Bayerischer Landtag

Ausschuss für Gesundheit und Pflege nimmt Sprengstoffsuchgeräte am Münchner Flughafen unter die Lupe

Dienstag, 19. April 2016
– Von David Lohmann –

Seit 1. September 2015 verlangt die Europäische Union, Flugpassagiere verstärkt auf Sprengstoff zu untersuchen. Doch seitdem die neuen Sprengstoffsuchgeräte am Münchner Flughafen im Einsatz sind, klagen Mitarbeiter der staatlichen Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) über Schmerzen, Schwindel und Atemnot. Bis November wurden 200 gesundheitliche Beeinträchtigungen und 99 Krankschreibungen gemeldet. Der Ausschuss für Gesundheit und Pflege erhoffte sich vom Bericht der Staatsregierung jetzt Aufklärung über die Ursachen.

Das Verkehrsministerium hält einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den neuen Geräten allerdings für ausgeschlossen. Zwar habe die Expertenorganisationen Dekra bei ihrem Gutachten in der Prüfkammer beim Gerät „Sniffer“ unter anderem die Ausgasung von Formaldehyd über dem erlaubten Richtwert festgestellt. „Es sind aber die Vor-Ort-Messungen ausschlaggebend“, erläuterte der Leiter des Sachgebiets Sicherheit im Luftverkehr der Obersten Baubehörde im Innenministerium, Ministerialrat Uwe Büchner. Und bei diesen habe die Ingenieursgesellschaft Müller BBM keine Ausgasungen von flüchtig organischen Verbindungen festgestellt.

Für Büchner liegen die Krankheitsursachen im „Sick-Building-Syndrom“ (SBS): „Dabei führen an sich harmlose Merkmale zu der Wahrnehmung, dass ich mich nicht nur krank fühle, sondern auch krank werde“, erklärte der Ministerialbeamte. Sein Hauptargument: Der Schwerpunkt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei in der Zeit gemeldet worden, als der Sniffer bereits vorsorglich aus dem Terminal entfernt worden war. An anderen Flughäfen in Bayern, Deutschland und der Welt seien ihm außerdem keine ähnlichen Probleme bekannt.

Seitdem das Gerät im Erdinger Moos wieder im Einsatz ist, gab es zwar erneut Mitarbeiterbeschwerden. „Die meisten sind aber identisch mit klassischen Erkältungserscheinungen wie sie im März üblich sind“, versicherte Büchner. Auch der Krankenstand sei nicht signifikant höher als im März letzten Jahres, im April liege er bisher mit knapp unter fünf Prozent sogar leicht darunter. Beide Geräte sind daher wieder für den Betrieb freigegeben. Aktuell werde allerdings noch nach dem optimalen Aufstellungsort gesucht.

Der Ausschussvorsitzenden Kathrin Sonnenholzner (SPD) fehlte nach eigenen Worten die Fantasie, dass es sich bei den Mitarbeiterbeschwerden um ein SBS handelt: „Die Symptome müssten dann beim Verlassen des Gebäudes aufhören.“ Selbst wenn die Ausgasungen für chemische Substanzen unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen, befürchtet sie „Additionseffekte“. „Zur Sicherheit am Flughafen gehören gesunde Mitarbeiter – und die haben wir nicht mehr“, ergänzte Dr. Christian Magerl (Bündnis 90/Die Grünen). Für ihn sei „Feuer am Dach“, wenn Mitarbeiter den ganzen Arbeitstag möglicherweise krebserregenden Substanzen ausgesetzt seien. Benno Zierer (FREIE WÄHLER) kritisierte, dass die Messungen zwischen 23 und 1 Uhr und damit nicht unter Echtzeitbedingungen stattgefunden hätten. „Es geht nicht, Krankheitsbilder zu vernachlässigen, nur weil sie rational nicht erklärbar sind.“

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