Bayerischer Landtag

Umgang mit der kommentierten Fassung von Hitlers "Mein Kampf" im Schulunterricht

Dienstag, 10. Mai 2016
– Von Ina Friedl –

Das Einbeziehen historischer Quellen belebt den schulischen Geschichtsunterricht. „Ein Geschichtsunterricht, der keine historischen Quellen einbezieht, ist kein guter Geschichtsunterricht“, sagt Dr. Ute Eiling-Hütig in der Plenarsitzung des Bayerischen Landtags. Auch Hiltlers „Mein Kampf“ wird in Auszügen im Unterricht behandelt. Jetzt ist mit Auslaufen der Urheberrechte eine kommentierte Fassung der Hetzschrift auf den Markt gekommen. Die Verkaufszahlen übersteigen die Erwartungen – „Mein Kampf – eine kritische Edition“ steht auf Rang 2 der Spiegel-Bestsellerliste. Die bayerische Staatsregierung erarbeitet derzeit einen Leitfaden, wie die kommentierte Fassung Eingang in die Schulen finden soll. SPD, FREIE WÄHLER und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN brachten je einen Antrag in das Plenum ein. Sie fordern einen Bericht der Staatsregierung zu deren Leitfaden.

„Die kommentierte Fassung von Mein Kampf ist schwer im Unterricht einsetzbar“, sagt Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) im Plenum. Die Ausgabe richte sich eher an eine wissenschaftliche Leserschaft. Um sie im Schulunterricht einsetzen zu können, sei eine zusätzliche Anleitung notwendig und der Lehrplan müsse ein zeitliches Fenster dafür vorsehen.


Trotzdem wünschen sich alle Fraktionen im Bayerischen Landtag, dass das Buch in seiner neuen Fassung Eingang in die Klassenzimmer findet. Gerade jetzt, da die Zahl rechtsextrem motivierter Übergriffe in Deutschland steige und eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit beobachtet werden könne, sei eine flächendeckende und fächerübergreifende Befassung mit dem Werk „unsere Antwort auf die Zeichen der Zeit“, sagt Georg Rosenthal von der SPD. Er zitiert in diesem Zusammenhang auch den deutschen Philosophen Theodor W. Adorno, für den ein Verhindern eines zweiten Auschwitz das erste Ziel aller Pädagogik war.
Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU) und Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle bekräftigen, dass die Staatsregierung das „Nie wieder“ ernst nehme. Das „Nie wieder“ gehöre zur Staatsraison, sagt Bildungsminister Dr. Spaenle. Das Staatsministerium entwickelt zurzeit ein mehrstufiges Programm, dass ein zielgerichtetes Einsetzen von „Mein Kampf“ im Unterricht ermöglichen soll. Die kommentierte Fassung des Buches wird dazu zusätzlich didaktisch aufbereitet, ausführliches Begleitmaterial über das Dritte Reich wird bereitgestellt und für die Lehrer soll ein umfassendes Fortbildungsangebot geschaffen werden.

Um genau diese Vorgehensweise der Staatsregierung ging es den Oppositionsparteien in ihren drei Anträgen: Sie möchten über die genauen Details informiert werden. Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) möchte wissen, in welchen Jahrgangsstufen „Mein Kampf“ behandelt werde und in welchen Schulfächern es verankert werden soll und warnt gleichzeitig vor einer Überbeschäftigung mit dem Buch. Es sei nicht nötig, den Schwerpunkt auf Hitlers „Mein Kampf“ zu legen. Es gebe auch andere Quellen anhand derer die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet werden könne. „Eine Überhöhung und eine Banalisierung des Werkes – beides ist gefährlich“, sagt Piazolo. Rosi Steinberger von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN weist darauf hin, dass eine optimale Vorbereitung der Lehrerinnen und Lehrer sehr wichtig sei und beklagt, dass die Staatsregierung lange Zeit keinen Fahrplan hatte, wie mit der kommentierten Fassung der Schrift umzugehen sei.


Staatsminister Spaenle verspricht dem Plenum: „Natürlich werden wir einen Bericht über unser geplantes Vorgehen in die Ausschüsse geben“. Das Plenum hat allen drei Anträgen einstimmig zugestimmt.

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