Bayerischer Landtag

Aktuelle Stunde zu den Ergebnissen des Grundschul-Ländervergleichs 2011

Donnerstag, 25. Oktober 2012
In der Aktuellen Stunde unter der Überschrift „Bayerns Spitzenposition ausbauen - Für ein chancen- und leistungsgerechtes Bildungssystem“ haben die Landtagsfraktionen am 25. Oktober 2012 im Plenum ihre bildungspolitischen Positionen gegenübergestellt. Im Fokus standen dabei die Ergebnisse des Grundschul-Ländervergleichs 2011 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

Sowohl CSU als auch FDP verwiesen in ihren Redebeiträgen auf den jüngst veröffentlichten, ersten bundesdeutschen Ländervergleich in der vierten Jahrgangsstufe der Grund- und Förderschulen für die Fächer Deutsch und Mathematik, bei dem bayerische Schülerinnen und Schüler jeweils auf Rang 1 rangieren: „Für mich beginnt ein chancen- und leistungsgerechtes Bildungssystem im frühkindlichen Bereich und in der Grundschule. Deshalb freue ich mich sehr über den Spitzenplatz Bayerns in der IQB-Grundschul-Vergleichsstudie“, erklärte Renate Will von der FDP, deren Fraktion das Thema für die Aktuelle Stunde auf die Agenda gesetzt hatte.

„Spitzenplätze und Spitzenergebnisse“

Bayerische Schülerinnen und Schüler erreichten seit Jahren in allen nationalen und internationalen Leistungsstudien Spitzenplätze und Spitzenergebnisse, unterstrich auch Eduard Nöth (CSU). Die Ursache liege vor allem in der Kontinuität, in der Systemkonstanz und damit in der Verlässlichkeit des bayerischen Bildungssystems: „Mit seinem Dreiklang Qualität, Differenzierung und Durchlässigkeit ist es das leistungsstärkste Schulsystem in ganz Deutschland“, betonte Nöth und bescheinigte diesem System nicht nur ein „unverkrampftes Verhältnis zum Thema Leistung“. Es unterbreite für unterschiedliche Begabungen zudem passgenaue schulische Angebote und gewährleiste ein hohes Maß an Durchlässigkeit. 43 Prozent aller Hochschulzugangsberechtigungen in Bayern würden außerhalb des Gymnasiums, vor allem über die berufliche Bildung, erworben, so Nöth.

„Kontinuität in der Mangelverwaltung“

Von einer Kontinuität, allerdings in der „Mangelverwaltung“, sprach hingegen Günther Felbinger (FREIE WÄHLER). Er wolle die guten Ergebnisse beim aktuellen Ländervergleichstest nicht schlecht reden, allerdings seien die Rahmenbedingungen, unter denen diese Ergebnisse erzielt wurden, unbefriedigend: „Die Unterrichtsversorgung ist bayernweit auf Kante genäht, an vielen Schulen kann keinerlei Wahlunterricht mehr angeboten werden. Nach wie vor sind die Pro-Kopf-Ausgaben für Grundschüler, verglichen mit allen anderen Schularten, am niedrigsten“, kritisierte Felbinger.

Eine knappe Mittelausstattung an den Grundschulen, aber auch die schleppende Umsetzung des Modells der flexiblen Grundschule bemängelte Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen). Mit der Flexibilität sei nach Klasse zwei Schluss. „In den Klassen drei und vier gibt es keine flexible Grundschule mehr. Vielmehr gibt es das Rennen und den Druck zum Übertritt in eine weiterführende Schule.“ Gehring forderte, den Übertrittsdruck zu reduzieren und das Modell des gemeinsamen Lernens über die Grundschulzeit hinaus zu verlängern.

Dass wir eine Spitzenposition haben, darauf können wir uns einigen, erklärte Martin Güll (SPD). Er forderte die Regierungskoalition allerdings auf, dorthin zu schauen, wo Bayern nicht spitze sei, etwa beim Ausbau der Ganztagsschulen, beim Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg oder beim Zusammenhang zwischen dem Wohnort und dem Bildungserfolg. Während im Landkreis München 61 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf das Gymnasium übertreten würden, seien es im Landkreis Rottal-Inn nur 25 Prozent. Güll plädierte zudem für einen „gesunden Leistungsbegriff“: „Wenn Kinder überlastet und überfordert sind, wenn Bildung zulasten der Gesundheit der Kinder geht, dann müssen wir uns überlegen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.“

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle wies die Klagen der Opposition zurück. Er zeigte sich erfreut über den bayerischen Bildungserfolg beim ersten Ländervergleich in der vierten Jahrgangsstufe der Grund- und Förderschulen und hob hervor, dass Kinder mit Migrationshintergrund in ihren Kompetenzen spürbar aufgeholt hätten. Spaenle räumte aber auch ein, dass es Herausforderungen gebe: die weitere Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund, die Leseförderung für Jungen und die Förderung von Mädchen in Mathematik. Auch bei dem weiterhin bestehenden engen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft einerseits und dem Bildungserfolg andererseits sah der Kultusminister Handlungsbedarf. Er kündigte dazu einen verstärkten weiteren Ausbau der Ganztagsschulen in Bayern an. „Jeder Antrag, der gestellt wird und genehmigungsfähig ist, wird auch genehmigt“, versprach Spaenle./kh

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