Bayerischer Landtag

Lehrerverteilung in Bayern – bedarfsgerecht und gleichmäßig, aber auch zu kurzfristig?

Dienstag, 20. Juni 2017
– Von Ina Friedl –

Fünf Jahre Lehramtsstudium und zwei Jahre Referendariat – danach wird es für angehende Lehrer in Bayern noch einmal spannend: Bekomme ich eine Anstellung und an welche Schule werde ich geschickt? Den Lehrkräften ist bereits bei der Berufswahl bekannt, dass eine Anstellung grundsätzlich in ganz Bayern möglich ist. Trotzdem versuchen die Behörden, Ortswünsche zu erfüllen. Die Verteilung der Lehrkräfte ist eine Mammutaufgabe: Alleine im Bereich der Grund- und Mittelschulen müssen jährlich über 5.000 Personalanliegen bearbeiten werden. Das dauert – zu lange, sagen die Oppositionsparteien im Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes. Oftmals bekämen die neuen Lehrer ihren Einsatzort erst unmittelbar vor Schulanfang mitgeteilt. Warum das so ist, erklärt Regierungsdirektorin Kornelia Salamon vom Kultusministerium im Ausschuss.    

Jedes Jahr vor Schulanfang fallen in Bayern zigtausend Personalentscheidungen. Dazu wird die Zahl der Bewerber der Zahl der freien Stellen gegenüber gestellt. Gibt es genug freie Stellen, wie etwa im Bereich der Förderschulen, werden alle Studienreferendare bis zu einer Note von 3,50 eingestellt. Wenn das Verhältnis ungünstiger ist, wie beispielsweise im Grund- und Mittelschulbereich, erhalten nur die notenbesten Absolventen eine Anstellung.

Die Verteilung der angehenden Lehrer auf die einzelnen Schulen erfolge dann nach dem Grundsatz einer gleichmäßigen und bedarfsgerechten Versorgung aller Schulen, sagt Regierungsdirektorin Salamon. Dazu muss zunächst der Bedarf jeder einzelnen Schule ermittelt werden, der von vielen Parametern wie etwa der Schülerzahl, dem Unterrichtsbedarf oder der Zahl der ausscheidenden Lehrer abhängt – Parameter, die sich oft erst kurzfristig ergeben. So ist die Mitteilung des Einsatzortes für viele Junglehrer eine sehr spontane Angelegenheit: Grundschullehrer bekommen oftmals erst während der Sommerferien mitgeteilt, wo sie in wenigen Wochen Lesen, Rechnen und Schreiben lehren sollen. Im Förderschulbereich erfolgt die Zuweisung aufgrund geringerer Bewerberzahlen schon im Juli, Gymnasiallehrer und Realschullehrer müssen sich in der Regel aber auch bis zum 1. August gedulden. „Warum ist das nicht deutlich früher möglich?“, fragt Dr. Hans Jürgen Fahn (FREIE WÄHLER) im Ausschuss. Den Grund kennt auch Martin Güll (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses, nicht. Für ihn ist die späte Verteilung neuer Lehrer ein Ärgernis, das jedes Jahr schlimmer wird. Die meisten Parameter seien bereits Anfang Mai bekannt, es müsste also möglich sein, die Zuweisungen schneller über die Bühne zu bekommen, sagt Güll. Zur Beschleunigung könne man außerdem die Zweite Staatsprüfung vorziehen. Natürlich habe man das Bestreben, Einsatzorte frühzeitig bekannt zu geben, sagt Berthold Rüth (CSU). Andererseits stelle die Verbeamtung eine große Chance für jeden Berufsanfänger dar und dafür gäbe es nun einmal eine entscheidende Voraussetzung, die von Anfang an bekannt ist: Die Lehrkräfte müssen bayernweit einsetzbar sein. Über die Dauer der Zuweisung sagt er, es gäbe eine solche Vielzahl an Personalentscheidungen – nicht nur über Neueinstellungen, sondern auch über Versetzungswünsche – dass diese nicht früher zu bewerkstelligen sei. Über die hohe Anzahl der Versetzungsanträge wundert sich auch Verena Osgyan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Bei den Grund- und Mittelschulen mussten neben 2.000 Bewerbungen um Einstellung im Schuljahr 2016/2017 auch 2.500 Versetzungsanträge bearbeitet werden.

Um unglücklich zugewiesene Lehrkräfte geht es auch in einer Petition, die der Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes im Anschluss behandelt: Es geht um die Lehrerversorgung am Untermain, speziell im Landkreis Miltenberg. Laut der etwa 2.700 Unterzeichner der Petition herrscht hier ein eklatanter Lehrermangel. Und das, obwohl es mit dem nahen Würzburg in Unterfranken eine Hochburg der Lehrerausbildung gibt. Die meisten Absolventen der Uni Würzburg werden aber nach Oberbayern geschickt, wo der Bedarf derzeit besonders hoch ist. Wer in Unterfranken bleiben darf, den zieht es aber auch nicht gerade nach Miltenberg und so kommt es, dass sich an den Miltenberger Schulen die Versetzungsanträge häufen. Die Nähe zu Baden-Württemberg und Hessen verschärft die Lage noch: Viele Unterfranken entscheiden sich für einen Schuldienst im Nachbarland, wo Zuweisungsentscheidungen früher im Jahr fallen und wo eine Versetzung ins ferne Oberbayern wegfällt. Die Schulen in Miltenberg sind zwar mit Lehrern ausreichend versorgt, was das Hauptanliegen von Berichterstatter Berthold Rüth ist, Martina Fehler (SPD) beklagt aber die fehlende Kontinuität im Lehrerkollegium. Sie unterstützt die Petition und fordert eine Sonderregelung für den Bereich Untermain: Referendare aus dem Untermain-Gebiet sollten nach ihrer Ausbildung auch hier eingesetzt werden. Nachjustierungsbedarf für diesen speziellen Fall sehen auch Vertreter der anderen Oppositionsparteien. Rüth hält dagegen: Es könne keine Sonderregelung unter Missachtung des Beamtenrechts für Miltenberg geben.

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