Bayerischer Landtag

Ausschuss für Fragen des Öffentlichen Dienstes: Fehlzeitenerhebung zeigt, dass Beamte selten krank sind

Dienstag, 27. November 2012
– Von Alexandra Kournioti –

Wer behauptet, Bayerns staatliche Bedienstete würden sich häufiger krank melden als Beschäftigte in der Privatwirtschaft, tut das ohne Kenntnis der Fehlzeitenerhebung des bayerischen Finanzministeriums. Aus der geht hervor, dass Beamte und Angestellte des Freistaats im direkten Vergleich mit den Versicherten der verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen besser abschneiden.

Ministerialdirigent Wilhelm Hüllmantel vom Finanzministerium gab dem Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes folgendes Beispiel: Im Jahr 2011 sind Bayerns Staatsdiener laut Bericht durchschnittlich 9,8 Tage (3,9 Prozent) wegen Krankheit ihrer Arbeitsstelle ferngeblieben. Bei den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkasse AOK Bayern machten die durchschnittlichen Fehlzeiten aufgrund Krankenstands 4,2 Prozent der Arbeitszeit aus. „Dabei sind im Fall der Krankenkasse die Kurzerkrankungen gar nicht erfasst, weil für diese bei den Krankenkassen keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht werden muss“, erläuterte Hüllmantel die Verzerrung. Bei den bayerischen Beamten dagegen werden die Krankheitstage auch dann erfasst, wenn sie nur bis zu drei Tage fehlen. Dann sei von einer kurzen Krankheit die Rede.

Eine mittlere Krankheitsdauer liegt bei vier Arbeitstagen bis zu sechs Wochen. Von einer längeren ist dann die Rede, wenn die Beschwerden mehr als sechs Wochen andauern. Während der Durchschnitt der mittelfristigen (4,2 Tage) und langfristigen Erkrankungen (3,3 Tage) bei den bayerischen Staatsdienern laut Bericht rückläufig ist, hat der Mittelwert der kurzfristigen Erkrankungen leicht zugenommen: von 2,2 auf 2,3 Tage. Auffällig ist aus Hüllmantels Sicht, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen nach Angaben der Krankenkassen zunimmt. Vor allem das sogenannte Burnout-Syndrom – zu dem diverse Krankheitsbilder zählen – werde oft diagnostiziert. Man nehme an, dass sich diese Entwicklung auch auf den öffentlichen Dienst übertragen lasse.

Die Beamten und Angestellten der unterschiedlichen Laufbahngruppen erkranken unterschiedlich lang: Die Mitarbeiter des einfachen und mittleren Dienstes hatten im vergangenen Jahr durchschnittliche Fehlzeiten von 13,9 Tage (5,6 Prozent). Bei den Beschäftigten des gehobenen Dienstes betrug der Krankenstand für denselben Zeitraum 11,1 Tage (4,4 Prozent). Die Bediensteten des höheren Dienstes wiederum blieben ihrem Arbeitsplatz durchschnittlich 5,4 Tage (2,2 Prozent) fern. Diese Unterschiede sind aus Hüllmantels Sicht jedoch kein Grund, um den Beamtengruppen mit den höheren Fehlzeiten Vorwürfe zu machen.

Vielmehr gebe es zwei triftige Gründe, mit denen die Differenz zu erklären sei: „Die Bediensteten des einfachen und mittleren Dienstes müssen körperlich anstrengende und belastende Arbeiten verrichten“, nannte er eine Ursache. Zudem bleibe ein Mensch, der im Freien arbeite, bei einer Erkältung eher zu Hause als ein Büroangestellter.

Bei den Fehlzeiten, differenziert nach Geschlechtern, fällt der Unterschied laut Erhebung marginal aus: Demnach fehlten männliche Staatsdiener im Jahr 2011 durchschnittlich 9,7 Tage. Weibliche waren durchschnittlich zehn Tage im Krankenstand.

Bernhard Seidenath (CSU) nannte die Expertise des Ministeriums „erfreulich“. Dennoch sei zu überlegen, was in Zukunft „noch besser“ gestaltet werden könne. „Wir müssen beim Führungsverhalten der Vorgesetzten ansetzen“, empfahl er. Dem stimmten neben Hüllmantel auch die Abgeordneten der anderen Fraktionen zu. Ihr gemeinsames Fazit lässt sich so zusammenfassen: Vom Betriebsklima sind die Fehlzeiten maßgeblich abhängig. Wo eine gute Stimmung herrsche, seien die Mitarbeiter meist motiviert und ihr Allgemeinbefinden sei positiver. In dem Zusammenhang merkte Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) an: „Burnout trifft nicht zuletzt Mitarbeiter, die übermotiviert sind.“ Diese resignierten öfter, wenn Vorgesetzte ihre Leistungen nicht anerkennen oder generell schlecht kommunizieren.

Günther Felbinger (FREIE WÄHLER) monierte, dass bei Lehrern und wissenschaftlichem Personal nur die Fehlzeiten berücksichtigt worden seien, die während der Unterrichts- und Vorlesungszeit vorkämen. „Viele von diesen Beschäftigten retten sich mit ihrer Krankheit in die Ferienzeit, wo dann der Einbruch zu verzeichnen ist.“ Er spreche aus eigener Erfahrung. Die Ausschussvorsitzende Ingrid Heckner (CSU) und Professor Winfried Bausback (CSU) widersprachen Felbinger: „Wenn ein Mensch krank ist, ist er krank. Da lässt sich nichts auf die Ferien aufschieben“, sagte Heckner. Von Einzelfällen auf den gesamten Berufsstand zu schließen, sei „Kaffesatzleserei“. Bausback gab zu bedenken, dass das Hochschulpersonal auch in der vorlesungsfreien Zeit zu tun habe. „Da würden sich Fehlzeiten manifestieren“, erklärte er.

Seitenanfang