Bayerischer Landtag

Interpellation zum Schulsport


Donnerstag, 12. Oktober 2017
– Von Jürgen Umlauft –

Die FREIEN WÄHLER haben die Staatsregierung aufgefordert, dem Schulsport in Bayern größere Bedeutung beizumessen. Es sei bedenklich, wenn diese selbst betone, dass der Schulsport gegenwärtig nicht oben auf der bildungspolitischen Prioritätenliste stehe, erklärte der FW-Abgeordnete Prof. Dr. Michael Piazolo in einer Landtagsdebatte zur Antwort der Staatsregierung auf eine Interpellation seiner Fraktion zum Thema „Bewegte Schule 2020“. Sport sei in der Schule das einzige Bewegungsfach, es fördere Konzentration und Koordination und beuge Übergewicht vor, zählte Piazolo auf. Kultusstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU) bezeichnete den Sportunterricht als unverzichtbar. Dessen weiterer Ausbau sei sicher wünschenswert, müsse aber im Kontext der aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen betrachtet werden.

Als die aus seiner Sicht wichtigste Ergänzung nannte Piazolo die dritte wöchentliche Sportstunde in der 1. Klasse. In den Jahrgangsstufen 2 bis 4 sei diese Pflicht, nur in der schwierigen Übergangsphase vom „Spielkind“ im Kindergarten zum „Sitzkind“ an den Schulen nicht. „Genau in dieser Zeit der Umstellung haben die Kinder den wenigsten Sportunterricht – da läuft etwas schief“, kritisierte Piazolo. Für die Ergänzung seien 163 zusätzliche Lehrerstellen erforderlich, dies sollte machbar sein. Vor allem an den Grundschulen müssten mehr ausgebildete Sportlehrer unterrichten, nicht einmal jeder dritten Grundschule in Bayern stehe ein solcher zur Verfügung. Insgesamt sei der Sport an den Schulen auf dem Rückzug, was sich im dramatischen Rückgang der Zahl an Schulsportmannschaften ausdrücke. Nötig sei auch mehr Schwimmunterricht. Bis spätestens zur 6. Klasse sollten alle Kinder das Freischwimmer-Abzeichen haben, sagte Piazolo.

Der CSU-Abgeordnete Prof. Dr. Gerhard Waschler wies die Kritik Piazolos zurück. Dieser unterschlage, dass Sport an der Schule nicht nur über den Sportunterricht abgedeckt werde. Waschler verwies auf zahlreiche ergänzende Angebote wie „Sport nach 1“ oder „Voll in Form“, die bei vielen Schulen im Programm seien. Zudem bestünden viele Ganztagesangebote aus sportlichen Betätigungen. Wer zusätzlichen regulären Sportunterricht einführen wolle, müsse wissen, dass dies entweder mit mehr Unterricht für die Schüler verbunden sei oder an anderer Stelle Kürzungen bedeute. Beides sei nicht wünschenswert, sagte Waschler. Zur Erlangung der Schwimmfähigkeit sah der CSU-Abgeordnete auch die Eltern in der Pflicht. Er verwies darauf, dass immerhin 85 Prozent der 7- bis 10-Jährigen schwimmen könnten.

Dagegen sah Diana Stachowitz (SPD) großen Nachholbedarf beim Schulsport. Studien belegten, dass die Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit bei Kindern stetig abnehme, gleichzeitig steige die Zahl von Kindern und Jugendliche mit Diabetes und Übergewicht. Darauf müssten die Schulen reagieren können. „An den Schulen muss täglich eine Stunde Bewegung drin sein, damit Kinder und Lehrkräfte gesund bleiben“, forderte Stachowitz. Sie begrüßte die zahlreichen, den Sportunterricht ergänzenden Projekte, jedoch müssten diese mehr in die Fläche gebracht werden. Völlig ungeklärt lasse die Staatsregierung nach wie vor die Frage der Inklusion behinderter Kinder in den Schulsport, bemängelte Stachowitz. Thomas Gehring (Bündnis90/DIE GRÜNEN) verwies zudem auf die große Bedeutung des Sports für die Integration von Zuwandererkindern. Allein deswegen müssten die Angebote erweitert werden.

Staatssekretär Eisenreich legte ein Bekenntnis zum Schulsport ab. Dieser werde von der Staatsregierung als „elementarer Beitrag für eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung“ gesichert. Er kündigte die weitere Förderung von Projekten zur Sport-, Bewegungs- und Gesundheitserziehung an den Schulen an. Um diese auch umsetzen zu können, leiste der Freistaat über erhöhte Fördersätze einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Sportinfrastruktur. So habe man unter anderem die Bestandsschutzgarantien bei der Generalsanierung von schulisch genutzten Schwimmbädern, Sporthallen und Außensportanlagen erweitert.




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