit haben, darf uns das nicht gleichgültig sein. Wir stehen mit in der Verantwortung, Lösungen zu entwickeln, damit diese jungen Menschen auch wieder zuversichtlich in die Zukunft schauen können wie unsere jungen Leute in Bayern.“


Die vollständige Ansprache:

Wieder ist ein Jahr wie im Flug vergangen. Ich grüße Sie ganz herzlich und hoffe, dass Sie zusammen mit Ihren Familien und Freunden schöne Weihnachtstage mit viel Zeit füreinander, für gute Gespräche und Begegnungen hatten.
Nicht alle verbringen die Festtage im Kreise ihrer Familien und Lieben. Viele sind allein, manchmal auch einsam. Deshalb ist es besonders wichtig, Zeit für andere zu haben – nicht nur jetzt an Weihnachten. Zeit ist Geld, heißt es immer. Tatsächlich ist sie ein viel größerer Schatz. Jede Minute für einen Mitmenschen ist ein kleines Licht. Und wenn wir mehr Uhren als Zeit füreinander haben, dann geht die Gemeinschaft verloren, dann wird es dunkel um uns
herum. Wirtschaftlich steht ja unser Land hervorragend da. Die Wachstumszahlen haben sich nach den Zeiten der Krise stabilisiert. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich zurückgegangen. Und die allermeisten Jugendlichen haben sehr gute Perspektiven für ihre Zukunft – im Gegensatz zu Gleichaltrigen in einigen europäischen Ländern. Wenn über 50 Prozent der gut ausgebildeten jungen Menschen in diesen Ländern keine Arbeit haben, darf uns das nicht gleichgültig sein. Wir stehen mit in der Verantwortung, Lösungen zu entwickeln, damit diese jungen Menschen auch wieder zuversichtlich in die Zukunft schauen können wie unsere jungen Leute in Bayern.

Es sind Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, die zu dieser bayerischen Erfolgsgeschichte beigetragen haben. Überall geben Sie Ihr Bestes. Dafür dürfen Sie im Gegenzug das Beste erwarten: unsere höchste Wertschätzung und - auch in Zeiten von Wettbewerb und Kostendruck - eine ordentliche Bezahlung, sichere Arbeitsplätze, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und eine ausreichende Rente. Jeder und jede hat ein Recht auf ein Leben in Würde – immer und vor allem im Alter. Das Thema Altersarmut wird uns in Zukunft noch mehr beschäftigen als heute. Wir müssen jetzt die richtigen Weichen stellen. Deshalb brauchen wir auch eine weitaus höhere Bewertung von Familienarbeit und Pflegetätigkeit in der Alterssicherung. Ob eine Gesellschaft dafür Geld hat oder nicht, das ist eine Frage der Menschlichkeit. Es muss gesellschaftlicher Konsens sein, dass die Erziehungs- und Pflegetätigkeit nicht weniger wert ist als die Erwerbstätigkeit. Kindererziehung und Pflege von schwerstkranken Menschen darf nicht zum eigenen Nachteil sein. Mich bewegt auch zunehmend die Frage, wie wir künftig bei Krankheit, bei Behinderung und im Alter kompetent und menschenwürdig betreut werden. Denn nicht nur in der Wirtschaft droht ein Fachkräftemangel, sondern auch im sozialen Bereich. Die Leistung der Pflegekräfte ist unendlich wertvoll – eigentlich unbezahlbar. Würdigen wir deren Arbeit ausreichend? Bringen wir ihnen die Wertschätzung entgegen, die sie verdienen? Zur Anerkennung gehört auch eine angemessene Entlohnung, mit der man Wohnung und Lebensunterhalt bezahlen und sich auch noch eine Altervorsorge leisten kann. Neben dem großen Wert der sozialen Arbeit wird das Miteinander und Füreinander in unserer Gesellschaft vor allem im bürgerschaftlichen Engagement gelebt. Allein in Bayern sind rund 3,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich aktiv; freiwillig bringen sie gemeinsam jeden Monat 75 Millionen Stunden auf – für uns alle. Das hält unsere Gesellschaft zusammen, ist unverzichtbar, aber nicht selbstverständlich. Damit diese hohe Beteiligung bleibt, müssen wir die Rahmenbedingungen verbessern. Das Ehrenamt kann alles brauchen, nur keine überzogene Bürokratie.

Gerade in diesen Tagen sind wieder viele Menschen dafür im Einsatz, dass wir ein friedliches und entspanntes Weihnachtsfest verbringen können, sei es bei der Polizei, der Feuerwehr, in Krankenhäusern oder Hilfsdiensten. Oft weit weg von zu Hause leisten Soldatinnen und Soldaten ihren wichtigen Dienst. An sie alle denke ich heute ganz besonders, verbunden mit einem herzlichen Dank für ihren großartigen Einsatz. Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
denken wir zum Jahreswechsel nicht nur an die guten Vorsätze, sondern auch an genügend Zeit. Denn „Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt“ – diese Worte sollen uns nicht nur an Weihnachten begleiten. Lassen Sie uns den Gedanken in unseren Alltag mitnehmen. Entschleunigung tut uns allen gut!
Ich wünsche Ihnen ein gesundes, erfülltes und gesegnetes Jahr 2013.“

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