Bayerischer Landtag

„Aktuelle Stunde“: G8- bzw. G9-Modell in der Debatte

Donnerstag, 3. April 2014
Von Jürgen Umlauft

In einer von seiner Fraktion beantragten „Aktuellen Stunde“ hat der Bildungspolitiker der FREIE WÄHLER, Günther Felbinger, der Staatsregierung sowie der sie tragenden CSU-Fraktion „Handlungsunfähigkeit“ bei der Reform des Gymnasiums in Bayern vorgeworfen. Auch eine Woche nach der Vorlage eines Eckpunktepapiers für die Einführung eines neuen, neunjährigen Gymnasiums (G9) durch der Bayerischen Philologenverband hätten sich CSU und Staatsregierung noch immer nicht inhaltlich zu den darin enthaltenen Vorschlägen geäußert. Das Konzept sieht eine grundsätzliche Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit vor. Für besonders begabte und leistungsbereite Schüler soll es in der Mittelstufe das „begleitete Überspringen“ einer Jahrgangsstufe geben.

Besonders hart ging Felbinger mit Kultusminister Ludwig Spaenle ins Gericht. Dieser sei schulpolitisch ein „Bruchpilot und eine Gefahr für die Weiterentwicklung des Gymnasiums“. Felbinger begründete dies mit der ausstehenden fachlichen Antwort des Ministers auf das G9-Modell der Philologen. „Kein eigenes Konzept vorzulegen und andere für sich arbeiten zu lassen, das ist Arbeitsverweigerung ersten Ranges“, sagte Felbinger. Zudem hätten frühere Reformmaßnahmen Spaenles am G8 keinen Erfolg gebracht. Jüngstes Beispiel das neu eingeführte Flexibilisierungsjahr, das bayernweit nur von 520 Gymnasiasten angenommen worden sei. Felbinger verwies auf das von den FREIEN WÄHLERN auf den Weg gebrachte Volksbegehren zu einer G8/G9-Wahlfreiheit, dessen 14-tägige Eintragungsfrist am 3. Juli beginnt. Dieses weise im Grundsatz in eine ähnliche Richtung wie die Überlegungen des Gymnasiallehrerverbandes. „Für uns sind neun Jahre Gymnasium die Richtsschnur“, sagte Felbinger.

Spaenle erneuerte in seinem Debattenbeitrag sein Angebot, in einen „ergebnisoffenen strukturierten Gesprächsprozess mit der gesamten gymnasialen Schulfamilie für ein Gymnasium der Zukunft“ einzutreten. Dabei müsse Qualität vor Schnelligkeit gehen. „Wer jetzt etwas übers Knie bricht, schadet dem bayerischen Gymnasium“, betonte Spaenle.
Inhaltlich erklärte er nur, dass es darum gehen müsse, den Lehrstoff von acht Jahren für eine nicht näher definierte Anzahl von Schülern auf „neun Lernjahre“ zu verteilen. Dabei müsse die wachsende Heterogenität unter den Gymnasiasten besondere Beachtung finden. Ziel dieser „Weiterentwicklung“ sei eine „tragfähige und dauerhaft akzeptierte Lösung“. Spaenle verwahrte sich gegen Dauerkritik am Gymnasium. Dieses sei eine „starke Schulart“.

Martin Güll (SPD) verwies darauf, dass „nahezu niemand mehr in der pädagogischen Familie“ am G8 festhalten wolle. Für die CSU komme es damit zum Schwur. Sie und die Staatsregierung kämen nicht länger umhin, eine klare Aussage zu treffen, wie es mit dem bayerischen Gymnasium weitergehen solle. Die SPD wolle laut Güll „zurück zu einer neunjährigen Grundform“. Auch Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) bezichtigte die CSU-Fraktion der Handlungsunfähigkeit. „Die CSU-Fraktion ist nicht die Herzkammer der Macht, sondern allenfalls die Nebennasenhöhle - und die ist auch noch verstopft“, sagte Gehring. Er forderte vor allem eine Debatte über Inhalte und Pädagogik am Gymnasium.

Redner der CSU setzten sich vor allem mit dem Volksbegehren der FREIEN WÄHLER auseinander. Dieses zeuge von „Ahnungslosigkeit“ und habe „schwere handwerkliche und pädagogische Fehler“, urteilte Gerhard Waschler. Vor allem in ländlichen Regionen sei es nicht umsetzbar. Bei allen weiteren Reformschritten warnte er vor „unüberlegten Schnellschüssen“.


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