Bayerischer Landtag

Landtag ebnet Weg für das neue G 9

Bayern kehrt zum G 9 zurück. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

7. Dezember 2017
– Von Katja Helmö –

Ab dem nächsten Schuljahr 2018/2019 wird es in Bayern wieder ein neunjähriges Gymnasium geben – das beschloss der Bayerische Landtag fraktionsübergreifend. Die CSU-Regierungsfraktion hatte im Frühjahr die Rückkehr zu einem G 9 eingeleitet und war damit auf den Kurs der Oppositionsfraktionen eingeschwenkt, die schon längere Zeit neun statt acht Lernjahre am Gymnasium gefordert hatten.

„Das G 9 in Bayern kommt, und das ist gut so“, erklärte Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle bei der Abstimmung im Plenum. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf seien die notwendigen Grundlagen geschaffen worden. Nun gelte es, sagte Spaenle, diesen Rahmen auszugestalten.
Die dazu von der Staatsregierung vorgesehenen, konzeptionellen Eckpunkte stellte CSU-Bildungspolitiker Otto Lederer näher vor. Das bayerische Gymnasium soll demnach die Jahrgangsstufen 5 bis 13 mit einer „neuen“ Jahrgangsstufe 11 umfassen. Die zweite Fremdsprache setzt weiterhin in Jahrgangsstufe 6, das Profil der Ausbildungsrichtungen in Jahrgangsstufe 8 ein. Nach Jahrgangsstufe 10 soll der Mittlere Schulabschluss erreicht werden können. Institutionell verankert wird eine „Überholspur“, bei der begabte Schüler zunächst zwei Jahre lang mit Extra-Kursen vorbereitet werden, um dann die 11. Klasse zu überspringen. Alternativ zur „Überholspur“ soll ein Jahr im Ausland möglich sein.

Gegenüber dem G 8 sind zusätzlich 19,5 Wochenstunden Pflichtunterricht geplant. Dieses Mehr an Lernzeit soll für die Vertiefung und Wiederholung des Lernstoffs, aber auch für neue Inhalte im Bereich der politischen Bildung, der Persönlichkeitsbildung, der Digitalisierung und der Berufsorientierung bzw. -vorbereitung genutzt werden. Vorausgesetzt wird aber, wie Lederer erläuterte, dass die Stundenausstattung pro Fach mindestens der im G 8 entspricht, also kein Fach schlechter gestellt wird, und dass die Kernfächer weiterhin gestärkt werden.

„Der Rohbau steht, die Innenarchitektur fehlt aber noch“

„Der Rohbau des neunjährigen Gymnasiums steht, die Innenarchitektur fehlt aber noch“, mahnte Martin Güll, der Bildungssprecher der SPD-Landtagsfraktion und Vorsitzende des Bildungsausschusses. Er forderte unter anderem, mehr Flexibilität in die Stundentafel zu bringen, digitale Lernformen in allen Jahrgangsstufen zu verankern und selbstgesteuertes Lernen – 90 Minuten pro Schultag – zu ermöglichen. Der CSU warf er vor, inhaltlich und methodisch „an alten Zöpfen festzuhalten“.
Der bildungspolitische Sprecher der FREIEN WÄHLER, Prof. Dr. Michael Piazolo, wertete die Rückkehr zu einer grundständig neunjährigen Lernzeit am Gymnasium als einen „Sieg der Vernunft“. Seine Fraktion hätte dafür über Jahre hinweg nötigen Druck auf die Staatsregierung ausgeübt. Wie die Oberstufe konkret ausschauen soll, stehe aber ebenso wenig fest wie das Regelwerk für die „Überholspur“, bemängelte Piazolo. Er forderte die Einführung mindestens eines Leistungskurses, um Neigungen und Begabungen von Schülern optimal zu fördern und die Studierfähigkeit der Absolventen sicherzustellen.

„Heute ist ein guter Tag für das bayerische Gymnasium“, stellte auch Thomas Gehring, der bildungspolitische Sprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, fest. Angesichts der noch offenen Punkte sprach er allerdings von einem „Zwischenschritt bei der Reform des Gymnasiums“, zu der auch gute Ganztagsangebote gehörten. Handlungsbedarf sieht Gehring, was die Verankerung von neuen Lern- und Unterrichtsformen anbelangt, aber auch bei der finanziellen Unterstützung der Kommunen beim Schulbau.  

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