Bayerischer Landtag

Ausschuss für Umwelt und Gesundheit sowie Sozialausschuss: Fachgespräch mit dem Expertenkreis „Palliativmedizin und Hospizarbeit“

Donnerstag, 15. November 2012
– Von Anna Schmid –

Die Würde der Menschen muss im Vordergrund stehen – darin waren sich alle im Senatssaal einig. Der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit sowie der Sozialausschuss hatten die Mitglieder des Expertenkreises „Palliativmedizin und Hospizarbeit“ zu einem Gespräch ins Maximilianeum geladen. Die ehemalige Sozialministerin Christa Stewens (CSU) hatte den Expertenkreis 2003 ins Leben gerufen. Sein Ziel ist die bessere Versorgung todkranker Menschen in Bayern. Zweimal im Jahr treffen sich Vertreter aller betroffenen Verbände und Organisationen in großer Runde, um Erfahrungen auszutauschen.

Das Thema dieses Tages werde sonst oft an den Rand gedrängt, sagte Melanie Huml, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, dem die Palliativversorgung unterstellt ist. Die Leistungen der Hospize – hier fällt die Zuständigkeit an das Sozialministerium – müssten angemessen honoriert werden, betonte Ministerialdirektor Friedrich Seitz. Das sei noch lange nicht der Fall. Er stellte auch klar: Die bayerische Staatsregierung bleibt bei ihrem klaren Nein zur Sterbehilfe.

Dr. Elisabeth Albrecht, Sprecherin des Bündnisses SAPV in Bayern betonte, wie sehr die wenige Bürokratie ihr das Arbeiten in der spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) erleichtert habe. „Wir können frei arbeiten und uns auf die Bedürfnisse der Patienten einstellen“, sagte sie. Sie plädierte aber auch für eine bessere Versorgung auf dem Land und für mehr bezahlte „Zeit am Patienten“ in der Pflege. Eine nächtliche Sitzwache im Altenheim müsse qualifiziert sein, weil der Umgang mit Schwerstkranken Fachwissen erfordere, zum Beispiel, wenn eine zusätzliche Spritze gegeben werden muss.

„Die sechstausend ehrenamtlichen Begleiter in den bayerischen Hospizen arbeiten kostenfrei, aber nicht kostenlos“, sagte Henriette Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, Vorstandsvorsitzende des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands. Sie bräuchten passende Rahmenbedingungen für ihre Arbeit, müssten geschult und motiviert werden, außerdem müsse man die Jugend ansprechen, um Nachwuchs zu finden. Die Finanzierung der Vereine durch Mitgliedsbeiträge Spenden und zum Teil durch die Krankenkassen decke nicht die Kosten. Es fehle ihnen beispielsweise an Mitteln für Trauerarbeit, Supervision oder die Qualifizierung der ehrenamtlichen Vorstände.

Menschen, die zwischen Familie, Krankenhaus und Altenheim hin- und hergeschoben werden, bräuchten jemanden, der sie fortwährend begleitet und ihnen ein fester Ansprechpartner ist, sagte Prälat Bernhard Piendl, Direktor des Landescaritasverbandes. Die Caritas bildet Fachkräfte in einer 220-stündigen Ausbildung weiter. Doch wenn sie zurück ins Alten- oder Pflegeheim gingen, würden sie oft wieder als normale Pflegekräfte eingesetzt und könnten ihr Wissen nicht anwenden, so Prälat Piendl.

In der Palliativmedizin werden Menschen mit hochkomplexen Problemen behandelt, die medizinisch, sozial, pflegerisch und spirituell versorgt werden müssten, sagte Prof. Dr. Christoph Ostgathe vom Lehrstuhl für Palliativmedizin an der FAU Erlangen-Nürnberg. Deswegen sei die Palliativmedizin sehr schwer zu pauschalisieren. Eine Patientin mit schweren Schmerzen mehrfach umzulagern, könne eventuell kontraproduktiv sein, auch wenn dies verlangt würde. Er plädierte deshalb dafür, die Palliativmedizin aus dem Fallpauschalensystem (DRG) zu nehmen, das Patienten je nach Diagnose in bestimmte Gruppen einordnet.

„Sterbende Menschen können nicht in Schemata von „mittlerer Verweildauer“ und „oberer Grenzverweildauer“ gepresst werden“, meint auch Dr. Thomas Binsack, der Vorsitzende des Stiftungsrats der Bayerischen Stiftung Hospiz.

„Sie alle leisten wertvolle Arbeit“, sagte Dr. Christian Magerl (Bündnis 90/Die Grünen), der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit, der das Gespräch moderierte. Die Worte der Experten seien auf fruchtbaren Boden gefallen, die Auseinandersetzung mit dem Thema gehe nun in den Ausschüssen weiter.

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