Bayerischer Landtag

Der Ausschuss öffentliche Dienst zu Besuch in der fiktiven „Freistadt“

Der Ausschuss öffentlicher Dienst in der Übungs-Leitstelle der Feuerwehrschule. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Dienstag, 25. Oktober 2016

– Von Ina Friedl –

In Bayern gibt es drei staatliche Feuerwehrschulen. Eine davon liegt in Geretsried bei Wolfratshausen und ist das Ziel des Ausschusses für den öffentlichen Dienst. In Geretsried – oder besser in „Freistadt“, einer fiktiven Stadt für Einsatzübungen der Feuerwehrschule – möchten sich die Abgeordneten über das Lehrgangsangebot und die Personalsituation in der staatlichen Schule informieren. Der Austausch mit dem Leiter und den Abteilungsleitern der Feuerwehrschule macht deutlich: Die Personalsituation ist schwierig.

Freistadt braucht die Feuerwehr: Ein Omnibus ist umgekippt, vielleicht läuft Öl aus. Doch das ist nicht der einzige Unfall, der sich hier zugetragen hat. Ein kleines Flugzeug ist abgestürzt und hängt in einer Fichte fest.
Die zwei Katastrophen sind natürlich inszeniert. Das Schulungsareal der staatlichen Feuerwehrschule, die Freistadt, besteht aus Lehrsälen, aber auch aus weitläufigen Außenanlagen, wo fiktive Einsätze geübt werden können. „Wir haben hier zum Beispiel den kürzesten Autobahnabschnitt Deutschlands“, sagt Schulleiter Dr. Christian Schwarz. Auf der 120 m langen „A999“ können Einsätze bei schweren Verkehrsunfällen geübt werden. „Der Unterricht soll hier möglichst praxisnah und real erfolgen“, so Schwarz. Über 5.000 Teilnehmer pro Jahr werden in den Bereichen Katastrophenschutz, Krisenmanagement oder Menschenführung geschult. Außerdem gibt es Fortbildungen im Bereich Leitstellenarbeit, Digitalfunk und EDV. Die Feuerwehrschule in Geretsried, die für Oberbayern und Schwaben zuständig ist, hat 80 Mitarbeiter. Die Lehrer der Schule sind erfahrene Feuerwehrkräfte aus der Praxis. Zusätzlich durchlaufen einige von ihnen noch eine 2-jährige Fachlehrerausbildung.

Im gegenseitigen Informationsaustausch mit der Schulleitung, dem Personalrat und den Abteilungsleitern kommt heraus: Die Gewinnung von Lehrpersonal ist nicht einfach. Es gibt aktuell acht unbesetzte Stellen, obwohl Dr. Schwarz beteuert, er mache ständig Werbung und schreibe die Stellen ständig aus. Die Nachwuchsprobleme, wie Ausschussvorsitzende Ingrid Heckner (CSU) es formuliert, führt Personalrat Markus Harrer vor allem auf die Konkurrenz mit der Berufsfeuerwehr zurück. Ein Grund könnte die Eingruppierung der Lehrkräfte sein, die maximal in Besoldungsgruppe A11 erfolgt und nach Ansicht Harrers höher sein könnte. Außerdem bevorzugten viele die Arbeit bei der Berufsfeuerwehr, so Harrer. Die Eingruppierung sei im Vergleich angemessen, sagt Ingrid Heckner und macht außerdem auf die guten sozialen Rahmenbedingungen aufmerksam, die eine Verbeamtung mit sich bringen.

Es gäbe gute Ansätze, den Einstieg bei der Feuerwehrschule attraktiver zu machen, sagt Dr. Schwarz: Die Feuerwehrzulage zum Beispiel oder die Umstellung von Angestellten- auf Beamtenstatus. Auch das neu eingeführte Fachlehrermodell sei sehr gut. Es biete eine Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung und beruflichen Perspektive. Ein großes Augenmerk müsse immer auch auf die pädagogische Ausbildung der Lehrer gelegt werden. Für die nächsten Jahre wünscht sich Schwarz die Schaffung eines Berufsbildes „Lehrkraft der staatlichen Feuerwehrschule“. Als „guten Ansatz“ bezeichnet er auch einen Vorschlag Robert Brannekämpers (CSU). Brannekämper hatte gefragt, ob ein zeitlich begrenzter Austausch zwischen Fachlehrern der Feuerwehrschule und Feuerwehrmännern der Berufsfeuerwehr möglich sei. Die Lehrer erhielten damit wertvolle Praxiserfahrung und auch die Schichtdienst-Arbeiter der Berufsfeuerwehr profitierten von der Abwechslung, den der Einsatz in der Schule mit sich bringt.

„Grundsätzlich ist so ein Austausch wichtig und richtig“, sagt Friederike Fuchs vom Bayerischen Innenministerium. Nur leider könne die Feuerwehrschule keine Leute weggeben, so lange noch Stellen unbesetzt seien. Die Feuerwehrschule in Geretsried ist, genau wie die beiden anderen Schulen in Regensburg und Würzburg, dem Staatsministerium des Innern nachgegliedert. Bei dem Informationsbesuch waren deshalb auch Vertreter dieses Ministeriums, sowie des Finanzministeriums und der Regierung von Oberbayern dabei.

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